Von Matthias Bosenick (14.01.2026)
Wenn Atmospheric Black Metal sich so verzweigt darstellt wie auf „Cerburea apusului“, „Das Leuchten des Sonnenuntergangs“, dem neuen Album der Band Argus Megere aus Timișoara in Transsilvanien, dann steht nicht zu befürchten, dass dem Genre die Puste ausgeht. Die Rumänen verbinden Alcest-Ruhe mit klassischer Black-Metal-Brutalität, Pop-Transparenz und Folklore-Elementen und versehen selbst die bösen Passagen noch mit herzerwärmender Schönheit. Nächstes Jahr wird die Band 30 Jahre alt, da steckt also eine Menge Erfahrung in diesem Album, und das hört man.
Fünf Tracks, davon nur einer unter elfeinhalb Minuten, und in jedem Track passiert so viel, dass man die Indizes auch sonstwo hätte platzieren können. Es wird noch einige Hördurchläufe brauchen, um die Struktur des Albums zu erfassen, aber das macht man gern, weil die Elemente so gut gelungen sind. Den Atmospheric Black Metal machten unter anderem Alcest dereinst salonfähig, und so beginnt das Album auch mit einer ruhigen, alleinstehenden warmen Alcest-Gitarre und holt die Hörerschaft freundlich ab.
Denn unfreundlich wird die Musik noch, im positiven Sinne, der Black Metal kommt hier schon zum Zuge, und doch nicht der der alten Schule oder reinsten Wassers, Argus Megere verleihen den druckvollen Strecken eine unerwartete Transparenz, beinahe eine Klarheit wie im Pop, obgleich die metallische Wucht erhalten bleibt. Der Gesang dazu – stets auf Rumänisch übrigens – ist kein typisches Keifen, sondern könnte dem Hardcore-Brüllen entliehen sein. Der Bass groovt wie im Thrash Metal, kurz darauf im klassischen New-Wave-Zwei-Ton-Modus. Und da sind wir immer noch irgendwo auf Höhe Track eins, „Volvura“.
In die nächsten Stücke integrieren Argus Megere dann unter anderem Klargesang, Goth-Vibes, hymnische U2-Gitarren, ein Xylophon, Block- und Panflöten, Synthies, akustische Gitarren, eine Art Spinett, Kopfnicker-Beats und natürlich auch wieder Black Metal. Es fällt dabei nicht einmal auf, dass „Șarpele din Nouri“ an vierter Stelle aus dem Rahmen fällt: Gerade fünf Minuten lang, besteht das Stück aus Dark-Ambient-Drones, die sich wie zwingend konsequent zwischen den zwei längeren Tracks ausbreiten. Dafür fällt hingegen auf, dass die Band selbst in den brutalst bösesten Prügel-Passagen mit Growls und Most immer eine verwirrende Schönheit unterbringen.
Um die acht Jahre vergingen zwischen dem fünften Album „Cerburea apusului“ und dem Vorgänger „VEII“. Die Band startete 1997 noch als Argus und erweiterte den Namen 2005 ab dem zweiten Album „Solitar în straniu“ um Megere. Das einstige Quintett besteht auf dem neuen Album aus Leuten mit typischen Black-Metal-Namen: Sänger Ageru Pământului (Adrian Ghercea), Gitarrist, Keyboarder und Sänger Fulmineos (Emilian Matlak), Bassist Urmuz (Dragos Oichea) und Schlagzeuger Putrid (Andrei Jumugă). Gäste sind Bogdan Luparu mit Gesang und Andrei Oltean mit Gesang und den traditionellen Folk-Instrumenten. Nicht aufgeführt ist Keyboarderin Inia Dinia (Orsolya L. Weissgerber). Selbstredend, dass alle Beteiligten eine lange Liste an Ex- und Neben-Projekten haben.
