Von Matthias Bosenick (02.04.2025)
Der Mann, der Stilbrüche zum Stil erhob, der aus der Kombi aus Genretreue und –untreue eine eigene Kunstform erhob, arbeitet diese auf seinem neuen Album „Grief Commodity“, das er unter seinem Solo-Black-Metal-Moniker Sacred Son herausbringt, noch breiter aus. Hier ist der Londoner Dane Cross wahrhaftig wieder solo unterwegs, nicht mit der Quartettbesetzung seiner vorherigen Alben, und zwar derart solo, dass er die Stücke auf der Voice-Memos-App seines iPhones aufnahm. Das ist quasi das Lofi-BM-Trve des dritten Jahrtausends. Und es funktioniert.
Zum Geleit bringt Cross mit „nuffin but snakes round ere just me and me kids from now on xxx“ einen Titel ins Rennen, den zu lesen beinahe so lang dauert, wie den Song zu hören. Der ist im Grunde keiner, sondern Gewisper zu karger Akustikgitarre. Erst „The Red Pen“ gestaltet er als growlenden Post-Black-Metal aus. Für „Attendance 5,553,750“ ölt er seine Klarstimme, die er einnehmend im Intro und im Mittelteil des rauhen Doom-Metal-Tracks mit Ambient-Sequenzen und Growls einbettet. Als Meister der Kontraste lässt er zu „I Saw A Man Die“ mit einer Monty-Python-Orgel übergehen. In dem doomig schleppenden Track klingt die Gitarre nach der Oldschool-Black-Metal-Kreissäge, die man von ganz früher noch kennt.
Mit „With Deepest Sympathy“ wird auch der Sound empathisch, die Gitarre klingt nach kargem Goth, kurz brüllt Cross nochmal los, dann wird das Stück wieder gruftig-minimalistisch. „DSEI After Party“ ist komplett nahezu stiller Quasi-Ambient, dafür kehrt Cross mit „The Inch Of My Fall“ zum Doom-Metal mit tiefen Growls zurück – und mit entrücktem Klargesang. Dafür ist „Fountain Of The Golden Keys“ beinahe Rock’n’Roll, allerdings gespielt mit einigen Mitteln des Black Metal, der flirrenden Gitarre etwa. Und A-Capella-Goth-Chören am Ende. Zuletzt gibt’s mit „Venice Liberty“ ein auf ewig gestrecktes Gitarrenriff mit Hi-Hat-Schlag dazu. Dabei fällt auf, dass Cross das gesamte Album über auf ein typisches BM-Merkmal verzichtet: Blast Beats sind keine zu hören.
Nun ist dieses Album lediglich um die 25 Minuten lang, aber so abwechslungsreich, dass andere Black-Metal-Vertreter da ganze Karrieren drunter durchschieben könnten. „Grief Commodity“ ist das sechste Album, das der Londoner als Sacred Son herausbringt, und passend zum die Szene auf die Palme bringenden unkonformen Sound sind auch stets die Cover wundervoll unpassend. Dieses Mal sitzt der frühere Dawnwalker Cross mit Sonnenbrille und in hellen Farben gekleidet vor grüner Landschaft auf einer Parkbank in der Sonne und dreht sich lachend zum Betrachter um. Man kann nur mit ihm lachen. Von Trauer keine Spur, zumindest optisch. Im Sound haut das indes sehr hin.