Von Matthias Bosenick (06.03.2026)
Da sich das für sein zweites Album „Searching For A Quiet Place“ zum Quartett herangewachsene Trondheimer Duo Magnify The Sound angenehmerweise keiner konkreten Kategorie zuordnen lässt, hilft nur eins: Man nennt seine Musik „experimentell“. Mit Gitarre, Geige, Schlagzeug und textlosem Gesang improvisieren die vier Norwegenden kunstvolle und entspannte Soundlandschaften zwischen hypnotischer Trance und verhuschtem Ambient. Als brächten Dead Can Dance und Sigur Rós eine Split-LP heraus, die sie vorher durch einen Gartenhäcksler drückten.
Mit „Once Upon A Breath“ beginnt das Album noch auf eine Weise, die man strukturell nachvollziehen kann: Ein treibendes Schlagzeug macht die Drones tanzbar. Und sofort setzt man sich auch in Bewegung. Die das Quartett in der Folge indes ausbremst: Zunächst sind sie dem Titel gemäß „Searching For A Quiet Place“, dann aber doch „Lost Somewhere Else“. Und zwar in Soundscapes und verwunschenen Landschaften, in denen sie spukhaften Verlockungen nachgehen und sich bald „Guided By Bells“ wähnen. Jenes Stück beginnt tatsächlich mit Glöckchen und erinnert an fernöstliche Räucherstäbchen-Mantramusik, bis der Gesang die Oberhand gewinnt und sich die Band „Within The Circles Of A Siren“ wiederfindet. Jene erhebt ihre traumschöne Stimme zu dezenten Klängen wie von einer Marimba und zu zartem soundtrackartigem Hintergrund. Ganz kurze Speed-Jazz-Besen markieren einen Wendepunkt, an dem das Stück in ein kaum weniger leises Knarzen und Klimpern übergeht. Doch die Sirene verspricht: „You Might Find A Butterfly“, und der gestaltet sich als hymnische Dronelandschaft mit taktfrei improvisiertem Schlagzeug dazu.
Experimentell, in der Tat, und wer mag, darf noch Impro, Free Jazz, Cinemascope, Freak Folk und Heavenly Voices anführen. Die Stimmung dieses Albums ist eher entrückt als greifbar positiv oder negativ, weder erhebt die Musik die Hörerschaft noch zieht sie sie herunter, doch sie umgibt sie wattewohlig, angenehm, traumhaft. Trotz teils sperrig anmutender Zutaten fällt der Zugang leicht.
Vor drei Jahren starteten Gitarrist Trond Engum von The 3rd & The Mortal und der bereits schier unendlich eingesetzte Schlagzeuger und Percussionist Carl Haakon Waadeland das Projekt Magnify The Sound mit dem Album „Don’t Give Us That Face“. Für die Fortsetzung holten sie sich den kaum weniger häufig aktiven Geiger Sturla Eide und die umtriebige Jazzsängerin Tone Åse dazu. Was sich im Sound mehr als bemerkbar macht.
