Design – Faithless – Overdub Recordings 2026

Von Matthias Bosenick (13.04.2026)

Da steckt Feuer drin, und zwar ein Feuer aus mindestens zwei Welten: Electro und Rock kombiniert das Quartett Design aus Ancona auf „Faithless“, seinem dritten Album nach zehn Jahren Pause, zu einer Melange, die man in den USA möglicherweise als Industrial Rock bezeichnen würde. Starke Wave-Anteile und der Hang zur großen Geste machen aus diesem schwer googlebaren Album einen Kandidaten für Festivalbühnen und für die Rotation in abgedunkelten Clubs.

„Jeder Nachteil hat seinen Vorteil“, sagte einmal Johan Cruyff, und der Nachteil hier ist, dass man fortwährend den Eindruck hat, genau diese Musik bereits zu kennen, wenn nicht sogar im Regal stehen zu haben, und zwar seit um die 30 Jahren. Was ist das: Filter, Stabbing Westward, Meathead? Letztere immerhin waren ebenfalls Italiener. Der Opener „Faithless“, mithin das Titellied des gleichnamigen Albums, wie Guido bemerken würde, startet mit einer Ausleihe bei Depeche Mode, was die Sounds und die Harmonien betrifft, möglicherweise auch den Gesang, aber dann tritt eine Gitarre hinzu, die man mit der Elektronik kombiniert eher aus dem NuMetal kennt, vielleicht aus dem Alternative Rock der Nuller. In jedem Falle: Man kennt es irgendwie. Und das ist der Vorteil: Design haben es nicht schwer, mit „Faithless“ neue Hörerschaften zu erschließen und für sich zu begeistern.

Dann hören wir es uns mal an. Fett sind sie, die zehn Songs plus kurzem Experiment. Hier sitzt jeder Ton, echtes Schlagzeug wechselt sich mit Drumbeats ab, Synthies, Gitarren und Bässe weben einen dichten Soundteppich, der mehr Rock als Metal ist und der Raum lässt für verspielte Einschübe; das Piano in „The Belly Of The Whale“ etwa, einen fuzzy Bass wie in „Evil Eye“ oder eine starke Anlehnung an The Cure wie in der zweiten Vorab-Single „Blame“. Die Songs haben Energie, Pathos und Groove, bisweilen übertreibt es der Gesang etwas mit dem Angestrengten. Die Musik fällt etwas aus der Zeit, diese Kombi ist heute eigentlich gar nicht so richtig angesagt, und das macht es wieder mutig, dass das Quartett im Jahre 2026 damit aufschlägt. Mindestens Nostalgiker dürften hellhörig werden.

Dieses Quartett existiert seit 2008 in unveränderter Besetzung: Gesang und Programmierung übernimmt Daniele Strappato, Sara Tringali den Bass, Nicola Cerasa Gitarren und Keyboards sowie Roberto Cardinali das Schlagzeug und dessen Programmierung. 2010 machten Design mit der EP „4 Little Hanged Toys“ erstmals auf sich aufmerksam, es folgten 2012 das Album „Technicolor Noise“, im Folgejahr das Remix-Album „Fail Better“, im selben Jahr die Cover-EP „The Gift“ und 2015 das zweite Album „Daytime Sleepwalkers“, dem 2016 die Neubearbeitung „DSRMX“ folgte. Das war der letzte Ton des Quartetts, das nun mit „Faithless“ seinen Weg fortsetzt.