Von Matthias Bosenick (30.03.2026)
Um „No Answer 2“ in seiner Gesamtheit erfassen zu können, müsste man sich wohl die ganzen anderen „No Answer“-Alben von Dušan Jevtović anhören. Das Album mit der Nummer zwei ist nämlich bereits das vierte, inklusive zweier Live-Varianten. Der in Spanien ansässige serbische Gitarrist macht darauf in Triobesetzung eine Art Jazz-Rock-Fusion, die vermutlich klassischen Fusion-Fans einiges an Akzeptanz abverlangt, denn die drei Musizierenden experimentieren hier ordentlich herum und erfreuen so auch Hörende, die Fusion allein inzwischen abgeschmackt finden.
Na klar frickeln die drei hier. Allen voran der Projektkopf, Gitarrist Jevtović. Seine Begleiter ziehen nach: Vasil Hadžimanov, Keyboarder aus Serbien, und Asaf Sirkis, Schlagzeuger aus Leidenschaft, in London lebender Israeli, unter anderem bei Soft Machine und Anchor & Burden. Grob ist das, was sie hier auf „No Answer 2“ machen, schon irgendeine Sorte von Jazz, mit Läufen auf der mal mehr, mal weniger angezerrten Gitarre, mit den flinken Fingern auf dem Keyboard, das mal als Piano, mal als groovende Orgel eingestellt ist, und einem multitaktischen Schlagzeug, das seine Verspieltheit einem nachvollziehbaren Takt unterordnet, was sogar bis zum Blues führen kann, wie in „Oneness“. Auch wenn vermutlich vieles hier improvisiert ist, ergeben sich rudimentär Melodien, an die man sich klammern kann, mindestens sind es Harmonien, denen zu folgen leichtfällt, trotz aller Abwege.
Diese Abwege nun bestehen nicht aus Lärm, nicht aus Eruption: Selbst wenn der Sound wie in „Kana Kola“ mal etwas strenger wird, da die Gitarre leicht erbost knarzt und dem Rock-Anteil an dieser Fusion auf dem vorliegenden Album das meiste Gewicht verleiht, gerät das Stück mitnichten zu Hard Rock, es bleibt umgänglich. Gestrenger bearbeitet der Bandchef sein Instrument kaum, zumeist hält er sich und seine Gitarre zurück, bis hin zu introvertiertem Klimpern, nur untertroffen von den Ambient- und Experimental-Sequenzen, die die drei Musizierenden immer wieder ausleben. Ebenso variabel setzt Hadžimanov sein Keyboard ein, mal als groovebefeuerndes Klimpern, mal als sphärisches Begleitinstrument. Auch donnert Sirkis‘ Schlagzeug nur selten mal los, auch er weiß sich zurückzuhalten und behutsam den Takt zu begleiten, obschon er es sich nicht nehmen lässt, beinahe unbemerkt obskure Figuren in seine vermeintlich einfachen Rhythmen einzunisten.
Erstaunlicherweise sind diese Aufnahmen schon alt, sie fanden 2018 live in einem Studio in Serbien statt, lediglich für zwei Tracks ließ das Trio jemanden namens Alexander Petroc die zweifellige Zylindertrommel Tapan später hinzufügen. Damit sind diese Aufnahmen sogar älter als die Veröffentlichung von „No Answer“, das erst 2019 herauskam, obschon seinerseits 2016 eingespielt, dieses Mal in Spanien. Auch „No Answer Live“ entstand 2018, vor Publikum in Serbien, es enthielt sechs der neun Albumtracks in veränderter Reihenfolge und ist erst seit 2020 zu erwerben. Mit einem Track mehr entstand 2019 das „No Answer Project Live In Barcelona“, veröffentlicht 2022. „No Answer 2“ setzt nun den Geist dieser Reise fort.
