Von Matthias Bosenick (16.01.2026)
Das ist mal ein Konzept mit langem Atem, und beinahe ist es sogar ebenbürtig bemerkenswert wie die Mucke: Begleitmusik für die Filme um die Figur „Machete“ erstellt das Berliner Duo-Projekt Cruenta Venganza, folgerichtig auf Spanisch „Blutige Rache“ getauft, und zwar mit Death Metal. „Legend“ nun begleitet den fiktiven dritten Teil der Kinofilmreihe, „Machete Kills Again … In Space“. Könnte man als ein Scherzprojekt abtun, wäre die Musik nicht so geil ins Gesicht: Dieser Death Metal vereint noch so einige andere Auswüchse unter seinem Hut und gefällt auch ohne den vergnüglichen Hintergrund.
Machete im Weltall also. Die Songtitel lassen dies besser erahnen als die Musik, die ist sehr bodenständig und erdig, sphärisch-spacige Momente schleichen sich nur selten ein. „5000 Lightyears Away From Home“ startet gerade noch so synthetisch-spacig, doch schon der „Cosmic Outlaw“ bedient das überdimensionierte Messer, mit dem das Duo fortan metzelt und dem „Space Killer“ Ehre erweist.
Kann man sich kaum vorstellen, dass hier tatsächlich nur zwei Leute zugange waren. Nach typischer Art des Death Metal generieren Cruenta Venganza ultraschnelle Riff-Melodie-Parts mit Growls, finden aber abseits der Milchstraße noch andere Elemente härterer Spielart, etwa den Groove aus dem Thrash Metal, das Tempo aus dem Black Metal, Gniedel-Soli aus dem klassischen Heavy Metal, die Melodien – nun, überhaupt Melodien, mit denen das Duo seinen blutigen Feldzug bereichert. Sogar in progressiv strukturierte Gefilde dringen sie vor, „Machete Lives“ etwa bietet ein ganzes Bündel an Stilsprüngen, inklusive einer Gitarre, die kurz an Motörhead erinnert. Und einem Ambient-Outro, mit dem der Killer ins All entschwindet.
Hinter Cruenta Venganza stecken Sven Hansen und Steffen Peise, hier Quebrantahuesos (Bartgeier, ist zumindest wahrscheinlicher als das spanische Radrennen) und Cráneo-Escisionista (Schädelschere). Beide sind und waren in Berlin in diversen Metal-Projekten etabliert, die Info zählt neben dem Black-Metal-Doom-Projekt Tru’nembra noch Breath Of Purity, Burning Cross, Infernotion, Defaced Humanity und Mytherine auf. Cruenta Venganza hoben die beiden 2010 aus der Taufe, veröffentlichten 2013 „Maybe The Legend Is Better“ als Begleiter zum gerade erschienenen Film „Machete“, den Robert Rodriguez drehen musste, nachdem er 2007 einen fiktiven Trailer dazu in den „Grindhouse“-Doppelfilm mit Quentin Tarantino eingebaut hatte. Zur 2013er Fortsetzung „Machete Kills“ erschien 2016 das Album „The Man The Myth The Legend“, das dritte Album folgt nun fast zehn Jahre später und soll Rodriguez dazu inspirieren, den Film „Machete Kills Again … In Space“ zu realisieren. Und sie fassen es als ihr letztes Album auf, denn die Reihe war bereits im Ursprung auf drei Teile ausgelegt.
So ganz nur zu zweit spielten Cruenta Verganza „Legend“ nicht ein, sie listen einige Gäste auf, bleiben aber teilweise unbestimmt, um wen genau es sich handelt. Eindeutig ist der Schlagzeuger, nämlich Krimh Drums von Borgen Digital, also eine Art Dr. Avalanche, was man nicht hört. Weitere Beitragende sind: Klaus Herbert mit Bonus-Gesang, Martin alias El Mariachi mit einer Akustikgitarre im „Galactic Showdown“, Dr. Lena Böhme aus Leipzig mit diversen Gitarrensoli, Morph mit dem Solo in „Queen Of Space“, Philipp Mantel mit dem Solo in „Moon Base Massacre“ sowie Robert Damerius mit dem Solo in „Space Killer“. Nur Trompeter finden sich nicht. Bitume bringt das bereits im Mai 2025 digital veröffentlichte Album nun als CD heraus.
