Muppets Most Wanted – James Bobin – USA 2014

Von Matthias Bosenick (02.05.2014)

Der zweite Teil, der die siebte Fortsetzung ist, wie es die Muppets selbst feststellten, während sie über zweite Teile an sich lästern, ist grundsolide, charmant, humorvoll, zitatreich, spannend, kommt ohne große Überraschungen aus und enttäuscht nicht. Hey! Das war beim besten Willen nicht zu erwarten. Doch die Macher hielten sich auch unter der Disney-Knute an die alten Regeln, die die Serie in den 70ern und 80ern so erfolgreich machte. Zwar ist der Stoff kindgerecht dargeboten, richtet sich in seinen Details aber eindeutig an die Ex-Kinder, die die Muppets schon vor 30 Jahren liebten. Dieser Kompromiss ringt dem Ergebnis zwar einige Abstriche ab, mindert aber die Qualität nicht grundsätzlich. Also: gut gemacht!

„Muppets Most Wanted“ beginnt mit dem Schriftzug „The End“, es geht also schon gut los, und zwar wirklich dort, wo der vorherige Film endete. Die Gagdichte ist zwar nicht exorbitant hoch, die Güte aber mehrheitlich schon. Damit nimmt der Film auch den heute üblichen Stress heraus, den an Kinder gerichtete Filme seit einigen Jahren haben müssen. Action bietet der Film trotzdem, den gefährlichsten Frosch der Welt, der reihenweise Gulagwärter verprügelt etwa.

Zur Handlung: Constantine ist jener Gulag-Frosch, der sich von Kermit lediglich dadurch unterscheidet, dass er ein Muttermal an der Oberlippe trägt. Ein solches klebt er dem ahnungslosen Doppelgänger an, schminkt sein eigenes über und tauscht die Rollen. Um an die Britischen Kronjuwelen heranzukommen, übernimmt er mit seiner „Nummer Zwei“ als Adjutant das Muppet-Ensemble, während Kermit im Gulag mit den Gefangenen die jährliche Revue einstudiert. Auf der lang ersehnten Hochzeit zwischen Piggy und Schein-Kermit kommt es zum Showdown.

Es ist erfreulich, welche Stars sich für eine Rolle bei den Muppets hergeben. Okay, eine Tröte wie Céline Dion spielt selbstverliebt sich selbst, aber Danny Trejo als Gulaginsasse mit Theaterambitionen, Usher als reiner Wortwitzgeber, Till Schweiger als aggressiver Berliner Polizist, Christoph Waltz tanzt – natürlich – Walzer, Salma Hayek, Lady Gaga, Puff Daddy, Ray Liotta sowie eine unzählbare Reihe an nicht mal kreditierten Gastauftritten machen den Film zum Suchspiel. Ebenso die Anspielungen, zumeist an alte Muppet-Gags, was so auch gut ist, weil man sich über das unplumpe Wiedererkennen freut, aber auch an andere Kulturgüter, und sei es nur, dass etwa das Enttarnen des bösen Frosches ähnlich unsubtil vonstatten geht wie bei Wallace & Gromit mit dem Pinguin oder dass die Einbruchgeräusche wie bei der Olsenbande mit dem Bühnenbombast übereinfallen. Man freut sich auch über all die Auftritte der vielen Muppets, und es bekommen selbst die selten gezeigten Randfiguren ihren Moment, mit genau dem Thema nämlich, und die Selbstironie, die nicht nur Statler und Waldorf pflegen, dringt aus vielen Momenten des Films; vielleicht nicht aus ganz so vielen, wie es möglich gewesen wäre. Die obligatorischen Lieder sind nicht nervig, auch das ist ein Pluspunkt. Und die Handlung ist scharf, mit seiner Kalter-Krieg-Anlehnung. Nicht das einzige oldschoolige Element: Constatine bereitet sich auf seine Kermit-Rolle vor, indem er Muppet-Videokassetten guckt.

Mit einem „Es hätte schlimmer kommen können“ wird man dem Film nicht gerecht, er macht wirklich Spaß. Kurzweilige Unterhaltung auf soliden Füßen und ohne große Wagnisse, aber damit auch ohne große Enttäuschungen. Ein Loblied auf die Freundschaft, wie immer bei den Muppets. So kann es in ein paar Jahren auch gerne wieder weitergehen.

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