Von Matthias Bosenick (22.01.2026)
„Mindsuckers“ untergräbt Erwartungen, und das ist gut so: Ihr viertes Album etikettieren die Baseler Harvey Rushmore & The Octopus als Psychedelic Garage Rock, jubeln den hellhörigen Gewordenen aber noch einiges mehr unter, darunter Surf, Kraut und Noise. Das Album ist längst nicht so retro, wie es zunächst erscheinen mag – gottlob!
Der Anfang erfüllt noch die Erwartungen: „Wet Rabbit“ klingt nach Garage und Psychedelic, es shaket und fuzzt dazu, aber noch vor Ablauf dieses Openers durchstoßen Harvey Rushmore & The Octopus bereits die Grenzen. Sie packen den alten Freund Garage Rock anders an: modernere, gebrochene Rhythmen, psychedelische Power-Attacken, klar: verzerrte Stimme, aber nicht komplett übersteuerter Sound, trotz Noise-Einschüben, ein stoischer Krautrock-Rhythmus, vom Schellenkranz begleitet, und immerfort Freude an Schönheit und Melodie.
Noch mehr Bruch erfährt das Album knapp zur Hälfte: „Moon Reject“ und „Cloud Driver“ sind Balladen, da ruht der Stimmverzerrer, da kehrt Ruhe in die Garage ein, da tritt das Verspielte deutlicher zutage und man fühlt sich leicht an The Flaming Lips erinnert. Nächste Überraschung: Mit der Vorabsingle „Acid River“ surfen die Baseler mit lässigem Twang auf dem Fuzz-Fluss und begeben sich in „Cosmic Waves“ mit seinem mit Knarz-Synthie im Intro auf eine epische gemeinsame Reise mit Dick Dale und Suicide. Das Quasi-Titelstück „Mindsucker“ greift den turbulenten Noise als hypnotischer Rauswerfer auf.
Mit der EP „Octopus Ride“ trat die Band 2016 auf den Plan, 2017 erschien mit „The Night“ das Debütalbum von Harvey Rushmore And The Octopus, dem Baseler Quartett, von dessen Mitgliedern keines Harvey Rushmore heißt. Sänger und Gitarrist Massimo Tondini und Schlagzeuger Jakob Läser kannten sich bereits von der letzten Besetzung der 2014 aufgelösten Indierockband Navel, auch mit Bassist Jonathan Meyer sowie Gitarrist und Keyboarder Stefan Cecere teilten sie bereits diverse Proberäume und Bühnen. Bereits 2018 erschien das zweite Album „Futureman“, der „Freedomspacecake“ eröffnete der Band 2022 neue Türen, die sie nun mit „Mindsuckers“ durchschreiten will.
