









Von Guido Dörheide (15.03.2026)
Ich stelle fest, dass ich mit fortschreitendem Alter immer mehr einen Arschtritt brauche, um mitzukriegen, welche großartigen Veranstaltungen quasi direkt vor meiner Haustür stattfinden. Diesmal kam er von Noam vom Kellerclub, vielen Dankeschön dafür! Er fuhr jüngst bei mir im Fahrzeug von GS nach CLZ mit, mein mp3-Gerät spielte das aktuelle Album von The Hirsch Effekt und wir kamen über Metal aus Niedersachsen ins Gespräch. Und Noam meinte, dass am Samstag im Kellerclub drei Metalbands aus der Region spielen und ich doch gerne vorbeischauen sollte.
Am Samstag hatten die Liebste und ich uns um 18 Uhr mit einem lange nicht gesehenen Freund aus Braunschweig im hiesigen Balkanrestaurant verabredet, den wir kurzerhand überreden konnten, mit uns in den Kellerclub zu kommen. Mit nur geringer Verspätung (wer die örtliche Balkangastrologie kennt, weiß, dass man in weniger als zwei Stunden dort nicht zu Potte kommt) waren wir vor Ort und Source Of Rage aus Gronau bei Hildesheim hatten ihren Auftritt gerade begonnen. Das Set der drei Brüder und des Vierten im Bunde muss sich nur einen Kritikpunkt gefallen lassen (und für den kann die Band nichts): Es war zu kurz. Gerne hätte ich mir Source Of Rages schön harten und melodischen Groove Metal noch weiter angehört, vor allem der Gesang, oft nahe am Metalcore, aber ohne dessen nervigen Einmannstadionchorgesang, zog mich in seinen Bann, die technische Finesse und Geschwindigkeit der Band (als einzige Band des Abends traten SoR mit nur einem Gitarristen an) ebenfalls. Am Ende wurde noch ein Gruppenselfie von Band und Publikum aufgenommen und die jungen Fans in der ersten Reihe wurden für weitere Fotos auf die Bühne geholt. Sehr sympathische Band. Und sehr grinsen musste ich, als ich das beleuchtete Schild „Source of Merch“ am T-Shirt- und CD-Verkaufsstand sah.
Als zweite Band waren Ember Sea aus Hannover angekündigt, aus Krankheitsgründen mussten sie ihren Auftritt leider kurzfristig absagen. Ebenso kurzfristig eingesprungen sind Dark Lightning aus Wolfenbüttel: Schlagzeug, Bass, zwei Gitarren und Sängerin Lea, die von melodischem Klargesang mit toller Stimme und hypnotischer Wirkung bis hin zu dunklen Growls eine beeindruckende stimmliche Bandbreite abdeckt. Bassist Frank unterstützt mit ebenfalls growlendem und immer wieder kurz und knackich auf den Punkt gebrachtem Backgroundgesang und seinem Gesichtsausdruck ist dabei anzusehen, dass er das, was er da tut, verdammt ernst meint (ein Blickfang auch sein fünfsaitiger Bass mit den für meine Augen ungewohnten, schräg angeordneten Bundstäben). Schon aufgrund des oft gothic-artigen Klargesangs gehen Dark Lightning bisweilen sehr in die melodische und symphonische Ecke, mit der ich (aber das ist nur mein persönlicher Geschmack) weniger anfangen kann als mit Krach & Gegrowle, doch immer wieder fangen die Gitarren so richtig schön trocken an zu krachen und Lea und Frank growlen um die Wette; auf einmal sind Death Metal und Thrash ganz nah. Gegen Ende des Sets probieren Dark Lightning ein neues Stück „aus der Ideenkiste“ aus und es kommt so gut an, dass es bestimmt demnächst auf Tonträger verfügbar sein wird. Auch hier hätte man noch stundenlang weiterhören können, aber der Zeitplan drückt und es ist ja noch eine weitere Band am Start.
Nämlich Zappenduster aus Clausthal-Zellerfeld, die sich laut Sänger Cevin „nicht vorzustellen brauchen“ und dementsprechend vom Clausthal-Zellerfelder Publikum mit lautem Jubel begrüßt werden. Auch Zappenduster beginnen mit einer symphonischen Einleitung vom Band und dann ballert es los, dass es die reine Freude ist. Die musikalischen Einflüsse der vier Bandmitglieder reichen von Deathcore über Old-School-Thrash und Powerpiratenmetal, NWoBHM bis zu klassischem Heavy Metal, und diese abwechslungsreiche Mischung taugt mir sehr. Der Gesang reicht von harcorepunkmäßigem Gekeife bis zu tiefen Death-Metal-Growls; durch die Kombination mit den traditionellen und extremen Metal-Subgenres entsteht hier etwas Eigenes, Neues, das ebenso aggressiv und hart wie eingängig klingt. Leider konnten wir aus nicht am Event und den beteiligten Bands liegenden Gründen nicht bis ganz zum Schluss bleiben, aber was wir sahen und hörten, hat uns beeindruckt und macht neugierig auf mehr.
Mit irgendwo zwischen 50 und 100 Zuschauer/innen war der Kellerclub angenehm gut gefüllt, wer wollte, hatte Platz, direkt vor der Bühne das Haupthaar zu schütteln, und überhaupt – die unmittelbare Nähe zu den Musikern, die nur in solch kleinen Räumlichkeiten machbar ist sowie die friedliche und begeisterte Stimmung machen das Sturmfest zu einem Metal-Ereignis für die ganze Familie (es waren auch viele Kinder im Publikum, denen ich es von Herzen gönne, mit Metal anstatt mit Zuckowski&Rosin aufwachsen zu können), und das mit echt hochkarätiger Musik, bezahlbaren Eintritts- und Getränkepreisen und einem wunderbaren Ambiente. Mehr als genügend gute Gründe, auch weiterhin die lokalen Venues zu supporten.