The Morning Stars – A Hymn Without A Sound – The Morning Stars 2026

Von Matthias Bosenick (05.02.2026)

The Morning Stars ist ein lustiger Name für eine zufällig zusammengetrommelte Band, deren wohl berühmtestes unter berühmten Mitgliedern Barbara Morgenstern heißt. Die anderen drei heißen Sebastian Vogel, Alex Paulick und Felix Müller-Wrobel, da werden Fans von Kreidler, Kante und Britta hellhörig. „A Hymn Without A Sound“, das Debüt der Berliner, versetzt Krautrock mit Wärme, Melodiosität und Synthieflächen.

Rockmusik darf auch ohne Verzerrung auskommen, zumindest im Falle von The Morning Stars: Die Gitarre ordnet sich zumeist trocken den Synthies, dem Schlagzeug, dem Bass und den Gesängen unter. Sie ist nur selten ein Instrument für Fuzz, vorrangig eines für Atmosphären, bisweilen für Melodien, für rhythmische Ergänzungen. Die das Schlagzeug eigentlich gar nicht bräuchte, so uferlos, wie es wirbelt, also präsenter, als es im Krautrock üblich wäre. Und der Bass neigt dazu, seinerseits den Groove mit einer fragmentarischen Melodie voranzubringen. Über allem liegen Synthies und Stimmen: Erstere kleistern, als wäre es nicht peinlich, mit Synthies zu kleistern, und schaffen es dabei, tatsächlich unpeinlich zu sein, und zweitere strahlen eine warme Gemeinschaft aus, so miteinander, wie sich die Gesänge hier um die dergestalt gestaltete Musik kuscheln.

Das mit dem Hymnischen im Albumtitel bekommen die gewaltbefreiten Morgensterne ebenfalls gut hin. Grundsätzlich ist die Musik eher unaufgeregt, man muss sich ihr schon bewusst aussetzen, um ihre Schönheit, Verzierungen und Details zu erfassen, und derer hat sie reichlich. Insbesondere der mehrstimmige Gesang über den mit dem genannten Instrumentarium generierten Melodien, mit denen das Album seine Hörerschaft umplüscht. Ausreißer sind selten, in „Scars“ bricht sich etwas Energie Bahn, da findet die Band auch mal den Regler am Gitarrenverzerrer und singt – als Lead nicht Barbara Morgenstern ausnahmsweise – mit mehr Inbrunst. Die „Chainsaw Fiddle“ hat eine Neunziger-Laut-Leise-Dynamik, indes nicht die Brutalität etwa der Pixies, dafür in den leiseren Passagen einen angedeuteten Afrobeat.

Man kann diese Sorte Krautrock durchaus als Popmusik auffassen, die lediglich mit wenig radiotauglichen Strukturen und Arrangements generiert ist. Dafür ist sie eben einfallsreicher als kontemporäre Popmusik und bindet mehr Elemente ein, ist mithin experimenteller und im Endergebnis musikalisch mitteilsamer, weil hier viel nicht nur möglich ist, sondern es die Band auch umsetzt. Funk, Ambient, Jazz, Electro, Dub: alles drin, aber eingebettet in die Tracks, vermengt mit den Grundideen der vier Musizierenden, die es somit schwer machen, „A Hymn Without A Sound“ einer festen Schublade zuzuordnen. Den Albumtitel macht das Quartett übrigens zum Ende des letzten Stücks „The Everything“ zum Mantra: Im sich steigernden Noiserock rotieren die Singenden hypnotisch um diese Phrase.

Eine konkrete Genre-Zuordnung macht ja auch die Zusammensetzung der Band kaum möglich. The Morning Stars gründeten sich im Rahmen einer Geburtstagsfeier quasi nebenbei, heißt es. Ein Glück für den Rest der Welt, wenn dabei etwas so Schickes herauskommt. Barbara Morgenstern nun ist ja eher bekannt als Electro-Musikerin, dieser Anteil findet hier wohl am ehesten im Synthieeinsatz Widerhall, nicht unbedingt in Clubtauglichkeit. Schlagzeuger Sebastian Vogel kennt man von Britta und Kante, und insbesondere letztere lassen sich bei The Morning Stars künstlerisch noch am ehesten heraushören. Vorrangig von Kante kannte man auch Gitarrist Felix Müller-Wrobel. Auch mit Kreidler setzt Bassist Alex Paulick einen Link zu Musik, die der von The Morning Stars näher kommt.