Von Matthias Bosenick (25.07.2025)
Da tun sich zwei Bands zusammen, die mit jeweils zwei Songs belegen, wie divers ein Auf-die-Fresse-Genre wie der Death Metal so sein kann. Pulmonary Fibrosis aus Yzeures-sur-Creuze verlegen sich aufs Growlen und groovende Knüppeln, während Repulsive Feast aus Wolfsburg die ein oder andere unerwartete Verschachtelung einbauen. Pinkes Vinyl ist mehr als angemessen für eine 7“ mit so einem Sound!
Bei Pulmonary Fibrosis ist alles tiefergelegt, Bass und Gitarre dröhnen im unteren Frequenzbereich, die vielen Stimmen growlen und röcheln, das Schlagzeug überschlägt sich dazu, gelegentlich zischen die Hihats wie ein einzelner Ton. Wer es schafft, hierzu mit dem Kopf zu nicken, ist gut in Übung. In beide Goregrind-Tracks betten die Franzosen entspannende Groovepassagen ein, in denen man sein Genick apathisch auspendeln kann, bevor das Gebrüll wieder startet. Für den ersten Song holten sich die Lungenfibrosen überdies mit David Mikkelsen von Undergang aus Kopenhagen einen Gastsäger dazu.
Sobald Repulsive Feast loslegen, staunt man über die unterschiedlichen Ansätze: Ihre Seite beginnt mit einem vergleichsweise melodiösen Thrash Metal, bevor der Death Metal die Überhand gewinnt. Die Saiten sind nicht ganz so tief gestimmt, zudem eher auf Riffs ausgelegt als auf doomige Strecke. Diverse Breaks und Wechsel halten die Aufmerksamkeit der Nackenbrecher aufrecht, in nur zwei Songs stecken Repulsive Feast eine große Palette an Subgenres ab, von denen Grindcore, Thrash und Doom nur einen Bruchteil ausmachen. Statt Growls gibt’s hier Geschrei in angemessen mittlerer Tonlage.
Humor haben beide Bands: Die Titel von Pulmonary Fibrosis lauten „Human Slaughterhouse“ und „Spines & Brains“, die von Repulsive Feast „Twisted Infamous Terror“ und „Narcosatanists“. Ein passendes Skelett-Cover kontrastiert die Vinyl-Farben, das Pink greift die Farbe der Schriftzüge auf und unterstreicht die Ernsthaftigkeit des Anliegens beider Bands.
Für die Wolfsburger ist dies die zweite Split-7“ nach der mit Minenfeld 2022, davor erschienen zwei EPs und eine Demokassette, die 2018 den Auftakt für dieses Trio bedeutete. Seit wenigen Monaten setzt sich dies neu zusammen: Geblieben ist Schlagzeuger Steffen Brandes, bekannt auch von Cryptic Brood, Dissouled und Ophis. Neu sind Gitarrist Aljoscha Töpel von Excaved und Cyphonism sowie Bassist Etienne Tost von Tacend, sie ersetzen Aron Müller und Yannick Klaffehn, der bereits auf Magnus Fischer folgte.
Satte 20 Jahre mehr haben Pulmonary Fibrosis auf dem Buckel. Auch die aktuelle Besetzung ist fast doppelt so groß: Renaud alias Reno am Bass, Samantha an der Gitarre, beide ohne Nachnamen, Guillaume Béry alias Guyome am Schlagzeug sowie die Stimmen Adrien Poupineau und Simon Maurette. Von den unzählbaren Seitenprojekten der Musizierenden dürfte Baptized In Vaginal Liquid den beklopptesten Namen haben. Ebenfalls etwas länger fällt die Discographie von PxFx aus, die überschritt mit allen Demos, Splits und sonstigen Veröffentlichungen längst die Hunderter-Marke. „Fetish Of Gore“ dürfte ungefähr die Nummer 112 tragen.