Jimi Tenor – Order Of Nothingness – Philophon 2018

Von Matthias Bosenick (31.08.2018)

Noch so einer, der vom Plattenveröffentlichen nicht genug bekommen kann: Mit „Order Of Nothingness“ bildet Jimi Tenor das weite Spektrum seines künstlerischen Schaffens auf eine gute halbe Stunde komprimiert ab. Man hört also elektrischen Jazz und Afrobeat sowie alles, was sich dazwischen und miteinander kombinieren lässt. Einzig Housebeats wie bei seinem überraschenden Love-Parade-Hit „Take Me Baby“ kehren nicht in seinen Sound zurück. Müssen sie ja auch nicht, dafür ist der Finne viel zu freigeistig.

Der Jazz liegt Tenors Musik seit jeher inne, ohne die Freiheit kann er wohl keine Musik machen. Tenors Jazz ist nun kein in Formen gepresster, ihm liegt der Übergang vom Hardbop zum Free Jazz näher als das Dixieland. Diesen Geist transferiert er in die Moderne, im Grunde sogar in die Zukunft, nicht umsonst kategorisieren ihn manche Experten unter „Future Jazz“. Grund dafür ist, dass Tenor elektronische Muskikerzeugung und freies Musizieren verbindet und häufig neben dem geliebten Tenorsaxophon und der Flöte sein Keyboard in den Mittelpunkt des Geschehens rückt. Dabei bleibt er aber so eigenbrötlerisch, dass er etwa Fans von populären Neojazzern wie Kamasi Washington nicht explizit erreichen wollen würde, um von deren Hype zu profitieren.

Tenors zweite Leidenschaft ist der Afrobeat, den er seit einigen Jahren in Zusammenarbeit mit versierten Musikern des Kontinents zelebriert. So ist es auch auf „Oder Of Nothingness“, hier gehen sein Future Jazz und der Afrobeat eine heilige Allianz ein, teils nebeneinander, teils miteinander. Freunde sämtlicher Spielarten des Tenor-Oeuvres finden also Berücksichtigung auf dem Album. Damit erreicht er frei Hörende auch weitaus eher als Uneingeweihte: Der Mix aus Stop-And-Go-Jazz und Polyrhythmik mag für manche eine Herausforderung sein.

So richtig solo ist „Order Of Nothingnes“ aber nicht: Im Berliner Studio standen ihn die Percussionisten Ekow Alabi Savage und Max Weissenfeldt zur Seite, diverse weitere Windinstrumentalisten gesellten sich dazu, darunter Hilary Jeffery (unter anderem bei Zeitkratzer, The Mount Fuji Doomjazz Corporation und The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble). Dennoch gilt es als Solo-Album, sein zehntes dürfte dies sein, nach dem Ende von Kosmos und Himo (Achtziger) sowie der Shamans (1988 bis 1992) und Suburban Sax Anfang der Neunziger und parallel zu den Alben mit Tony Allen, Abdissa Assefa, Kabukabu, Nicole Willis, Willie West, The Soul Investigators, dem UMO Jazz Orchestra, Hjálmar, dem Impostor Orchestra, Cola & Jimmu, Peikko & Lassi, PMS, Reinin Myrkky, Soft Focus, Tenors Of Kalma, Toys’r’us, The Business City Orchestra und der Flat Earth Society sowie als J. Remont oder Lassi Lehto (sein Geburtsname). Viel Spaß beim Sammeln!

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