Monovoth – To Live In The Breath Of Worship – Monovoth 2026

Von Matthias Bosenick (09.02.2026)

Den Atem der Ehrerbietung richtet Lucas Wyssbrod aus Buenos Aires mit seinem Alias Monovoth auf seinem jüngsten Album „To Live In The Breath Of Worship“ in zwei Richtungen: einmal nach oben, in Richtung seiner eigenen musikalischen Helden, und einmal nach unten, in den Untergrund, an den Nachwuchs, den er in die Entstehung dieses instrumentalen Gothic-Doom-Black-Death-Metal-Albums integriert. Auch ohne Texte sind hier Götter das Thema, die in der unendlichen Einsamkeit einer Zuwendung harren.

Den Beteiligten gelingt es hier, die Genres, bei denen sie sich bedienen, nicht in ihrer reinen Form abzubilden, sondern sie zu zerlegen und die zu den jeweiligen Tracks am besten passenden Elemente zu verwenden und sie mit dem anzureichern, was den Grundgeist außerdem bereichert. Die Einsamkeit einer göttlichen Entität, die nicht mehr angebetet wird, hört man dem Album an: Dunkelheit, Schwärze gar, Leere bestimmen weite Bereiche, von denen aus die Verzweiflung, die Trauer, der Frust solcher Entitäten sich entfalten.

Zur musikalischen Umsetzung dieser göttlichen Emotionen setzten Wyssbrod und seine Begleiter nicht nur die klassischen Rock’n’Roll-Instrumentierung ein. Zu den fuzzy murmelnden Gitarren des Openers „From A Dying Star“ etwa gesellen sich Synthies, bevor aus dem Track ein langsamer Doom-Sludge-Metal wird, der alsbald in eine klare Dunkelheit mündet. Trotz der Düsternis strahlt dieser Track Wärme und Schönheit aus, er klingt wie eine dezent entmilderte Art von Prog Rock aus den Achtzigern.

„Crimson Red Wound“ danach ist noch langsamer, zunächst klar gespielt, mit einer Ahnung von zeitgenössischem Post Rock, unterschwellig hymnisch. Weil bis auf einen alle Tracks zwischen sieben und sechzehn Minuten lang sind, haben die Musiker Zeit, herumzuspielen, auszuufern, laufen zu lassen, Ideen zu entwickeln, während der Track bereits läuft, und so verfahren sie auch hier. Bis dann plötzlich eine wie im Black Metal irre schnell gespielte Gitarre die Stimmung herumreißt, während der Sound dazu dem Tempo angemessen eher dem Siebziger-Punk angelehnt ist, ergänzt um ein Solo wie im klassischen Heavy Metal. Der Track endet mit einem unendlichen zweistimmigen Gitarrengniedeln, das komplett entspannt.

Für „Beg & Burn“ lassen Monovoth die Gitarre klingen wie eine Orgel unter einem Stapel Kissen, bevor sie den Track in den Doom abgleiten lassen – und erstmals eine Stimme einsetzen, die growlt. Nach einem noch stilleren Zwischenteil geht der Track über in ein vielschichtiges, buntes Gniedeln zu flottem Rhythmus, mithin in eine beinahe gutgelaunte Passage. Bei „The Fallen (Interlude)“ handelt es sich um das angekündigte kürzeste Stück, drei Minuten lang schälen sich fette Gitarrendrones zu langsamem Schlagzeug aus der Dunkelheit, überraschenderweise latent melodiös.

Beinahe wie Gothic Rock beginnt „Cosmically Orphaned“, progressiv ausufernd, mit dem bereits vertrauten Gniedeln. Der Doom übernimmt dann wieder, und man merkt nicht, dass man diesem Stück zehn Minuten lang zuhört. Noch weniger merkt man „To Drown In The Tears Of God“ seine mehr als 16 Minuten an, obwohl es das gruseligste Stück des Albums ist. Aus der vertrauten Dunkelheit schiebt sich eine milde Variante von Black Metal hervor, wie zuvor dem klassischen Heavy Metal nicht weit entfernt, mit Twin-Gitarren und Gegniedel,
und abermals zurück zur Dunkelheit, zur Stille. In der growlen monströse Stimmen, zum zweiten und letzten Mal auf dem Album, Gitarren dronen im Hintergrund, die Stimmung wird unheilvoll, gruselig. Man merkt gar nicht, wie viel Zeit vergeht – plötzlich ist der Track und damit das Album zu Ende.

Als Helden, denen Wyssbrod hier huldigt, führt er Amenra, Cult Of Luna, Bell Witch und Primitive Man an. In dieser Gemengelage findet er gottlob eine eigene Stimme. Diese lässt er begleiten von Gästen aus dem argentinischen Underground: Spielt er selbst Gitarre, Bass und Synthies, übernimmt Martin Visconti das Schlagzeug. Weitere Gäste, zumeist für je einen Track, sind die Gitarristen Sebastian Barrionuevo, Federico Ramos, Ivo Bisceglia und Kevin Hufnagel. Das Bassinstrument Guitarrón spielt Franco Colautti. Die Growls kommen von Andrew Notsch und Martin Passaro.

2022 trat Wyssbrod mit dem selbstbetitelten Debüt des Projektes Monovoth auf den Plan, 2024 folgte „Pleroma Mortem Est“. Bedauerlicherweise liegt „To Live In The Breath Of Worship“ gegenwärtig nicht als Tonträger vor, was auch auf die gemeinsame EP „Elogia a la Noche“ mit Ber Stinco von vor zwei Jahren zutrifft.