Von Matthias Bosenick (17.03.2026)
Izzy And The Black Trees geben sich alle Mühe, mit unbequemer Musik bestmöglich zu gefallen. Daher sammeln sich auf „Kisses To Chaos“, dem dritten Album der Band aus Polen, auch so viele eingängige Indierock-Lieder, die mit allerlei Zierrat von wunderschön, schmückend über schwermütig, wütend bis lärmend, aufregend versehen sind. Und es funktioniert: Durch die zeitlose Musik weht der DIY-Geist der frühen Achtziger, als alles möglich und jedes noch so unkonventionelle Experiment automatisch großer Pop war.
Da lassen sich Izzy And The Black Trees einfach mal gar nicht festlegen: Indierock, grundsätzlich, das trifft schon zu, Post-Punk bestimmt auch. Sicherlich auch mal kraftvoll und energetisch, nicht selten indes melancholisch, schwermütig, und weil das allein viel zu deprimierend wäre, dabei dann auch noch tanzbar. Bisweilen, ganz selten ereilt einen der Eindruck von allzu glatter Gefälligkeit, wenn Struktur und Sound vertraute Fahrwasser erreichen, doch immer dann fällt der Band irgendetwas ein, womit sie genau diesen Eindruck zerstreut und den Gehalt der Musik ums Erhebliche steigert: ein Noiseriff hier, ein bratziger Störsound dort, bereichernde Drumfills hüben, ein Bruch in der Songstruktur drüben. Den größten Beitrag daran hat die Gitarre, die nicht nur wahlweise melodisch oder rhythmisch daherkommt, sondern mit Effekten und Groove die Songbilder bereichert. Und zu allem liefert Izzys kraftvoller Gesang eine zusätzliche Energie.
Alles in Allem erreicht die Musik damit den Eindruck von Wave, von New Wave, von den frühen Achtzigern, als noch alles neu und möglich war, als man noch mit Abseitigem großen Pop generieren konnte, und daher trägt dieser unangepasste Indierock hier auch starke Popmomente in sich. So ein Nuller-Indie-Disco-Rhythmus ist da nur das sichtbarste Zugeständnis, selbst einen Ska-Offbeat durchkreuzen sie mit Punk-Gebratze. Die „Kisses To Chaos“ sind unangepasst und eigensinnig, gleichsam eingängig und außerdem saftig und fett produziert – und stellen eine reichlich bunte Sammlung an Hits dar.
Findet man Analogien? Sicherlich: Irgendwie Blondie oder Ideal, entzerrte L7 oder Sonic Youth, etwas Transvision Vamp oder Elastica möglicherweise. Und eigentlich sowieso eher gar keine, dafür ist der Kopf von Izabela Rekowska, die als Izzy die Band anführt, viel zu eigensinnig. Für dieses Album, lässt sie wissen, siedelte sie aus Poznań nach Łódź um, um das dortige Industrieflair in die Musik einfließen zu lassen. Izzys schwarze Bäume sind Gitarrist Mariusz Dojs, Bassist Łukasz Mazurowski und Schlagzeuger Mateusz Pawlukiewicz. Nach der selbstbetitelten Debüt-EP 2018 brachte das Quartett 2020 das Debüt „Trust No One“ heraus, es folgten das Album „Revolution Comes In Waves“ 2022 und die EP „Go On, Test The System“ 2024.
