Von Matthias Bosenick (09.03.2026)
Eine Muschel mit Dach macht sich von Frankfurt am Main aus aus, in Sachen psychedelischer Rockmusik neue Pflöcke zu setzen: Clâm nennt sich das international besetzte Quartett, „Clâm“ heißt auch das Debütalbum. Laut info möchte die Band darauf Heavy Psych, Disco und Ambient verschmelzen, doch die Wahrheit ist viel schöner: hypnotische Fuzz-Folklore zwischen den Cowboy Junkies und den Fleetwood Mac der Siebziger, zwischen entspannt und treibend, schlüssig vereint unter einem Dach.
In nur sechs Stücken deckt das Quartett seine vielseitigen Qualitäten ab. Mit dem „Levee Lament“ starten die Frankfurter noch zurückhaltend, doch bereits „Outside“ erfüllt den Tatbestand des Tanzbaren, obschon man hier Disco als Begriff nicht unbedingt anführen würde. Das Stück treibt voran und lässt seine Hörerschaft nicht stillsitzen, das trifft zu. Eine Orgel mengt sich in den Sound, nicht als einziges Mal auf diesem Album, und diesen Sound bestimmen ein folkiges Schlagzeug, also weniger eines aus dem Heavy Rock, ein Bass mit eigener groovender Stimme sowie Gitarren, die nicht nur zwischen Rhythmus und Melodie verhandeln, sondern auch mal als Effektgerät eingesetzt sind. Gelegentlich streut ein Fuzz Sand ins Getriebe und lässt es angenehm schmirgeln. Auch eine Akustikgitarre mogelt sich mal in den Sound und tut ihm gut. Dazu gibt es Gesang zwischen Margo Timmins und Christine McVie – indes, bisweilen etwas zu sehr in den Vordergrund gemischt.
Rockmusik kann eben vielseitig ausgeprägt sein, und diese kommt ohne Härte aus, was der Musik auch deutlich besser steht. Mit der bisweilen nicht nur leicht folkigen Ausprägung erinnert der Sound von Clâm nicht selten an den der Cowboy Junkies, auch die können ja fuzzy und psychedelisch, wenn sie nicht gerade der fragilen Kontemplation frönen. Etwas „Rumours“ von Fleetwood Mac lässt sich zum Ende von „Clâm hin ebenfalls heraushören, und auch das bereichert das Gesamtbild.
Die noch frische Band Clâm besteht aus: Sängerin Michelle Blythe aus den USA, Gitarrist Sven Hollmann, Bassist Eddie Blythe aus dem UK und Schlagzeuger Björn Giebler. Die gebürtige Kalifornierin Blythe kam vor 25 Jahren nach Deutschland und eröffnete in Hochstadt bei Frankfurt ein Café. Blythe trat als Kontrabassist mit der Folk’n’Roll-Band The Water Rats auf. Viel mehr lässt sich über das Quartett kaum herausfinden, aber das dürfte sich nun ändern: „Clâm“ ist ein wunderbarer Einstand.
