Daniel.B. – Mandala 3/Mandala 4 – db2fluctuation 2025

Von Matthias Bosenick (02.01.2026)

Chillig ins neue Jahr: Mit zwei neuen Kapiteln setzt Daniel Bressanutti seine „Mandala“-Serie fort, mit der er Ambient-Tracks in die Welt setzt. Mutmaßlich generiert der Brüsseler sie alle mit analogen Synthies, zumindest haftet ihnen diese wärmende Zeitlosigkeit an. Das wären die besseren Kandidaten für den „Tron“-Soundtrack gewesen – und mit der Zugehörigkeit zu den EBM-Erfindern Front 242 hätte man mit Daniel.B. auch recht gut in Promotion gehen können.

„Mandala 3“ ist 20 Minuten lang und beginnt wie ein Lichtstrahl, der Trübnis verdrängt, der in ein Meer abtaucht, das schwer, aber wie in Zeitlupe wogt. Man gewöhnt sich so sehr an die behutsamen sphärischen Tonhöhe-Modulationen, dass man sich wundert, wenn nach einigen Minuten ein Synthie hinzukommt, dessen Töne rhythmisch abgehackt wirken und die Hörerschaft damit leicht rütteln, bis diese feststellt, dass auch dieser Synthie dem Entspannenden des Tracks nichts anhaben kann. Zumal auch dieser Zustand nicht anhält: sondern alles ins Nichts absinkt – und neuen beatlosen rhythmischen und melodischen Sphären Platz macht. Doch fügt Bressanutti nach einer Weile auch leicht verstörende Sounds ein, die die Stimmung in Richtung Unwohlsein neigen, die Spannung generieren inmitten der Entspannung. Nur kurz, dann verleiht er dem Track etwas eher Cineastisches, Raumgreifendes, gar Retrofuturistisches.

In zwei Teile gesplittet ist „Mandala 4“, jeweils eine Viertelstunde lang und gleich vom ersten Ton an ganz anders als der dritte Teil. Die Sequenzen gehen steil nach vorn, auch ohne Beats treiben sie die Hörerschaft vor sich her. Man fühlt sich an Bressanuttis einstiges Projekt Male Or Female erinnert, das er vor über 20 Jahren mit seinem Front-242-Kollegen Patrick Codenys und dem im dEUS-Umfeld aktiven Gitarristen Elko Blijweert betrieben hatte, mit dem er übrigens bis heute Musik veröffentlicht, zuletzt vor einigen Monaten das Album „Kill My Jazz“. Auch ohne die Sequenzen, die sich nämlich alsbald zwischenzeitig verflüchtigen, haben die Sphären mehr Druck als im dritten Mandala. Der ganze Track entwickelt etwas Zwingendes, partiell sogar durch die Art, wie Bressanutti den Synthie anschlägt, eine unerwartete, packende Härte, auch ohne Beats. Die folgen im zweiten Teil des vierten Teils, der erstmal sphärisch peitscht. Was er nicht durchzieht, sondern abermals ins Cineastische verfällt, als Übergang zu einem neuen Beat, der sich etwas weniger dominant den Sequenzen unterordnet. Der nächste treibende Beat wiederum deutet in Richtung des vor 23 Jahren einmalig ins Leben gerufene Projektes Speed Tribe. Nach diesem erneuten Härteschub lässt Bressanutti den Track kurz chillig ausrollen.

Bedauerlich, dass Bressanutti und Dirk Bergen, mit dem er das Label db2fluctuation betreibt, aus Kostengründen keine physischen Tonträger mehr vertreiben. Diese „Mandala“-Serie gibt es indes bei Bandcamp zum Name-your-price, also bei Bedarf auch kostenlos als Download. Auf der Labelseite findet sich ohnehin ein gigantischer Fundus an höchst spannender Musik.