Skadin – Wallachian Emperor – Loud Rage Music 2026

Von Matthias Bosenick (03.03.2026)

Was sind denn so typische Bestandteile von zeitgenössischem allgemeinverträglichem Metal? Irgendwas mit Black, irgendwelche heroisch-hymnischen Melodien, dudelnde Gitarren, wiedererkennbare Akkorde? Nehmen wir, packen wir zusammen, schreiben „Wallachian Emperor“ drauf, nennen uns – oder mich, ist ein Ein-Mann-Projekt – Skadin und hauen dieses vielversprechende Debüt raus. Und bauen da kleine Merkwürdigkeiten ein, die wir aus Folklore, Kirche und Klassik borgen – was dem kurzen Album so seine Momente beschert. Man darf es ihm nicht verübeln: Der selbsternannte Count Kristian hinter dem rumänischen Projekt Skadin ist erst 16 Jahre alt, dafür macht er seine Sache ausgezeichnet.

Ein Gespür für Melodien und Harmonien hat dieser Count Kristian, der sich offenbar an anderer Stelle auch mal nach der Stadt Negru Vodă benannte. Naja: Irgendwann in den Neunzigern fing es an, möglicherweise von Finnland ausgehend, dass Metalbands zwar hart und druckvoll, aber nach einem leicht durchschaubaren Baukastenprinzip ihre Akkorde klinisch sauber aneinanderreihten. Funktioniert gut, erreicht Mengen, muss man sich nicht groß für anstrengen, muss man nicht erklären, passt in viele Schubladen, Aufmerksamkeit ist gesichert. Bei diesem Baukasten bedient sich auch Skadin, und wer etwas mehr vom Metal erwartet, winkt zunächst ab. Doch gelingt es dem jungen Rumänen fortwährend, dennoch für Aufmerksamkeit zu sorgen.

Er baut nämlich Sachen ein, die man nicht erwartet: Synthies auf eine Weise, die man nicht von Nightwish kennt, zum Beispiel. Oder er reiht die Blöcke anders an, als man vorausahnt. Oder spielt die Gitarre wie einen Dudelsack. Oder nimmt Chöre, Orgeln, Trompeten hinzu. So richtig Black Metal ist das Ergebnis dann nicht, jedenfalls nicht durchgehend, außer in den Passagen, in denen das Album in Richtung Atmospheric Black Metal tendiert, aber auch das ist ja nur bedingt Black Metal, das ist längst ein eigenes Genre geworden. Death Metal in der Rohheit und dem keuchenden Growlen vielleicht, im Tempo, in der Brachialität. Die an Wirkung einbüßte, wäre Skadin nicht willens und in der Lage, eben solche atmosphärischen Besonderheiten sinnstiftend einzufügen.

So wirkt Kristian aus Tulcea in Rumänien reichlich abgeklärt für einen Ende Dezember 2009 geborenen Sechzehnjährigen. Die Historie und Folklore seines Landes sind Inhaltlich und Musikalisch Bestandteil von „Wallachian Emperor“, das zeugt von einigem Horizont. Zumal andere Gleichaltrige sich eher damit hervortun, den jeweils aktuell erfolgreichsten Popstar bestmöglich zu kopieren, um auch etwas vom Kuchen abzubekommen, da ist die Zuwendung zu Metal und Folklore doch ein deutlich individuelleres Zeichen. Im vergangenen Sommer brachte er als sein Erstlingswerk das Demo „Fallen Echoes“ heraus, und kurioserweise gibt es den Titeltrack des offiziellen Debüt-Albums „Wallachian Empire“ nicht auf selbigem, sondern als separaten Track, den er mit dem Duo Vathsath, bestehend aus David Pérez Mann und Aníbal Zúñiga aus Chile, bereits im Oktober veröffentlichte.