Von Matthias Bosenick (25.09.2026)
Ah: Post Rock kann also doch anders sein! Zumindest, wenn man etwas Anderes macht und behauptet, es sei Post Rock. So machen das Oöhna Call, bei denen ja bereits der Bandname anders ist und Erinnerungen an frühe Experimente mit Neofolk oder Minimal-Electro evoziert. Könnte man beides hier finden, eigentlich aber doch instrumentale Rockmusik mit starkem synthetischem Einschlag und reichlich unkonventionellen Strukturen. „Ekko“ ist das zweite Album des Trios aus Tours.
Der Titel „Ekko“ mit dem auf dem Cover gespiegelten zweiten K lässt ahnen, dass man es hier musikalisch auch mit Wiederholungen, Spiegelungen, Widerhall zu tun bekommt. Ja, einiges ist geloopt, auf dem die Musik stattfindet, und erzeugt so Fläche und Unendlichkeit, doch – ja, paradox – ist jede musikalische Unendlichkeit hier temporär, ganz so, wie ein Echo eben verhallt. Was dem modernen Post Rock typisch ist, sind diese flirrenden Gitarren und die empowernden Harmonien, und die bekommt man hier nicht. Also: kein Kitsch, keine plakative Routine, keine Stereotypen.
Die Wahl der Mittel ist bei Oöhna Call möglicherweise vergleichbar mit anderen Postrockern, aber der Einsatz derselben nicht: Synthies etwa unterstreichen nicht wie Streicher die Emotionen, die vermittelt werden sollen. Sie stehen hier gleichberechtigt neben Gitarre, Bass und Schlagzeug, als eigene akustische Wirkmacht, mal als elektronischer Beat, mal als Soundquelle, wie ein groovender monotoner Bass, wie eine eigene Stimmfarbe, als Effekt. Als solche setzt das Trio nämlich die konventionellen Rockinstrumente ebenfalls ein, unter anderem, denn Akkorde kann die Band durchaus genauso. So wie Harmonien und Melodien, Angst vor Groove hat hier nämlich niemand, allerdings eher Bock auf gebremstes Vorankommen. Das geht hier auch alles weitgehend ohne Härte, unverzerrt, eben mehr auf Distanz, auf Strecke, weshalb die dezidierten Momente mit Fuzz dann umso wuchtiger wirken.
Selbstredend möchte man Vergleiche ziehen, aber die Stücke sind derart unkonventionell strukturiert, dass Vergleiche nicht vordergründig möglich sind. Den Post Rock von Godspeed You! Black Emperor kann man noch eher heranführen als, sagen wir, den von Colllapse Under The Empire. Die Kompromisslosigkeit der Swans klingt hier durchaus an, wenn auch nicht deren Wucht. Manchmal dringt etwas dezent selbstversunken Jazziges durch, manchmal die englische Indierockszene der C86-Zeit; für Shoegaze ist die Musik hier wiederum zu klar. Etwas verstörend ist das Mantra, das man zum Geleit und zum Ausgang vorgebetet bekommt: „You have to leave now and never come here“, sagt eine Stimme, und man fühlt sich ausgeladen, obwohl man das Album doch so gern hören würde. Trotzig hört man es dann dennoch.
Oöhna Call besteht auf „Ekko“ aus Jérémie Ilharragorry mit Bass, Synthies und Loops, Mike Gory mit Gitarren, Synthies und Loops sowie Alexis Giboureau am Schlagzeug, der seit der EP „Bauerngarten“ 2024 den Gründungsschlagzeuger Matthieu Couffrant ersetzt. Der war 2020 auf der Debüt-EP „Hidden“ und 2022 auf dem ersten Album „Mimesis“ dabei. Offenbar hat der Name Oöhna Call keine konkrete Bedeutung, jedenfalls lässt sich dazu nichts herausfinden. Oehna, wahlweise Ortsteil der Gemeinde Niedergörsdorf im Landkreis Teltow-Fläming oder von Bautzen, wird die Band sicherlich nicht gemeint haben.
