H/jack 2 – Jim Field Smith/George Kay – Apple TV 2026

Von Matthias Bosenick (07.09.2026)

Stoppt die Blödsinnsfahrt der U-Bahn 123! Wie befürchtet: Was mit einer ersten Staffel solide und spannend begann, bekommt eine bekloppte Fortsetzung. Die Hauptfigur der ersten Staffel von „H/jack“ geriet in jener in eine Flugzeugentführung und wurde zum Actionheld wider Willen, in dieser zweiten Staffel einer mit Ansage. Aber einer verworrenen, die am Schluss den selbigen zulässt, dass die ganze in einer Berliner U-Bahn spielende Staffel mit einer anderen Entscheidung am Anfang komplett gar nicht nötig gewesen wäre. Was einem die konfuse Erzählweise indes verschleiert. Nein, das war nix.

Sam steigt in eine U-Bahn in Berlin, um zu einem Termin wahrzunehmen. Da kommt er nicht an, weil – ein Fahrer die Bahn unter seine Kontrolle bringt, und Sam übernimmt dann von ihm die Position des Entführers. Sieht komisch aus, den Helden der ersten Staffel als Täter zu sehen, macht ihn nicht sympathisch, und auch, wenn man gleich die Ahnung hat, dass er da nur wieder – wie die Pilotin im ersten Schwung – fremdgesteuert agiert, kann man sich mit ihm nicht mehr verbünden.

Sam bringt 200 Leute in seine Gewalt, wie üblich – siehe „Airport“ 1970 – eine gepflegte Melange aus Einzelschicksalen, zunächst noch ungefähr einen klischeehaften typischen Berliner Schnitt abbildend, was sich aber im Verlauf der Entführung verliert. Egal. Irgendwie geht es da um den Austausch eines offenbar gefangenen Mannes gegen die 200 Passagiere, und weil es sich bei diesem einen um einen Briten auf deutschem Boden handelt, sind die Geheimdienste beider Regierungen involviert. Die diplomatische Schwere dieses Einen wird indes nie klar, warum für den so ein Aufriss? Außerdem ist Sams Exfrau in Inverness im Urlaub, um die ein Jahr zuvor erfolgte Ermordung des gemeinsamen Sohnes zu verarbeiten. Kommt raus, dass diese Exfrau im Fadenkreuz der Strippenzieher steht und das eigentliche Druckmittel für Sam ist, kombiniert mit dem Umstand, dass die entführte U-Bahn vermint ist, und der Typ, der letztgültig die Fernauslöser bedient, ist seinerseits lediglich Marionette von einem Typen, der in England im Knast sitzt. Ein klares Äh – was?

Heißt: Sam setzt das Leben von 200 Unbeteiligten aufs Spiel, weil ein anonymer Unbekannter sonst seine Exfrau töten lässt. Diese Exfrau war aber zu Beginn der Entführung noch gar nicht in Gefahr, sondern tapperte unbehelligt durch nordschottische Wälder. Hätte Sam also schlichtweg die Behörden informiert sowie seine Ex aus der Schusslinie geholt, wäre das gesamte Verschwörungskonstrukt zusammengebrochen. Oder? Wer ist dieser Typ überhaupt, der da ausgetauscht werden sollte? Und was hat es mit der Firma auf sich, der der inhaftierte Hintermann angehört? Muss man dafür die erste Staffel nochmal gucken?

Die Parameter, die die erste Staffel so guckbar machten, spielen in der zweiten kaum noch eine Rolle; die ist zwanghaft auf Psycho und Schicksal getrimmt und weniger auf Action und Ermittlung. Okay, die U-Bahn-Fahrten sind optisch schick inszeniert, der Rest wirkt dafür eher kulissenhaft, etwa die Blinky-Blinky-Leitstelle mit der komplett überforderten jungen Kontaktperson, die man Überstunden am Funkgerät machen lässt, anstatt da in Sachen Geiselnahme geschulte Profis hinzusetzen. Dramaturgisch gelingt es nicht, die Motivation der handelnden Personen – beide Geheimdienste, die Bösen – auf eine Weise transparent zu gestalten, dass man mitfiebern kann, alles wirkt willkürlich und launenhaft, selbst Sam bis zu einer gewissen Weile.

Zuletzt das ewige Hin und Her zwischen Forderung und Überrumpelung: An der Gesamthandlung ändert es nichts, dass die U-Bahn auf ihrem Kurs durch das leergezauberte U-Bahn-Netz permanent Komplikationen ausgesetzt ist, im Gegenteil ermüden die ständigen Einschübe, anstatt Spannung auszulösen. Idris Elba kann hier auch weniger als der unerwartete Held in Erscheinung treten, da seine Figur Sam dramaturgisch missbraucht wird. Da wird die Echtzeit zur Geduldsprobe: Zwei, drei Stunden weniger wären verlustfrei besser gewesen. Dann hätte man auch die obskure Szene der ersten Episode herausschneiden können, in der die Berliner Polizei auf Sams Hinweis hin einen Asylbewerber mit gezückten Waffen dazu zwingt, seinen komplett unverdächtigen Rucksack zu leeren. Nicht der einzige konfuse Bestandteil dieser Staffel – aber genug davon. Hoffentlich war’s das jetzt.

Naja, mal so zum Auskotzen: Reguläre Ansagen in der Bahn? Eine in den Achtzigern aufgegebene Station, die aber noch beschildert und vernetzt ist? Ein Kommissar, der eine wesentliche Erkenntnis über die Bomben einfach irgendwem zuraunt? Endlose Fahrten in einem komplett stillgelegten Berlin, das nicht kollabiert? Geiseln, die sich mit fadenscheinig wiederholten Beruhigungen zufriedengeben? Ein Sam, der aus dieser Scheiße nicht als Krimineller hervorgeht? Kurz gesagt: Was ein Scheiß!