Green Eyes Of Darkness – Fire Waves – Loud Rage Music 2025

Von Matthias Bosenick (08.12.2026)

„Symphonic Gothic Doom Metal“ steht auf der Schublade, in die Green Eyes Of Darkness ihr Debüt-Album „Fire Waves“ stecken. Reicht eigentlich schon, weiterskippen. Aber nee: Das Etikett verschweigt den Death Metal, der hier die Oberhand zu gewinnen sucht – zumindest eingangs. Über diverse weitere Metal- und andere Spielarten landet die personell offene Band aus Bukarest dann irgendwann doch beim Kitsch – und am Ende ist man froh, dasselbe erreicht zu haben.

„Doomsday“ lautet der nicht eben einfallsreiche Titel des Openers, da möchte man schon wegklicken, aber der Track startet im Death Metal, und schon bleibt man dran. Brutal, aggressiv, mächtig kommt der Metal daher, dessen dunkle Färbung das Etikett Gothic durchaus rechtfertigt. Auch das folgende Titelstück schließt sich daran noch an. Trägt das erste Stück noch weiblicher Gesang, der gottlob nicht die Nähe zu Nightwish sucht, übernimmt eine männliche Stimme den zweiten, klar intoniert, beinahe pastoral. Kommt gut. Zudem bringt die Band zwischenzeitig zwar einige dem Kitsch nahe Elemente aus der genannten Schublade dar, biegt aber stets vor Erreichen des Unerträglichen in die richtige Richtung ab. Sobald dann auch mal Growls zu hören sind, ist der Eindruck von Opeth-Progressivität wie beim Übergang von „Watershed“ zu „Heritage“ gelungen.

Fast 80 Minuten lang sind die 13 Tracks insgesamt. Da hat die Band ordentlich Zeit, auch noch in anderen Schubladen zu stöbern. Und dann beginnt das Album allmählich zu zerbröseln. So Shanty-Piraten-Passagen hört man plötzlich, und nicht nur einmal. Der Synthie übernimmt viele Anteile. Einmal dominiert tatsächlich der Doom ganz kurz. Drama-Chants verwirren den Geist. Und da sind wir erst bei Track 5: „Twilight“ setzt die erste schwergewichtige Krone auf das Sahnetörtchen, mit Walzer-Kitsch, Folk-Flöte und Rondo-Veneziano-Streichern.

„And Dark Was The Sight Of The Thinking Man“, behaupten Green Eyes Of Darkness an Stelle 9 und klingen plötzlich nach Moonspell, die ja auch schon den Kitsch im Goth Metal feiern. Außerdem kommt Mittelalter-Kitsch dazu. Und ein Slap-Bass wie bei Faith No More auf „The Real Thing“. Und – Abba, im zweistimmigen Gesang. Irgendwie wow. Bis zum Schluss des Albums folgen noch Bläser, eine Kirchenorgel und ganz am Ende mit „Polyphonic Construction & Fugue In A Minor“ ein außer Rand und Band geratener Synthesizer. Und immer wieder Kitsch.

Bei „Green Eyes Of Darkness“ handelt es sich laut KI-Suchergebnis um ein Buch über Okkultismus und Hexerei von jemandem namens T.J. Green, in diesem Falle aber um ein Projekt, das Multiinstrumentalist Dragoș Grigorescu vor einiger Zeit ins Leben rief und mit Sängerin Georgiana Bogdana Stoian und Bassist Cătălin Cornel Scânteie 2022 zu einer festen Band formierte. Die sich allerdings für „Fire Waves“ ordentlich Beistand holte: Alex Igor (Gesang), Claudia Deleanu (Gesang), Ștefania Ionescu (Flöte und Gesang), Alina Rotaru (Kirchenorgel), Alex Gomez (Schlagzeug), Nunu Răcriș (Schlagzeug) sowie ungenannte weitere. Da sämtliche Beteiligten, allen voran der Bandkopf, bereits seit Jahrzehnten in der rumänischen Szene aktiv sind und diverse Bands in ihren Lebensläufen stehen haben, entstand zwar der Großteil des Albums innerhalb der zurückliegenden fünf Jahre, waren aber einzelne Skizzen bereits in den Neunzigern live zu hören. Krasse Geschichte eigentlich. Na, vielleicht doch nochmal hören, das Album.