Von Matthias Bosenick (23.01.2026)
So schnell wie ihr Death Metal sind Cadavrul mit ihrer Veröffentlichungspolitik nicht: Ihr zweites Album „Necrotic Savagery“ folgt dem Debüt „Enter The Morgue“ nach satten 13 Jahren. Die Rumänen aus Constanța betrachten ihre Art von Death Metal als oldschool, heißt: fette Riffs, Tempo zwischen Punk, Groove und Doom, Grunzen und Schreien, blutrünstige Themen, schließlich lautet ihr Bandname übersetzt „Leiche“. Dieses brutale Stück Musik hat keinen Makel: Es bedient das Genre vortrefflich.
Da Cadavrul so ziemlich alles einsetzen, was man im Laufe der Jahrzehnte vom Death Metal kennt, auch vom moderneren, wird „Necrotic Savagery“ keinen Moment lang langweilig. Das Quartett brüllt sich durch Grooveattacken, die man auch im Thrash Metal finden kann, durch Speedstrecken, die das Genre dem Punk entlieh, und durch extremst gebremste Kopfnickersequenzen, die in der abgedunkelten Darreichungsform dem Doom recht nahe sind. Zurückhaltend geht die Band da an keiner Stelle vor, hier drückt und schiebt es allenthalben, und so richtig Schnörkel finden sich außerdem kaum, das ist schon recht kompakt hier, gelegentlich vielleicht das Quietschen einer Gitarre in einem Break, ganz selten mal ein sehr kurzes Solo. Dafür sind die Tracks eben recht abwechslungsreich strukturiert. Und der Gesang ist schon nicht mehr als Growlen zu bezeichnen, das hier ist Grunzen, gelegentlich flankiert von höherem Schreien.
Mit dem grandiosen Bonus-Track „Fuck Fashion“ ist das Zehn-Track-Album gerade mal eine halbe Stunde lang, dafür aber so konzentriert gepackt, dass es so schwer ist wie zwei seiner Art. „Enter The Morgue“ hatte 2013 vier Tracks mehr, kratzte aber auch nur an der 40-Minuten-Grenze. Mit sieben Jahren Vorlauf erschien 2006, also im zweiten Jahr des Bandbestehens, das Demo „Forensic Nightmares“, mit vier Songs in elf Minuten. Ja, Tempo können sie musikalisch, und wenn sie diese Reihe beibehalten, dürfte mit dem dritten Album erst um 2050 zu rechnen sein.
Immerhin ließen Cadavrul zwischenzeitig mal Lebenszeichen ab, auch jenseits der Bühne, die vornehmlich ihr Zuhause ist: Die beiden Album-Tracks „Circle Pit“ – hier „Circle Pit (B.Y.H.)“ – und „Marș funebru“, „Trauermarsch“, waren in den zurückliegenden zwei Jahren bereits auf Compilations zu finden. Zur Band gehören: Grunzer Valentin „Karcalac“ Mincu, Gitarrist und zweiter Schreihals Corneliu „The Dacian“ oder auch „Profaner“ Belu, Schlagzeuger Patrick Andrei Preda und Bassist Sorin „Tormentor“ Vlad. In den Nullern gab es einige Besetzungswechsel, sogar mehr, als die aktuellen Zugehörigen an Nebenprojekten haben, aber seit 2015 ist diese Besetzung stabil.
