Ciolkowska – Bomba Nastoyashchego – Look At That 2026

Von Matthias Bosenick (19.01.2026)

Nur zwei Songs, aber eine Viertelstunde Spielzeit, das muss irgendwas mit Progressive, Psychedelic und Space Rock zu tun haben, oder? Ja, aber nicht nur! Die zwei Songs von „Bomba Nastoyashchego“ sind der Vorbote auf ein neues Album von Ciolkowska aus St. Petersburg, und wie sehr man sich darauf freuen darf!

Die ersten fünf Minuten gehören „Silushka“ („Силушка“, Kräftchen), das mit warmen Space-Rock-Gitarren und dem Gesang von Yegor Svysokihgor zunächst im Genre bleibt, aber eben lediglich zunächst. Es erinnert etwas an Into The Abyss, die mit dieser fragilen Art zu rocken in den Neunzigern im Space Rock eigene Akzente setzten. Ein gebrochener Rhythmus erweitert das Spektrum, die Gitarren changieren zwischen Rhythmus, Melodie und Effekt, Wucht entfesselt sich, und sobald sich ein treibender Rhythmus einstellt, singt Maria Nanzat-Ool und alle Instrumente geraten in einen gemeinsamen krautigen Energiefluss, der sich mit dem nächsten Wechsel am Mikro zurück zu Yegor Svysokihgor nur noch mehr steigert.

Dann das zehnminütige Titelstück „Bomba Nastoyashchego“, „Бомба Настоящего“, „Bombe des Jetzt“. Auf einem beinahe technoid treibenden, enorm lebendigen Beat improvisiert sich die Band ins All, nein: in den Kosmos, denn darum geht es ihr ja zuvorderst. Wiederholungen, warmes Gniedeln, unendliches Solieren, etwas Fuzz, alles im Wechsel, gelegentlich mit Stimme. Und eine Gitarre, deren Sound gelegentlich an den von „The Unforgettable Fire“ von U2 erinnert. Dieser hypnotische Track ist eine quasi-Fortsetzung von „Silushka“, denn er basiert auf einer Improvisation, die die Band auf dessen Grundlage vornahm.

Mit den beiden Tracks deuten Ciolkowska auf Elemente der russischen Folklore. „Silushka“ verweist auf die Kraft der Ahnen und somit auf familiäre Wurzeln als Werte, „Bomba Nastoyashchego“ vertieft diesen Blick in Richtung Sinn des Lebens und Glücklichsein, das innere Erwachen mithin. Und das, obschon das Grundthema von Ciolkowska der ebenfalls schon folkloristische russische Kosmismus ist, wie die Band wissen lässt. Schließlich bezieht die sich namentlich auf den Erfinder Konstantin Eduardowitsch Ziolkowski, den Begründer der Kosmonautik.

2013 hoben Freunde die Band aus der Taufe, Alben gibt’s wie Sand am Meer, und doch ist das letzte, „Психоделия“, „Psychedelia“, bereits sechs Jahre alt. Als kleines Schmankerl sei hier abermals die zehn Jahre alte EP „Циолковская показала свое лицо (Вечная 16 08 16)“ angeführt, auf der sich der zehnminütige, extrem gute Electro-Track „Kirya Pistolzzz In The Future (Pistolet Budushchego Remix by Primary Substance)“ findet.

Die Aufnahmen dieser vorliegenden Single sind ihrerseits bereits fünf Jahre alt, es ist also höchste Zeit für das Album. Beteiligt waren hier: Yegor Svysokihgor mit Gesang und Gitarre, Alesya Izlesa mit Gitarre, Aleksandr Musaev am Bass, Yegor Yegorsky am Schlagzeug, Maria Nanzat-Ool mit Gesang und Aleksandr Meertsuk mit Percussion.