Von Guido Dörheide (17.04.2026)
Powerwolf – Voodoo Jürgens – Tedeschi Trucks Band – Exodus
Während mein Freund und Herausgeber van Bauseneick im verdienten Kurzurlaub am Bodensee weilt und Pilsener trinkt (warum er in seiner per Messengerdienst übermittelten Postkarte den ersten und den letzten Buchstaben seines Kurzurlaubsziels weggelassen hat, wissen wahrscheinlich nur er selber, Ove Sprogøe und Morten Grunwald), höre ich mich durch die Alben hindurch, die zu rezensieren ich mich im März kapazitativ außerstande gesehen habe. Ich sollte mich beeilen, da nunmehr sich auch schon der Nachfolgemonat des Märzen, nämlich der April, sich anschickt, sehr rasch unter meiner Feder zu verrinnen. Oisdann, gemmas o:
Powerwolf – Wildlive (Live at Olypiahalle) – Napalm Records 2026
„Live at Olympiahalle München“ ist hier nur die halbe Wahrheit, denn „Wildlive“ enthält in der Extended-Special-Edition-Limited-Ausgabe auch noch eine „Live in Oberhausen“-CD on top obendrauf. Was wurscht ist – egal, wo Powerwolf spielen, sie sind stets unglaublich, großartig und zutiefst eigenartig – wenn Attila Dorn, Falk Maria Schlegel, die Greywolf-Brothers und Schlagzeuger Roel van Helden (wie ich nicht müde werde, zu betonen: Minheer van Helden ist das einzige Bandmitglied, das unter seinem wirklichen Namen auftritt) auftreten, ist es egal, wo sie es tun. Sie zelebrieren die heilige Heavy-Metal-Messe von Powerwolf, bringen das Publikum dazu, zu springen, beschwören Choräle herauf, die dem seligen Gotthilf Fischer Tränen der Unfähigkeit in die Augen spülen täten, und machen das Publikum fröhlich wie keine andere weitere Band. „Wildlive“ enthält nicht mehr Highlights als die zuvorigen Livealben der transsylanischen Saarländer, macht aber wieder einmal deutlich, dass es keine bessere Livepowermetalband außer Powerwolf gibt. Eins, zwei, Amen & Attack!!!
Voodoo Jürgens – Gschnas – Lotterlabel 2026
Ich stelle mir das immer so vor, dass aspirierende Rockhelden im Alter von nicht mal 17 Jahren gefragt werden, wie sie denn heißen wollen. Und dann sagen sie Sachen wie „Blixa Bargeld“ oder „Voodoo Jürgens“ und dann müssen sie sich ein Künstlerleben lang mit diesem Namen herumschlagen.
Aber Wurscht: Weder der Herr Bargeld noch der Herr Jürgens müssen sich schämen, denn sie haben uns mit ihrer Kunst so sehr bereichert und inspiriert und werden das wohl auch fürderhin noch tun.
„Gschnas“ ist Jürgens’ (bürgerlich David Öllerer) fünftes Soloalbum, und was für 1 ist das geworden!
Öllerer singt wie Kurt Vile, aber im Wiener Schmäh, musikalisch ist hier alles perfekt, viel Orgel, schlurfiges Schlagzeug, dazu eine unimitierbare Intonation des Ganzen; wer der Meinung war, dass Voodoo Jürgens mit „Heite grob ma Tote aus“ (2016) seinen Zenit erreicht hatte, sollte diese Meinung hier meiner Meinung nach schöllstmeglich revidier’n.
Tedeschi Trucks Band – Future Soul – Fantasy 2026
Bester noch lebender Bluesgitarrist? Hm? Häh? Derek Trucks landet da zumindest immer minnichstens auf einem der vorderen Plätze, und seine Frau Susan Tedeschi haut es gesangmäßig ebenso raus, wie ich finde. Egal, was die beiden machen, ob sie die Derek And The Dominoes neu einspielen oder ob sie eigene Songs bringen, Tedeschis Stimme und Trucks’ Gitarre sind IMMER über jeden Zweifel erhaben, musikalisch treiben sie den Hörenden auf jedem ihrer Werke die Tränen der Rührung in die Augen und soundtechnisch brauchen sie sich vor niemandem zu verstecken. Ist das Blues, oder Soul, oder Future? Wir wissen es nicht, es ist aber auch schieten egohl, wie meine Mudda sagen würde, „Future Soul“ ist einfach wieder ein wunderschönes Album der Tedeschi Trucks Band, dem hoffentlich noch viele weitere folgen mögen.
Exodus – Goliath – Napalm Records 2026
Wer ist der beste Thrash-Gitarrist der Welt? Hammett, Hetfield, Mustaine, Peterson oder Skolnick? Nun, Gary Holt, der den unglaublichen und unvergessenen Jeff Hanneman bei Slayer ersetzen durfte, gehört auf jeden Fall auch zu den Allerbesten. Mit Exodus hat er heuer ein neues Album veröffentlicht, auf dem Rob Dukes singt. Schade, ich hatte ja Steve „Zetro“ Souza immer lieber gemocht, aber Dukes ist auch ein sehr guter Sänger und passt gut zum Exodussongmaterial. Exodus sind nicht so konstant wie Testament, wenn es um Gesang (Chuck Billy), Gitarre (Alex Skolnick und Eric Peterson) geht, aber sie sind schon ziemlich geiel. Gary Holt, Lee Altus (git, seit 2005), Jack Gibson (b) und Tom Hunting (dr, und zwar seit es Exodus gibt) sowie Dukes spielen meines Erachtens heutzutage Metallica, Megadeth und den ganzen Rest an die Wand. Mit Zetro als Sänger wären sie eventuell noch besser, aber was nutzen solche Fantasiespielereien wie „Mustaine anstelle von Hammett“? Exodus sind richtig gut, so wie sie sind, und das, was sie auf „Goliath“ machen, klingt super konsistent – Exodus kommen wesentlich näher an Kreator heran als ihre gesamten Mitstreiter aus der Bay Area.
