Highest Primzahl On Mars – What??? – Clostridium Records 2026

Von Matthias Bosenick (27.01.2026)

Frage: Wie vielseitig kann der alte Kumpel Krautrock nach all den Jahrzehnten noch sein? Highest Primzahl On Mars so: „What???“ Auf ihrem bereits dritten Album in kaum drei Jahren lassen die Frankfurter ihre Visionen von Krautrock in zehn Tracks auf satte zwei Stunden ausgedehnt auf die Hörerschaft los. Spacig, repetitiv, unbegrenzt in jeder Hinsicht fügt das Quartett Elemente aus allen möglichen Genres hinzu – Stoner, Wave, Funk und mehr – und macht sich auf den Weg zum Mars. Da steigt man gern dazu.

Es sind echt nur zehn Stücke, allesamt instrumental, die Highest Primzahl On Mars hier vorlegen. Jede Punkband Hätte die auf eine 7“-Seite gequetscht, die Frankfurter füllen damit zwei CDs. Und lassen wissen, dass die letzten beiden Tracks – zusammen über eine halbe Stunde lang – lediglich Bonus von CD und Stream sind, aber nicht Teil der Doppel-LP, die dann ja trotzdem mit fast anderthalb Stunden nicht eben kurz ausfällt. Gehen wir mal von der Langfassung aus: Zehn Tracks, jeder in einem eigenen Universum, jeder mit einer eigenen Grundausrichtung, Stimmung, Atmosphäre.

Gleich ist bei allen Tracks, dass ihnen jeweils ein repetitiver Rhythmus zugrundeliegt, der über die gesamte Tracklänge – zwischen dreieinhalb und achtzehneinhalb Minuten – unverändert vor sich hin pluckert. Klaus Dinger und Jaki Liebezeit nicken dazu stoisch mit den Köpfen. Angereichert durch Fills und Wirbel, selbstredend, doch rollt der Schlagzeuger grundsätzlich eher eine Spielwiese aus, auf der sich die anderen drei Instrumentalisten austoben. Und sie toben!

Auch wenn sich Gitarren und Bass grundsätzlich an den Stoizismus des Schlagzeugs halten, wäre es ja komplett langweilig, wichen sie gar keinen Millimeter ab. Und so finden sich hier ausufernde Soli, variable Melodieführungen, veränderte Noise-Intensitäten im Hintergrund, gruftige Wah-Wah-Spielreien, spaciges Gniedeln, Funk-Anmutung, Disco-Energie, durchdrehende Keyboards, Jazz-Fusion-Frickeleien, psychedelische Versunkenheit, retrofuturistische Sprachsamples, durchgetretene Fuzzpedale und was den vieren noch so unterkommt. Es passt jedenfalls eine Menge rein in so ausgedehnte Musiklandschaften, und man darf davon ausgehen, dass die Primzahlen nicht selten improvisierten, als sie die Stücke einspielten. Da muss eine ausgeprägte kosmische Energie entstanden sein, das hört man der Musik auch stark an.

Und dann ist „What???“ erst das dritte Album der Frankfurter, die 2023 mit „Escape From Moronia“ debütierten und 2024 „Error Not Found“ folgen ließen. Die Primzahlen bestehen aus einer Musikermenge, bei der es sich um keine Primzahl handelt, nämlich vier: Schlagzeuger Gerd Böhme, bassist und Keyboarder Frank Diedrich sowie die beiden Gitarristen Arun Kumar und Uli „Hank“ Wagner. Man darf gewiss im Sommer mit dem nächsten Dreifach-Album rechnen, wenn die vier so weitermachen.