Von Matthias Bosenick (27.02.2026)
Dem alten Kumpel Black Metal kann man ja so einiges Neues angedeihen lassen, etwa Ambient, Post Rock, Screamo, und meistens kommt auch etwas Spannendes dabei heraus. Cult Of The Moon aus Washington D.C. verlegen sich auf ihrem Debütalbum „Lunar Eclipse“ darauf, ihren Black Metal fett zu spielen – und ihn mit Melodien anzureichern. Damit rückt er dem Gothic Metal näher, ohne gottlob dessen Kitsch zu übernehmen und ohne die Energie des Hardcore einzubüßen, die die Band ebenfalls einfließen lässt.
Die Akkorde des Openers „Lunar Eclipse“, der, wie Freund und Kollege Guido bemerken würde, mit seinem Titel den des Albums aufgreift, mithin das Titellied darstellt, wirken zunächst wie eine Gothic-Version von „Zombie“ der Cranberries, tiefergelegt und mit mehr Attraktivität versehen, doch dann lassen Cult Of The Moon die ihnen innenliegende Wucht von der Leine. An diese klemmen sie sie zwischenzeitig auch immer mal wieder, um den atmosphärischen Aspekt des modernen Black Metals auch zu berücksichtigen, mit In- und Outros, die so spartanisch instrumentiert sind, dass sie abermals dem Gothic zunicken. Auch mal ein Piano oder Glockengeläut erfahren ihren kontemplativen Einsatz.
Ansonsten gibt’s Metal. Black Metal in der extrem beschleunigten Variante, natürlich, doch den ziehen Cult Of The Moon nicht plakativ und klischeehaft durch, sondern durchsetzen ihn mit Entschleunigung und Rhythmuswechseln. So bekommt man zwischendurch auch mal die Gelegenheit, seinen Nacken wie im Thrash Metal zu massieren. Zwischendurch, in „Curse“, verfällt die Band in einen vom Death Metal infizierten Classic Rock, der mit seiner Riffigkeit beinahe einen Popappeal in den Song einbringt – der dann flugs und beinahe unbemerkt zurück zum Black Metal schwenkt. Mit dem gelegentlich angewandten Dreivierteltakt dringen kurze Momente der Genreerfüllung ein, ebenso mit manchem heroisch-hymnischen Gitarrensolo. Kurze Momente der Lieblichkeit befeuern das Harmonische im Melodieeinsatz, mit dem Cult Of The Moon ihre Stücke auflockern. Etwa in „The Dawn That Never Comes“, das zwischendurch wie eine stark verdunkelte Version von Europe klingt. Zu allem shoutet der Gesang auf eine Weise, die dem Hardcore näher ist als dem Black Metal.
Der Black Metal von Cult Of The Moon ist zudem mitnichten so kalt, wie es der aus Norwegen damals war, was allein über den melodischen Anteil kaum möglich ist. Dunkelheit, Aggressivität und Melancholie wechseln einander ab, Schönheit ist der Band nicht fremd, und so stellt man fest, dass im Grunde keiner der neun Songs so endet, wie er beginnt, geschweige denn, im Verlauf nicht noch mit Überraschungen punktet.
Die Band formierte sich 2022 in Haifa, Israel, und siedelte nach Washington D.C. über, um im Juni 2024 die erste Single „Lunar Eclipse“ herauszubringen, auf deren Cover – wie auf dem dieses Albums – Titel und Bandname zusätzlich auch auf Hebräisch notiert sind. Nach drei weiteren Singles liegt nun das Debüt vor, das alle vier Vorabsongs enthält, wenn auch in leicht variierten Versionen. Drei Gründungsmitglieder sind noch dabei: Sänger und Gitarrist Andrey Kogan und Gitarrist Roman Klebanov, die sich bereits von der Band Katastrof aus Haifa kennen, sowie Schlagzeuger Morax Netz von Eternal Decay (Haifa), Romuvos (Litauen, Berlin) und Winterhorde (Haifa). Seit 2025 am Bass dabei ist Alfred Samuel, der für Bandmitgründer Artyom Agronov nachrückte. Mit ihrem unbekümmerten Umgang mit Genregrenzen erzeugen Cult Of The Moon einen Black Metal, der Spaß macht, ohne die Basis aus den Augen zu verlieren.
