The Neurophonic Temple – Transgressive Sonic Stimuli – The Neurophonic Temple/Broken Music 2026

Von Matthias Bosenick (05.03.2026)

Was ein Brett: Mit ihrer zweiten Veröffentlichung „Transgressive Sonic Stimuli“ erfüllen die Osnabrücker The Neurophonic Temple die Kriterien für die von Szene-Kenner Davide Pansolin so genannte Kategorie Heavy Psych. Nur fünf Stücke, kaum eine halbe Stunde lang, aber bis auf den Abschluss gleichsam fett und noisy gebrüllt und entspannt tanzbar. Jener Abschluss ist dann ganz kontrastreich ein Ambient-Stück. Und wieder mal: Das sind nur drei Leute hinter diesem Lärm!

Fetter Auftakt, die drei brüllen einem ihren Heavy Psych nur so um die Ohren. Aber dann: Ein Interludium, als wäre man zurück in jenen Neunzigern, als Bands aus England sich darauf verlegten, den Sound anderer Bands aus England von dreißig Jahren zuvor mit Tanzrhythmen zu hinterlegen, sprich: The Stone Roses kombiniert mit Psych-Folk, nur langsamer. Echt: Die mehr als sieben Minuten lange Vorabsingle „Nuance Of Bizarre“ startet höchst energetisch und rollt dann chillig aus.

Mit dem obercoolen „Sea Of Bornite“ setzen The Neurophonic Temple ihren Pfad mit einem wohlklingenden Kopfnicker fort – wohlklingend für die, die fuzzy Gitarren zu klarem melodiösem Gesang und rauschenden Drums als wohlklingend auffassen. Zuletzt drücken sie dem Stück noch etwas Gebrüll auf, wohl, um die Überleitung zu „Consciential Paradigms“ noch gelungener hinzubekommen, denn der Song drückt wieder auf die Energiepedale, ein ungewöhnlicher Rhythmus, die fette Gitarre und der dringliche Stimmeinsatz lassen das Etikett Heavy Psych wieder deutlich schimmern. Ja, aber: Mittendrin fahren sie alles komplett herunter, ergehen sich in psychedelischem Gegniedel, entspannen sich und die Hörerschaft – und lassen die Gäule dann abrupt wieder von der Leine.

Wesentlich spaciger gerät dann „Chrome Magnet“, mit dem Hall auf der Stimme und der Gitarre sowie dem Disco-Hi-Hat zum fuzzy Psychedelic Rock. Und der Rauswerfer „Floral Architectures“ beginnt als beatloser Gitarren-Ambient, in den erst nach über der Hälfte der sechseinhalb Minuten Spielzeit dezidierte Schlagzeugtupfer hineinhallen. Ein wunderbarer Kontrast zur Wucht des Albums, ein gelungener Abschluss.

„Transgressive Sonic Stimuli“ ist die zweite Veröffentlichung nach dem selbstbetitelten Auftakt vor zwei Jahren. Kurioserweise fasst die Band diesen als EP auf, obschon der in Trackzahl und Spieldauer mit dem neuen Album recht deckungsgleich ist. Das Trio besteht aus Bassist Peter „von Münchhausen“ Münch, dem bereits in seiner Heimat Richmond, Virginia äußerst umtriebigen Schlagzeuger und Sänger David Seaman sowie Sänger und Gitarrist Marcus „Marcüse“ Kroll. Bislang so sehr im Untergrund aktiv, dass selbst der Begriff Untergrund dafür noch zu hoch gegriffen ist, entdeckte sie Thomas Freek von Broken Music, als The Neurophonic Temple bei einem Konzert für eine andere Band einsprangen – und war sofort hellauf beglückt. Nachvollziehbar!