{"id":985,"date":"2014-10-11T12:49:26","date_gmt":"2014-10-11T10:49:26","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=985"},"modified":"2014-10-11T12:49:26","modified_gmt":"2014-10-11T10:49:26","slug":"20000-days-on-earth-iain-forsyth-jane-pollard-gb-2014","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/20000-days-on-earth-iain-forsyth-jane-pollard-gb-2014\/","title":{"rendered":"20,000 Days On Earth \u2013 Iain Forsyth &#038; Jane Pollard \u2013 GB 2014"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-660\" title=\"Kino-Film\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\" alt=\"\" width=\"178\" height=\"100\" \/><\/a><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (11.10.2014)<\/p>\n<p>Gute Idee, gut umgesetzt: Musiker Nick Cave spielt in diesem Film einen Musiker namens Nick Cave, der am zwanzigtausendsten Tag seines Lebens auf jenes zur\u00fcckblickt. In diesen R\u00fcckblick flie\u00dfen sicherlich unz\u00e4hlige reale Begebenheiten und Ansichten des echten Musikers Nick Cave ein, doch sollte man sich bestimmt davor h\u00fcten, s\u00e4mtliches Gezeigtes als real abzuspeichern. Positiv an diesem Film ist nicht nur der Charakter der Figur Nick Cave, die sich nicht mehr auf der Suche befindet, sondern von ihren Funden berichtet. Die Musik des echten Nick Cave untermalt einen Film, der zus\u00e4tzlich auch noch dem Auge gef\u00e4llt.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Grob unterteilten Forsyth und Pollard den Film in zwei Abschnitte: Zun\u00e4chst spricht Cave mit seinem Psychiater \u00fcber seine Kindheit und Jugend, in der zweiten H\u00e4lfte erl\u00e4utert er den Mitarbeitern des Nick-Cave-Archivs Fotografien aus seiner Zeit als K\u00fcnstler. Es ist eine angenehme Abwechslung, mit Nick Cave einer Figur im Kino zu folgen, die sich nicht, wie viele andere zurzeit, auf der Suche befindet, wonach auch immer, dem Sinn des Lebens zumeist, sondern die diese Suche bereits hinter sich hat und nun ihre Erkenntnisse teilt. Cave tut dies nicht mit erhobenem Zeigefinger oder absolutistisch, sondern auf eine Weise, die den Vergleich des Betrachters mit dem eigenen Leben anregt. Der sachliche Philosoph Cave st\u00f6\u00dft damit zum Nachdenken an, und das \u00fcber weite Themenfelder: Welchen Einfluss hat mein Vater auf mein Tun? Wie gehe ich mit Lampenfieber um? Wie kanalisiere ich Kreativit\u00e4t? Welchen Wert haben Familie, Freunde und Mitmusiker? Was ist Zufriedenheit? Was ist Wahrheit?<\/p>\n<p>Zwischen die beiden Haupt-Passagen sind allt\u00e4gliche Aktivit\u00e4ten geschnitten, Cave besucht Warren Ellis und bekommt Aal vorgesetzt, Cave spricht in seinem Jaguar mit seinen Beifahrern, darunter Blixa Bargeld, der gewohnt schroff seinen Ausstieg bei den Bad Seeds erkl\u00e4rt, und Kylie Minogue, die galant ihre Erlebnisse mit dem einzigen Cave-Hit \u201eWhere The Wild Roses Grow\u201c res\u00fcmiert, Cave erwacht im Bett neben seiner Frau Susie und \u00f6ffnet die Fensterl\u00e4den, womit er fast das Cover des j\u00fcngsten Albums \u201ePush The Sky Away\u201c nachstellt, nur ohne dass man Susie nackt sieht, Cave guckt mit seinen S\u00f6hnen Fernsehen, und Cave performt im Proberaum und auf B\u00fchnen seine Songs mit der aktuellen Besetzung der Bad Seeds. Der Musiker Nick Cave zeichnet als Schauspieler einen grundsympathischen, souver\u00e4nen und reflektierten Musiker Nick Cave, dem man gerne zuh\u00f6rt und zusieht.<\/p>\n<p>Ein Wort zieht sich wie ein Hauptthema durch den Film: Transformation. Cave nennt es immer wieder, besonders in Bezug auf den Moment, wenn er auf die B\u00fchne geht, zum K\u00fcnstler Nick Cave wird, zur Kunstfigur gar. Nicht zuletzt dieser Aspekt legt nahe, dass es sich auch bei dem im Film gezeigten Nick Cave nicht zwangsl\u00e4ufig um Nick Cave handelt. Lediglich bei den Sequenzen, wenn die Musiker miteinander reden, sp\u00fcrt man ungezwungene Realit\u00e4t: Dann scherzen die M\u00e4nner herum und offenbaren ihren spontanen Humor. Erstaunlicherweise nimmt man es dem Film aber nicht krumm, dass man ihm das Unnat\u00fcrliche anmerkt; das liegt an Caves Schauspielkunst und an den transportierten Inhalten.<\/p>\n<p>Doch auch formal ist der Film sehenswert, im Wortsinne. Mit einer unkonventionellen Bildgestaltung und Schnittfolge fesseln Forsyth und Pollard den Betrachter. Dazu integrieren sie teilweise kontrastreiche Requisiten, etwa in Sachen Technik, wenn Cave auf einer uralten Schreibmaschine seine Texte verfasst oder sein Anrufbeantworter die eingehenden Gespr\u00e4che auf einer alten Audiokassette aufzeichnet. Und die Musik ist ohnehin unantastbar. Einzig fragw\u00fcrdig ist, ob s\u00e4mtliche Szenen tats\u00e4chlich mit einem latent dr\u00f6hnenden Score unterlegt sein m\u00fcssen; wom\u00f6glich tr\u00e4gt dies dem Umstand Rechnung, den Film formal von einer puren Dokumentation in Richtung Autorenkino zu unterscheiden \u2013 und au\u00dferdem handelt es sich um eine Geschichte \u00fcber einen Musiker.<\/p>\n<p>Aufh\u00e4nger f\u00fcr den Film war die Arbeit an \u201ePush The Sky Away\u201c, dessen Titel auch formal Eingang in den Film findet, indem die Regisseure den dr\u00e4uenden Himmel \u00fcber Caves Wahlheimat Brighton zeigen und ihn \u00fcber sein Wettertagebuch sprechen lassen, mithilfe dessen er sich mit dem bedr\u00fcckenden englischen Klima auseinandersetzte. Das Ergebnis ist ein Film voller toller Ideen mit einer charakterstarken Hauptfigur, der auch dann funktioniert, wenn man mit Nick Cave And The Bad Seeds sonst nichts zu tun hat. Und das ist eine Leistung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (11.10.2014) Gute Idee, gut umgesetzt: Musiker Nick Cave spielt in diesem Film einen Musiker namens Nick Cave, der am zwanzigtausendsten Tag seines Lebens auf jenes zur\u00fcckblickt. 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