Von Matthias Bosenick (24.07.2026)
Eigentlich sind die Zeichentrickfiguren Heckle & Jeckle ja Elstern, doch das gemischtgeschlechtliche Duo Heckel & Jeckel stellt sich als Krähen dar, immerhin Verwandte. Nach eigener Klassifikation machen die beiden vogelhaft pestmaskierten Franzosen „Disturbed Rock“, das kann man so stehen lassen, sollte es aber weiter ausführen, denn das allein verdeutlicht noch nicht, was das vierte Album „Corbacs In Black“ so faszinierend macht. Das Duo groovt seinen Noiserock irrsinnig, die Gitarre knarzt dreckig und zwischendrin gibt es einen Haufen Spielereien, die dem Lärm noch mehr Leben verabreichen.
Das mit der Laut-Leise-Dynamik beherrschen Heckel & Jeckel ausgezeichnet. Teile der Songs bestehen aus minimalistischen Sequenzen, in denen die Kickdrum den zweistimmigen Gesang trägt, es unaufgeregt an der Gitarre knirscht, ungewöhnliche Musiksamples den Stücken Pop injizieren, man einem dezenten Flamenco lauscht oder freundlich gespielte Strophen falsche Entspannung vorgaukeln, denn stets bricht die Musik wieder aus, bratzt los, brüllt los, brettert los, dass es einem das Genick aus den Angeln hebt. Dabei werden Heckel & Jeckel nicht heavy, sondern noisy mit Riffs, sobald sie hart werden.
In der alternativen Rockgeschichte gibt es für das, was Heckel & Jeckel hier zusammentragen, stapelweise Vorbilder und Analogien, aber immer nur als Idee innerhalb von Ideen, die mit einem Aha-Effekt durchblitzen. Dynamischer Noiserock knackt hier deutlich durch, rauh, schroff, das ist das erste, was auffällt. Eine indierockige Laut-Leise-Dynamik machten die Pixies populär. Ungewöhnliche Songstrukturen mit Verzierungen lassen an die Melvins, Tool oder Speelytime Gorilla Museum denken. Sogar etwas Hardcore lässt sich hier heraushören. Zwei-Personen-Rockbands gibt’s ja auch so einige, aber The White Stripes sind echt mal softer und weniger risikofreudig als die beiden hier. Und wie es sich für vernünftigen unangepassten Rock gehört, gerät er auch hier unerwartet catchy, auf seine Weise, also via Riffs, Melodien, Gesangspassagen, Gebrüll.
Seit 2018 existiert das Duo, das sich hinter krähenartigen Pestmasken verbirgt, vergleichbar mit einem anderen französischen Duo, das sich lang mit Helmen anonymisierte, nämlich Daft Punk. Ihre Namen geben Heckel & Jeckel nicht preis, lediglich, dass Heckel Gitarre spielt und singt und dass Jeckel am Schlagzeug, also der Batterie, sitzt und ebenfalls singt. „In The Crows We Trust“ war 2019 das erste Album nach vier EPs, es folgten mehr EPs, Singles und zwei weitere Alben bis zu diesem neuen vierten. Zu Beginn waren die beiden eher dem Grunge zugeneigt, davon ist heute nicht mehr allzuviel geblieben – was man stattdessen bekommt, ist wesentlich individueller.
