Sounds Of New Soma – The Story Of Sam Buckett – Tonzonen Records 2025

Von Matthias Bosenick (25.02.2025)

Schon merkwürdig, dass sich das Krefelder Duo Sounds Of New Soma so deutlich im Krautrock verortet, denn dessen neues Album „The Story Of Sam Buckett“ lässt sich nicht so einfach in lediglich diese Schublade sperren. Vornehmlich – dem Thema geschuldet – Space Rock findet sich hier, akustischer wie elektronischer, zumeist gemischter, viel Ambient, dazu Fusion Jazz, Synthpop, Prog Rock, Radiopop, die Quelle der Inspiration scheint unerschöpflich. Thema, das: Sam Buckett war ein vergessener US-Wissenschaftler, der bereits 1920 an bemannter Raumfahrt herumtüftelte und erfolgreich verschwand, behauptet die Band. Kicher!

Wer nach Sam Buckett googelt, findet genau eine Webseite mit KI-Fotos, die aussehen wie von vor 100 Jahren, von Männern, die Anzüge mit Westen und Taschenuhren tragen, Schnauzbärte im Gesicht haben, vor merkwürdigen Apparaturen herumlungern oder mit Hut auf einer belebten Straße zwischen Oldtimern herumflitzen. Ein roter Kringel markiert, welcher von denen der optisch sehr wandlungsfähige Sam Buckett war. Die Arbeit von Sam Buckett wurde nie gesponsort oder von der Regierung unterstützt, heißt es, als er ab 1920 in einem – natürlich – Geheimlabor auf Rhode Island die bemannte Raumfahrt auszutesten begann. Von Kollegen belächelt, fand er doch einige Begleiter, die ihn dabei unterstützten, mit Ektoplasma an Bord erfolgreich von der Erde abzuheben – seitdem, so die Info, verliert sich seine Spur und seine Arbeit wurde vergessen. Bis ein Duo aus Krefeld daherkam und sie für sein neues Album exhumierte. Wer sich übrigens das „Impressum“, ja: auf Deutsch, der Webseite über Sam Buckett ansieht, wird abermals nach Krefeld verwiesen. Kosmischer Zufall?

Auf jeden Fall wunderbarer Humor, der allerdings den Hörenden verschlossen bleibt, sofern sie nicht zum Internet greifen. Sounds Of New Soma erzählen diese Geschichte nämlich nahezu rein instrumental und generieren mit „The Story Of Sam Buckett“ somit einen Soundtrack zu einem inneren Kino, das man recherchieren muss. Sollte! Steigen wir also ein zu Sam Buckett, nicht dem Schlagzeuger der Deathcore-Band In Fear übrigens, und wagen mit ihm den Aufbruch ins All.

Denn genau damit geht das Album auch los: Zwei Tracks, die erst beinahe gruselig, dann spacig auf elektronischer Basis auf das Thema vorbereiten; die Idee vom Christian Bruhns „Captain Future“ schwebt mit. Solche Electro-Interludes baut das Duo noch weitere Male in das Album ein. Erst der „Quasar“ an dritter Stelle bietet Songstrukturen an, die E-Gitarre gniedelt wie bei Mark Knopfler zu einem weiterhin spacigen Track. „Bakkhu-Shan Dinner“ vermengt Fusion-Jazz mit Spacerock der Marke Hawkwind und einem Saxophon, das dem Track die Rohheit glättet. Der „Nahpunkt“ reflektiert die bequeme Betäubung von Pink Floyd, er lullt die Hörenden langsam gniedelnd ein.

Erst „Surreal Journey“, der erste Track auf der B-Seite, bringt eine Stimme mit: Zu einer melancholischen Kopfnicker-Ballade fürs Radio mit Orgel und Saxophon croont eine tiefe Stimme auf französische Chanson-Art. „Toenivornia“ wirkt etwas aufgekratzter, dafür begibt sich „Himmlischer Wanderer“ in einen Freak Folk mit Flöten und Akustikgitarre, der gleichzeitig an Air denken lässt. Überraschenderweise beginnt „Liquide Gravitation“ an vorletzter Stelle als Synthpop, während die „Merkurkanone“ als Sax-Synth-Outro das Dutzend voll macht. Also: Der Krautrock, der verschwindet hier hinter den Himmelskörpern – diese Reise ist weit aufregender.

Zu Sounds Of New Soma fanden Alexander Djelassi und Tonzonen-Chef Dirk Raupach um 2014 zusammen, veröffentlichten stante pede ihr Debüt und sind mittlerweile bei Album Nummer 13 angelangt, plus diverse Kleinformate. Mangelnden Output und ungenügende Kreativität kann man den beiden wohl nicht vorwerfen. Zudem ist dieses Output in sich variabler als das des Hamburger Post-Rock-Duos Collapse Under The Empire, mit dem Sounds Of New Soma die ein oder andere Ähnlichkeit teilen (und zusammen die Akronym-Reihe CUTE SONS ergeben; wie wär’s mit einer Supergroup, hm?). Bonus-Musiker sind hier Schlagzeuger Armin Schopper, seit 2017 regelmäßiger Flugbegleiter, und Saxophonist Steffen Gründel, nicht der Polizist aus Thüringen!, der auf dem Vorgänger „Fluxus 2071“ bereits zu hören war.