Sound Of Smoke – Mirage – Tonzonen Records 2026

Von Matthias Bosenick (27.03.2026)

Der Bandname gibt schon schön vor, worauf man sich musikalisch einzulassen hat: Sound Of Smoke nennt sich das Quartett aus Freiburg im Breisgau (im Breisgau!) und so klingt auch dessen drittes Album „Mirage“. Hier kommen Space, Stoner, Psychedelic und Kraut-Rock auf eine fette, treibende, erhebende, hypnotische Weise zusammen. Versetzt indes mit als soulig apostrophiertem Gesang, der jedoch nicht so richtig überzeugen kann.

Gegen die Musik ist nichts einzuwenden, die ist zudem enorm vielseitig, denn obschon sie sich aus den vier genannten Schubladen bedient, beschränkt sie sich nicht auf diese und setzt sie außerdem in wechselnder Gewichtung ein. So beginnt das Album als ziemlich schöner Spacerock, mit dubbigem Echo auf der Gitarre, abwechselnd mit Fuzz, ein psychedelischer Auftakt, der so klingt wie sein Titel: „Dancing Like Smoke“. Völlig anders gestaltet die Band den zweiten Song „Röntgenstrahlen“: Das ist ein treibender Stoner-Rock, fuzzy, spiralig, mit Synthies – und mit deutschem Text. Der zerstört etwas den positiven Eindruck der Musik, denn so wirkt der Song jetzt wie von einer Band, die um 1982 versucht, den Übergang vom Krautrock zur Neuen Deutschen Welle hinzubekommen, jedoch daran scheitert – der psychedelische Anteil gelingt erheblich besser. An vorletzter Stelle auf dem Album hätte der Song womöglich eine andere Wirkung gehabt.

Denn weiter geht es wesentlich ansprechender: „Endless Night“ ist eine schöne Kombination aus dezent cheesy Synthies und Rockmusik, orientalisch, percussiv, fett. Das Orientalische bleibt in der „Fata Morgana“ erhalten, angereichert mit einer wahnwitzigen Zusammenstellung, nämlich einer Johnny-Cash-Gitarre und einem Bo-Diddley-Rhythmus. Grandios! Kurios indes: „Fata Morgana“ ist auf Englisch gesungen, aber „Fata Morgana“ heißt auf Englisch „Mirage“, also wie das Album. Das klingt befremdlich. Etwas Country beinhaltet auch „New Direction“, und so geht es weiter, das Album steckt voller musikalischer Überraschungen und Stimmungswechsel, bis hin zum Ambient-Outro nach „Zweierlei“ am Schluss.

Musikalisch ist das Album wundervoll, doch die Stimme erfüllt den Anspruch, soulig zu sein, nicht hinreichend. Sobald Sängerin Isabelle Bapté die Inbrunst verstärkt, verlässt sie das Volumen und klingt etwas dünn. Das fällt insbesondere im Kontext mit so fetter Musik ins Ohr. Anders kann sie aber: In so reduzierterer, zurückgenommener Weise wie in „Wicked Games“ – keine Coverversion – wirkt die Stimme besser, hier lässt sich der Soul deutlicher heraushören. Diese Art von Gesang hätte dem gesamten Album besser getan.

Die weiteren Musiker sind: Johannes Braunstein am Schlagzeug, Florian Kiefer am Bass und Jens Stöver an der E- Gitarre und am Synthesizer. Lustigerweise ist Sängerin Isabelle Bapté in mehrfacher Hinsicht eine Tonkünstlerin: Außer ihrer Aktivität als Sängerin und Flötistin von Sound Of Smoke ist sie noch in Sachen Keramik unterwegs, und dort, so liest man, mit feministischem Auftrag, nämlich, indem sie ihre Gefäße mit nackten Brüsten versieht. „Mirage“ ist das dritte Album der Breisgauer aus Freiburg (aus Freiburg!) in zehn Jahren. Den Auftakt machte 2017 die Sieben-Track-EP „Eleutheromania“, eingespielt noch zu fünft. Das erste volle Album „Tales“ folgte 2022, dann bereits in der jetzigen Besetzung, der Nachfolger „Phases“ im Jahr darauf.