Sick Sad World – Deuil(s) – Sick Sad World 2025

Von Matthias Bosenick (02.01.026)

So schön kann Verzweiflung sein. „Deuil(s)“ sind „Trauer“, und die hört man diesem dritten Album von Sick Sad Wold aus Nantes auch an. Die Wucht des Post-Hardcore kombiniert mit der Schwermut des Atmospheric Black Metal, Harmonien und wuchtige Bretter in eins, die fünf brüllen einem ihren Unmut auf eine Weise entgegen, dass man ihn umarmen möchte.

Neurosis fallen einem zuerst ein, sobald man „Denial“ einschaltet. Die Härte und das Geschrei vom Hardcore sind darin enthalten, und beides behalten Sick Sad World auch über Spielzeit bei, als Grundlage. Denn bereits dieser Opener ist vorrangig dominiert von dem Verzweiflungsgefühl, dass das Quintett hier alle fünf Tracks über vermittelt. Und zwar, indem Sick Sad World zwar ihre Instrumente einen harten Lärm machen lassen, wie er noch gerade so ohne Riffs möglich ist, und den dann aber in Harmonien verpacken.

Außerdem holen Sick Sad World noch andere Elemente ins Album: Das Flirren der Gitarren aus dem Post Rock und dem Post Black Metal, den – nun, etwas gequält wirkenden – Klargesang aus dem Gothic Rock, die Entrücktheit von Alcest, nur wuchtiger, oder auch mal eine Klassik-Wand, die der aus Gitarren nicht nachgibt, oder Synthie-Effekte, die weder nach Harsh Electro noch nach Pop klingen. Auch lässt sich angesichts der tiefergestimmt schleppenden Gitarrenpassagen eine Mischung aus Sludge und Doom erahnen.

Konzeptionell behandeln die fünf Tracks dieses Albums die fünf Stufen der Trauer, „Deuil(s)“ also: „Denial“, „Bargaining“, „Depression“, „Anger“ und „Acceptance“. Entsprechend sind die fünf Tracks auch ausgelegt, obgleich die Grundrichtung gleichbleibt, nämlich das hohe Energielevel aus Hardcore und Black Metal. Momente verletzlicher Zurückhaltung finden sich hier dennoch und bereichern den Ablauf.

Vor 16 Jahren traten Sick Sad World erstmals in Erscheinung, damals mit einer Split-Veröffentlichung mit der Ein-Mann-Show Another Moon. Ihr Debüt „Murmuration“ veröffentlichte die Band 2014 und reichte 2019 den Nachfolger „Imago Clipeata“ nach. Auf zwei Non-Album-Singles folgt nun das dritte Album. Nicht preis geben die fünf aus Nantes indes ihre Namen; auf einem früheren Album vermerkt sind Gitarrist Antonin L., Schlagzeuger David N., Gitarrist Erwan W., Sänger Julien D. sowie Bassist Julien R., verzeichnen damit zwei Positionswechsel an Bass und Schlagzeug zum Debüt. Immerhin der Erwan lässt sich entschlüsseln als Erwan Chrounchips Weber.