Trash Pillow – Raw – Trash Pillow 2026

Von Matthias Bosenick (09.01.2026)

Wenn im noisigen Fuzzrock noch genug Platz für eine Akustikgitarre ist, läuft etwas ganz gut. So auf „Raw“, der Antikriegs-EP der Berliner Politaktivisten Trash Pillow. Vier knappe Songs aus der Garage, versetzt mit einer amtlichen Ration Pop-Appeal und trotzdem so „Raw“, wie es der Titel verspricht. Und mit Botschaften gegen Krieg, auf Englisch ganz zufällig „Raw“ rückwärts.

Das sind nicht die White Stripes, die einem da mit „Bombs Make Her LOL“ entgegenwummern: Den Bluesrock mit Fuzz und Genervtheit kriegen Trash Pillow auf eigene Weise hin, in diesem Song auch noch gekrönt von einer freundlichen Akustikgitarre. Die schlechte Laune hört man der Band an, der Gesang wirkt genervt, gelangweilt, das passt perfekt zur Musik und zu den Songs. Und die sind trotz fuzzy-noisiger Grundierung auch noch sehr unterschiedlich.

„Eyes On Us (It’s The Sound Of A Drone)“ etwa hat ein beinahe balladeskes Tempo, entwickelt im Verlaufe aber einen zusätzlichen Lärmpegel und bringt weiblichen Backgroundgesang ein, der den Noise trefflich harmonisiert. „Fellow Traveller“ hat einen beschleunigten Madchester-Rave-Rhythmus und endet mit einem von einem hämischen Kind gesungenen „Maikäfer flieg“. Die größte Überraschung nach diesen drei Songs ist das Finale: „She’s From A War“ ist ein Popsong, eine flotte Uptempo-Nummer, mit Orgel, Chören, richtig schön. Wie überhaupt unter all dem Fuzz immer sehr viel Melodie liegt, da greift der Noiserock richtig gut.

In allen vier Songs, deren Titel es ja bereits verraten, geht es um Krieg, um dessen Auswirkungen auf die Menschen, ums Überleben, ums Leben mit Gefahr, um Waffenkonflikte aus der Gegenwart und der Vergangenheit. Eine zutiefst menschliche, humanistische EP mithin, die Trash Pillow hier vorlegen. Die zweite Veröffentlichung der Band überhaupt, so scheint es: Voraus geht dieser Veröffentlichung lediglich die Drei-Track-Single „Grieving Doves“, die im November 2024 herauskam. Die Webseite der Band besteht seit 2022. Auf Fotos sieht man zwei Menschen, deren Namen verborgen bleiben. Als Gäste sind auf dieser EP Schlagzeuger Francisco Nin von Not A Color und Percussionist Alex Cumming, einst bei den Risky Mondays, gelistet, die könnte man ja mal fragen. Möglicherweise sind Trash Pillow aber auch mal zu dritt gewesen, jedenfalls tauchen irgendwo drei Namen auf: Meray Antoun, Peter Flynn und Paul Charters. Und während man das alles googelt, hat man die EP schon dreimal gehört und seine Freude daran nur vertieft.