The Mission – Different Colours – Oblivion/SPV 2014

Von Matthias Bosenick (30.06.2014)

Das ist ein interessantes Projekt: Als zweite Veröffentlichung in der zweiten Reunion bringen The Mission eine Doppel-Single heraus, auf der jedes Mitglied der aktuellen Besetzung je einen selbstkomponierten und -gesungenen Song präsentiert. Musikalisch ergibt das eine Bandbreite, die tatsächlich breiter ist als die des jüngsten Albums „The Brightest Light“. Ein Manko ist, dass die Single-Versionen überwiegend kürzer sind als die in der Download-Version der EP, dass der fünfte Song des Download-Bundles fehlt – und dass der Single kein Download-Code für die fünf Tracks beiliegt. Dafür sind die mehr als 15 Euro für eine Doppel-Single einfach viel zu viel.

Der Titel „Different Colours“ passt indes, so vielfältig sind die vier Beiträge. Chef Wayne Hussey legt mit „Atomic Heart“ vor, das den unter Gruftis gescholtenen Stil des zurückliegenden Albums aufgreift. Heißt: launiger Rock, dreckig gespielt, rotzig, ungruftig. Steht der Band gut, wenn man offen genug ist. Da hat er nix falsch gemacht. Der einzige Song übrigens, der auf Vinyl nicht editiert wurde. Bassist Craig Adams legt nach mit „Carnival“, einem eher elektronischen Downbeat-Song mit Brasil-Percussion und Mission-typischen Gitarren-Einschüben. Adams‘ hoher Gesang hebt sich im doppelten Sinne von Husseys ab. „Judgement Day“ von Gitarrist Simon Hinkler ist sehr dicht am „Sand“-Sound alter Tage. Getragen, hymnisch, energetisch und mit den schönen hoch gespielten Gitarren. Den Abschluss – zumindest auf Vinyl – macht „Never Leave Well Enough Alone“ von Schlagzeuger Mike Kelly. Dieser ist der vielleicht unspektakulärste Song in der Reihe, aber immer noch ist er schön, weil auch Kelly mit einer höheren Stimmlage singt. Wie es sich gehört, bringt er viele percussive Elemente unter.

Bei der digitalen EP folgt noch das Cover zu Bob Dylans „All Along The Watchtower“. Kann man machen, wenn man das Original, die Version von Jimi Hendrix und auch die von den erklärten Mission-Vorbildern U2 ignoriert. Und was soll man sagen: Das Ergebnis ist anders als die drei bekannten Varianten. Lediglich am Text erkennt man das Original, der Rest ist fast gelangweilt vorgebrachter schleppender Mission-Rock. Geht.

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