Dead Cross – Dead Cross – Ipecac 2017

Von Matthias Bosenick (27.08.2017)

Als Metal-Supergroup mit Mike Patton und Dave Lombardo (beide auch bei Fantômas) sowie zwei in dem Genre eher Unbekannten werden Dead Cross im Internet und in der Fachpostille vermarktet. Na ja: Das Tempo ist hoch, das stimmt, aber die Gitarren sind es auch, und das lässt vielmehr an Punk oder harten Rock denken als an Metal. Und dann stellt man fest, dass die vermeintlichen Unbekannten Mike Crain und Justin Pearson genau aus der Punk-Hardcore-Ecke kommen, von The Locust unter anderem. So wird ein Schuh draus, und den trägt man gern: Melodien, Geschrei, Riffs, Groove, alles drin, was Spaß macht. Man muss sich nur von dem Irrtum lösen, es ausschließlich mit Metal zu tun zu haben.

Hier erfindet natürlich niemand auch nur irgendein Rad neu, hier kommen lediglich ein paar Erwachsene zusammen, die Bock auf strukturierten Krach haben. Das haben viele andere zwar auch, aber nicht so kompromisslos. Ihre hakenschlagende Zusammenarbeit übten Patton und Lombardo bereits ausgiebig und nicht kopierbar mit Fantômas, bei Dead Cross bleiben sie deutlich straighter. Diverse Riffs flitzen dem Hörer zwar knüppelnd davon, aber dazwischen bleibt immer Zeit für unerwartet gutgelaunte Melodien, Pattons Trademarkgeschrei und instrumentale Passagen, die deutlich an die NoMeansNo der Achtziger erinnern. Die Songs sind zwar abwechslungsreich, aber nicht willkürlich.

Mittendrin ist dann trotz der geringen Spiellänge von einer knappen halben Stunde sogar noch Platz für einen Coversong, und zwar „Bela Lugosi‘s Dead“ von Bauhaus, das Sepultura bereits 2001 auf „Nation“ vermetalten. Cover-König Patton ist dies zumindest live recht gern, im Studio eher weniger, sieht man ab von „Come To Daddy“ von Aphex Twin, dass er als Gast mit The Dillinger Escape Plan nachspielte. Und von dem Scherz, den sich Faith No More 1993 mit „Easy“ erlaubten und der sich dann als Schuss nach Hinten entwickelte, indem er zum Hit wurde. Auch „Midnight Cowboy“ war auf dem Album aus der Zeit ein guter Witz, „I Started A Joke“ war dann 1995 und 1998 eher doch keiner, aber „War Pigs“ 1989 eine gute Black-Sabbath-Kopie. Und auch abgesehen von „The Director‘s Cut“, auf dem Fantômas 2001 lauter Filmthemes nachspielten. Sowie von diversen Tribute-Album-Beiträgen von Mr. Bungle (für D.R.I.) und Fantômas (für Marc Bolan). Oder von „Sex (I‘m A)“ mit Lovage, im Original von Berlin. Oder von den vielen Single-B-Seiten mit Faith No More (etwa „Spanish Eyes“). Oder von „This Town Ain‘t Big Enough For The Both Of Us“ und „Something For The Girl With Everything“ mit den Sparks. Also okay, Patton ist auch im Studio ein Cover-König. Und dabei ist Patton bei Dead Cross sogar nur der Neue.

Dead Cross ist vielleicht nicht weltbewegend, aber geil. Ein Spaßprojekt, das ansteckt und Qualität und Klasse bietet. Abseits von den Experimenten, die bei Patton zuletzt eher nach Stagnation klangen, weil er einfach schon so extrem viel ausprobiert hat. Dies ist also Stillstand mit Freudenkeule. Auch mal fein.

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