Stargo – Violet Skies – Broken Music 2026

Von Matthias Bosenick (13.02.2026)

Das ist eine kuriose Mischung: Stargo aus Dortmund kombinieren Stoner und Heavy Metal. Liest sich erstmal nicht so befremdlich, zuckt man mit den Schultern, doch das Trio meint das genau so: Stoner-Fuzz und klarer NWoBHM lösen einander ab, gehen ineinander über, teilen sich die Spielzeit. Und dazu auf dem vierten Album „Violet Skies“ noch so einige Genres mehr. Als sänge Ozzy Osbourne im Studio von Saxon bei Monster Magnet, die auf Instrumenten von Big Country spielen. Stets haben Stargo eine Überraschung parat, kein Song endet, wie er beginnt.

Mit „Interstellar“ eröffnen Stargo – oder auch STARgo – ihr Album noch so, wie man es erwartet: klassischer Heavy Stoner, tieftönend, fuzzy, im Dreivierteltakt rotierend, aha, denkt man, alles klar, schön so, und dann geht das Stück bruchlos über in eine Art NWoBHM, nur in fuzzy, oder auch in etwas, das nach Black Sabbath mit Ozzy erinnert. Und schon hat einen das Trio gepackt: Damit war nicht zu rechnen.

Erstmal mostet und powert das Trio ordentlich vor sich hin, Metal und Stoner gehen eine hypnotische Allianz ein, bis Stargo für „Don’t Mind“ plötzlich das Energielevel komplett herabsenken und eher Wave Rock oder Post Rock ins Spiel bringen. Nur kurz, dann tritt der Fuzz wieder hinzu. Auch die Stimme erklingt zunächst etwas abgesenkt, bis zum Power-Refrain. Eine erstaunliche Klarheit, kombiniert mit Harmonie, bekommt „Left For Dead“, das auch aus dem Post Punk resultierter Achtziger-Rock sein könnte, zumindest, bis der Stoner-Fuzz sich einschaltet und im wechselnden Verlaufe auch das Tempo anzieht.

Nächster Kulturschock: „The Artist“ startet als Classic-Rock-Ballade, die auf jedem Altstadtfest funktionieren würde. Man schüttelt sich noch verwundert die Ohren aus, da entwickeln Stargo das Stück zu einem Doom-Metal, der Besucher eines Altstadtfestes vermutlich eher abschrecken würde. Hier aber gefällt. Für „Stargazer“ kehrt der Gesang von Ozzy zurück. „Tharsis“ ist verspielt mit Ansage, schließlich ist der Track zehn Minuten lang – da passiert viel Unvorhersehbares, Reduziertes, Fingerfertiges, Psychedelisches, und man merkt ihm die Länge gar nicht an. Zuletzt gibt’s bei „The Great Machine“ ein Intro, das mit einem Soundeffekt versehen ist, der es klingen lässt wie Monster Magnet in einem Karton, bis der Most nochmal losrollt.

Definitiv viel Unerwartetes auf diesem vierten Album von Stargo. Das Trio existiert seit 2008, für diese lange Existenz sind lediglich vier Alben eine vergleichsweise geringe Zahl. Das Debüt „Phonism“ erschien 2010, bis zum Nachfolger „Parasight“ vergingen satte zehn Jahre. Doch das erschien der Band offenbar wie ein „Dammbruch“, denn so hieß das bereits im nächsten Jahr erschienene dritte Album. Dafür dauerte es bis zu den „Violet Skies“ der Morgendämmerung wiederum fünf Jahre. Das Trio besteht aus Sänger und Gitarrist Nordin Bahari, Bassist und Keyboarder Stefan Wernitz sowie Schlagzeuger Karsten Husen.