Was meine Freundin gerne liest – die Literaturkolumne: Sapperlot, so ein Firlefanz

Von Onkel Rosebud

Meine Freundin hält nichts von dem Eingeteile in Generationen. X, Y, Z, Alpha – alles unnötige Kategorisierungen werberelevanter Gruppen. Wird sie gefragt, zu welcher Generation sie sich zählt, sagt sie: „Ich bin Generation Generation“, was ich eine ziemlich gute Antwort finde. Womit sie allerdings nichts zu tun haben will, sind Boomer, weil damit Personen gemeint sind, die als rückständig gelten und nicht offen für neue Ideen, Technologien oder Veränderungen sind. Der Begriff wird irgendwie immer nur für begriffsstutzige Männer verwendet, als gäbe es in der Altersklasse keine Frauen, die unflexibel bei der Work-Life-Balance sind. Würden die dann Boomeranen, Boomereusen oder Boomerinen heißen?

Trotzdem freut sie sich, wenn ihr altmodische Ausdrucksweisen oder Worte über den Weg laufen, die in ihrer Teenagerzeit zum aktiven Wortschatz gehörten und heute vor dem Aussterben bedroht sind, zum Beispiel Ratschefummel für Radiergummi oder Futschikato, eine Bezeichnung dafür, dass etwas verschwunden ist oder nicht zu gebrauchen. Damals ging man noch in flippigen Klamotten aus der Boutique auf eine Fete und schwofte oder hottete zu fetziger Mucke. Man baggerte an, um miteinander zu gehen. Aber eigentlich wollte man poofen. Alles war astrein, urst und schmuck oder geilomat, oberaffengeil und mehr als oberaffentittengeil ging nicht. Das Gegenteil war unrund. Und am Ende war man hacke oder breit und wollte nur noch abhängen.

Wurde man dabei erwischt, Firlefanz, Schnickschnack, Kokolores, Kladderadatsch, Schabernack, Fisimatenten oder Sperenzchen zu machen, gab es von den Eltern erhohte Obacht und der liebe Herr Gesangsverein forderte, dass sich der Sportsfreund auf den Hosenboden setzt. Mit Trick 17 kam man aus jedem Gedöns wieder raus. Bis auf den Haudegen Baujahr 1941 waren die Pauker an der Penne wahlweise ätzende oder oberätzende Heiopeis, für die man malochen oder rabotten musste. Die Musiklehrerin griff manchmal zur Klampfe. Bei Bombenwetter fuhr man mit der Karre und schnabulierte Schmackofatz, aber keinen Bandsalat.

Faszinierend, wie sich Sprache verändert. Zum Glück blieb aber auch einiges auf der Strecke, veraltete Redewendungen, wie „Innerer Reichsparteitag“, „Dann ist Polen offen“, „Bis zur Vergasung“ oder „Hart wie Kruppstahl“ sind mittlerweile verpönt, verwendet zu werden. Nur „08/15“ hat überlebt, weil kaum jemand weiß, dass dieser Ausdruck aus einem militärischen Kontext kommt. Denn die Redewendung geht auf ein Maschinengewehr aus Massenproduktion mit der Nummer 08/15 zurück, mit dem deutschen Soldaten im Ersten und teilweise auch im Zweiten Weltkrieg kämpften.

Papperlapapp. Klappe zu, Affe tot. Wir sind hier nicht im Kongo,

Onkel Rosebud (Heimscheißer)