Thistle Sifter – Forever The Optimist – Freia Music 2026

Von Matthias Bosenick (06.02.2026)

Pete Barnes aus England lebt jetzt in Utrecht und nimmt dort unter dem eindeutig googelbaren Alias Thistle Sifter instrumentale streicherreiche Post-Rock-Alben auf, das zweite, „Forever The Optimist“, erschien soeben und entspricht sehr der Beschreibung. Pete Barnes, war da nicht was? Ja, aber dieser Pete Barnes ist ein anderer, nicht zu verwechseln mit Pete Bardens. Dieser hier ist dem Albumtitel entsprechend positiv unterwegs, die Musik schrammt dabei ganz knapp den Kitsch – und irgendwie tut das in so unsicheren Zeiten auch ganz gut, solch herzerwärmende Musik zu sich zu nehmen.

Mit dem „Anthorpocene“ beginnt Barnes sein Album, und dieses Intro lässt noch die Ahnung aufkommen, die Musik sei synthiebasiert – leicht Ambient, schon mit raumgreifenden Emotionen angedickt. Derer hat Barnes noch einige mehr im Köcher und zieht sie alle nacheinander bis gleichzeitig. Zu diesem Behufe schart er einen Kreis an Streicherinstrumentalisten um sich und lässt in zweiter Reihe noch einige Extra-Gitarristen sitzen, die den Sound so richtig zu dem machen, was außen dransteht: cineastischer Post Rock. Mit dem Schwerpunkt auf cineastisch: Man kann sich „Forever The Optimist“ bestens als Soundtrack zu einem angedüsterten Wohlfühlfilm vorstellen.

Angedüstert, den obschon Barnes hier dem Kitsch recht nahe Landschaften aufschichtet, lässt er seine Melancholie nicht außen vor. Irgendwie muss er es ja hinbekommen, dass der Optimismus des Titels auch als solcher identifizierbar ist, und das geht am besten, indem er einen Gegenpol bekommt, von dem er sich entfernen kann. So wechseln sich hier schwere, ambientartige Melancholiepassagen mit himmelsgreifenden Ermunterungssequenzen ab, die ihre Intensität nicht aus Tempo ziehen, sondern aus der Sounddichte und den Melodien, die wie eine Art fröhliches Moll erscheinen.

Klingt erstmal nach der seit Jahrzehnten erprobten üblichen Vorgehensweise von Post Rock, und das ist es auch. Wenn man einerseits das Genre bedienen und sich andererseits trotzdem individuell unterscheiden will, packt man halt einige Details in seine Musik. Wichtigster Punkt hier ist wohl, dass die Streicher echt sind und keine Synthies. Dann hat Barnes einen unaufdringlichen, aber eindrucksvollen Schlagzeuger dabei. Und er baut kleine Unberechenbarkeiten ein, etwa mal eine Akustikgitarrensequenz.

Barnes hob sein Projekt Thistle Sifter als Reaktion auf einen schweren Fahrradunfall aus der Taufe. Auf den ersten beiden Alben „A Spectral Moon“ und „Circles“ verarbeitete er dem Vernehmen nach seine Rekonvaleszenz, hier richtet er einen weiteren Blick nach vorn. Nicht allein, obschon es sein Projekt ist: Cellos und Geigen spielen Marta Jeménez Ramírez, Maria Garcia, Damián Cabedo Vicente und Begoña Hernández Gallardo. Die zwei Bonus-Gitarristen sind Nils Breunese und Tom Broshuis, am Schlagzeug verausgabt sich Koen Klarenbeek. Laut Info bringt Barnes dieses Projekt sogar live auf die Bühne, passenderweise einmal mit Sigur Rós – mit all den Streichenden muss dies ein eindrucksvolles Unterfangen sein.