Was meine Freundin gerne hört – die Musikkolumne (DDR-Spezial): Bonusfolge: Wir sagen ja zum roten Elvis: Dean Reed

Von Onkel Rosebud

Dean Reed wurde 1938 in Denver, Colorado, USA geboren und starb unter bis heute ungeklärten Umständen im Juni 1986 in Zeuthen, Kreis Königs Wusterhausen, DDR. Na, liebe Lesefröschlein, neugierig gemacht? Es grenzt an ein Wunder, dass sein Leben noch nicht von Netflix verwurstet wurde. Denn das würde alles in puncto Geschichte, Spannung, Dramatik, Spionage und Romantik bieten, meine Freundin für sechs Teile in die Sitzschnecke zu drücken. Die Serie würde „Aufstieg und Niedergang des Roten Elvis“ heißen und das Drehbuch schriebe sich quasi von selbst:

Teil 1: Schöner Denver-Kid from Hühnerfarm – Coming of Age in den Rocky Mountains

Teil 2: Telenovela in Buenos Aires – Teenageridol Lateinamerika

Teil 3: Kiffen mit Che Guevara – Mr. Simpatico wird politisch

Teil 4: Von Kislowodsk bis Jerewan – Tour durch die UdSSR

Teil 5: Leben eines Taugenichts – Weltstar in der DDR

Teil 6: CIA, KGB, Stasi, PLO – Wer ist schuld am Tod von IM Victor?

Wenn dann noch der Avatar von Gojko Mitić, dem Blutsbruder Dean Reeds in den deutschen, demokratischen Eierteigwaren-Western, die Hauptrolle übernimmt und Siegmund Jähn Erich Honecker spielt, wäre der Straßenfeger zwischen Biederitz-Heyrothsberge und Mengersgereuth-Hämmern vorprogrammiert, denn 17 Millionen ehemalige DDR-Bürger, denen die „Rum-Cola“ des „VEB Getränkekombinat Dessau“ was bedeutet hat, können sich nicht irren. Auf dem Etikett der sozialistischen Feten-Schorle prangte Reeds Konterfei.

Der magische Moment im Leben von Dean Reed fand 1968 auf dem Weltfriedenskongress in Helsinki statt. Als sich die Vertreter Chinas und der Sowjetunion beinahe wegen Handelsembargo an die Gurgel gingen, packte der Mann, der durch alle eisernen Vorhänge gehen konnte, die Klampfe aus und intonierte „We Shall Overcome“, bis der ganze Saal mitsang.

Sein 15 Seiten langer Abschiedsbrief an den stellvertretenden Leiter der Abteilung Agitation des ZK der SED, der von der DDR-Regierung bis 1990 unter Verschluss gehalten wurde, endet mit dem inhaltlich falschen und orthografisch ungelenken Satz „Der Sozialismus ist die einzigste Lösung für die Hauptprobleme für die Menschheit der Welt.“

2004 erwarb Tom Hanks die Rechte für die Verfilmung der Biografie Reeds von Renate Blume, seiner dritten Ehefrau in der DDR. Hey Mr. Hanks, it’s me, Gojko from Aktuelle Kamera, if you read this, please take a Katzenzunge and call my agent Van Bauseneick. I am ready to play the Cold War Cowboy.

Auch immer alles overcomen will,

Onkel Rosebud