Von Matthias Bosenick (06.03.2026)
Schwer, dunkel, schmerzhaft, brutal, nihilistisch – wow: Die EP „Biotransference“ ist das erste Lebenszeichen des Duos Sönma aus Weliki Nowgorod (Вели́кий Но́вгород) seit fünf Jahren, und es haut einem bösen dunklen Doom um die Ohren. Freude am Leben ist die Sache der beiden Musiker nicht, und das kann man ja durchaus nachvollziehen.
Schleppend, aber fett rollen die Trommeln, mit ihnen rollt ein Lärm aus Gitarre, Industrial-artigen Soundeffekten und abwechselnd Gebrüll und Growlen. Wie eine Trance, die ganz und gar nicht dazu geeignet ist, eine positive Wesenserweiterung hervorzurufen. Hier tanzt man in den Abgrund. Und irgendwie will man das auch, man schließt sich dem zweiköpfigen Tross an, der so klingt, als bestünde er aus weit mehr Menschen, aus einer Gemeinschaft der Ausgestoßenen, der Abtrünnigen, der Isolierten. Selbst die vermeintlich fröhlichen Folklore-Töne – eine Flöte reiht sich kurz in den Totentanz ein – verdunkeln nur den Himmel. Mit den Tribal-Drums und den an- und abschwellenden Soundscape-Melodiefragmenten hat es etwas von einer bösen Variante von Dead Can Dance, so in Richtung Absent In Body.
Die drei Tracks der EP finden auf der Basis ägyptischer Mythologie statt, lassen die Musiker wissen. Es wird ein Ende geben, es wird den Tod geben, so das Fazit des Duos, und lediglich die Sonne wird verbleiben, um diese Prozesse zu begleiten. Die beiden Musiker hier sind Roman Romanov und Vlad Tatarskiy, die sich Gitarre, Schlagzeug, Effekte und Stimme aufteilen. Ins Leben riefen sie Sönma 2020 für das Album „Terra“, dem bereits 2021 der Zweitling „Ether“ folgte. Hauptamtlich sind sie indes Teil der Band Crust, die sie mehr als abendfüllend auslastet, weshalb eine neue Veröffentlichung von Sönma vermutlich auch so lang auf sich hat warten lassen. Doch das Warten lohnt sich, auch wenn es in die Dunkelheit führt.
