{"id":97,"date":"2012-05-17T13:21:24","date_gmt":"2012-05-17T11:21:24","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=97"},"modified":"2013-11-15T13:11:51","modified_gmt":"2013-11-15T12:11:51","slug":"dark-shadows-tim-burton-usa-2012","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/dark-shadows-tim-burton-usa-2012\/","title":{"rendered":"Dark Shadows \u2013 Tim Burton \u2013 USA 2012"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-667\" title=\"Kino-Film\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Kino-Film1.jpg\" alt=\"\" width=\"178\" height=\"100\" \/><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (17.05.2012)<\/p>\n<p>Ensembleproduzent Tim Burton lenkt seine Subversivit\u00e4t in hollywoodtaugliche Bahnen. Diese Entwicklung war schon seit einer ganzen Weile zu beobachten, aber in \u201eDark Shadows\u201c wird sie am bisher deutlichsten. An sich ist der Film \u2013 basierend auf einer 60er\/70er-Fernsehserie \u2013 nicht \u00fcbel, behandelt er doch die essentiellen Werte des Lebens, solche wie hingebungsvolle Liebe, Familienzugeh\u00f6rigkeit, Moral, Toleranz und dergleichen mehr. Im Gegensatz zu etwa Clint Eastwood in \u201eJ. Edgar\u201c versteckt Burton seine Haltung in \u201eDark Shadows\u201c nicht, wenngleich er eine gewisse Kompromissbereitschaft zeigt, gegen manche der Werte zu versto\u00dfen, um die Geschichte zum Ende zu f\u00fchren.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>In dieser Geschichte nun verdammt die Hexe Angelique Bouchard aus zur\u00fcckgewiesener Liebe und verletzter Eitelkeit den Fischereimagnaten Barnabas Collins dazu, zum ewig lebenden Vampir zu werden, und sorgt daf\u00fcr, dass er in diesem Zustand vergraben wird. Au\u00dferdem bringt sie Barnabas&#8216; Liebe dazu, sich von einer Klippe zu st\u00fcrzen. Knapp 200 Jahre sp\u00e4ter, im Jahr 1972, \u00f6ffnen Arbeiter versehentlich seinen Sarg. Barnabas sieht sich einer Gegenwart gegen\u00fcbergestellt, in der seine Familie degeneriert und am finanziellen Abgrund in der nach ihr benannten Stadt Collinsport im alten Schloss haust, w\u00e4hrend die Hexe zur regional gr\u00f6\u00dften Fischereiindustriellen avancierte. Barnabas sortiert seine Familie neu, sucht frisches Blut, entdeckt in der Gouvernante Victoria eine Wiedergeburt seiner Verflossenen und setzt sich zum Ziel, die Hexe zu vernichten. Im gro\u00dfen Showdown wimmelt es von Geistern, Werw\u00f6lfen und anderen Spukgestalten.<\/p>\n<p>Die Geschichte schl\u00e4gt einige Haken und verl\u00e4uft, kennt man das Ende, so zwingend, dass man sie r\u00fcckblickend f\u00fcr vorhersehbar h\u00e4lt. Dabei ist das Drehbuch an einigen entscheidenden Stellen erfreulich konsequent, etwa, dass Barnabas nicht dauerhaft dem Charme der Hexe verf\u00e4llt oder dass der Rabenvater der Familie Collins, vor die Wahl gestellt, ob er sein lasterhaftes Leben aufgibt oder verschwindet, sich unhollywoodtypisch nicht f\u00fcr die heile Welt entschlie\u00dft. Einige Gags sind ganz nett, etwa Barnabas&#8216; veralteter Sprachstil, dass der leibhaftige Alice Cooper inmitten des Monsterreigens \u201eNo More Mr. Nice Guy\u201c und \u201eBallad Of Dwight Fry\u201c singt, oder dass Barnabas das McDonald&#8217;s-M f\u00fcr das Zeichen des Mephistopheles h\u00e4lt. Die Effekte sind ganz sch\u00f6n, besonders die der Gruselanteile. Und die Schauspieler gefallen, von Johnny Depp (der bisweilen etwas zu sehr an den leidenden Frodo erinnert) \u00fcber Michelle Pfeiffer bis zu Eva Green und Jackie Earle Haley, der in \u201eWatchmen\u201c den Rorschach spielte.<\/p>\n<p>Es gibt aber auch einiges zu bem\u00e4ngeln. Trotz diverser Morde und Leichen nahm Burton die ihm typische D\u00fcsternis sehr zur\u00fcck. Als etwa die Fischkonservenfabrik explodiert, erinnern die Farben zu stark an optische Einlullsendungen wie \u201eWer wird Million\u00e4r\u201c. Dann ist die Geschichte zwar interessant, aber nicht innovativ, denn sie besteht aus lauter bekannten Versatzst\u00fccken, auch f\u00fcr die Zuschauer, die die Originalserie nicht kennen. Da l\u00e4sst es Burton massiv an Kreativit\u00e4t und Einfallsreichtum fehlen. Der Film zitiert so sehr andere Werke, dass es ihm an Identit\u00e4t mangelt. \u201eAddams Family\u201c kommt einem sofort in den Sinn, die Monstervielfalt gemahnt an \u201eFrankensteins Tante\u201c. Barnabas rezitiert selbst den f\u00fcrchterlichen Satz \u201eLiebe bedeutet, niemals um Verzeihung bitten zu m\u00fcssen\u201c aus \u201eLove Story\u201c. Mit Alice Coopers Auftritt deutet Burton selbst auf \u201eWayne&#8217;s World\u201c. Leute, die nach Jahrhunderten in den 70ern wieder aufwachen und sich arrangieren m\u00fcssen, kennt man aus Filmen wie \u201eLouis, der Giftzwerg\u201c. Und Vampirfilme kann heutzutage ja nun wirklich kein ernstzunehmender Kinog\u00e4nger mehr sehen, wenngleich nat\u00fcrlich das Vampirthema in \u201eDark Shadows\u201c nicht der Inhalt, sondern das Vehikel f\u00fcr den Inhalt ist<\/p>\n<p>Den vielen unterschiedlichen Figuren gibt Burton au\u00dferdem keine Zeit, sich zu pr\u00e4sentieren, weshalb sie einem bis zum Schluss v\u00f6llig egal sind. Die Charaktere bleiben stereotyp, bis auf die Psychologin, gespielt von Burtons Lebensgef\u00e4hrtin Helena Bonham Carter. Dadurch, dass der Film gleichsam eine dramatische Geschichte, diverse Gruselinhalte und Humor kombinieren will, zieht er keinen der Anteile konsequent genug durch. Und: Abgesehen vom 70er-Jahre-Soundtrack ist der Score von Danny Elfman wieder extrem kleisternd und nervig. Offen bleibt \u00fcbrigens, warum die Hexe, die man im emotionslos galoppierenden Prolog noch als Kind vorgestellt bekommt, ab einem bestimmten Punkt aufh\u00f6rt zu altern.<\/p>\n<p>So sind zwei Stunden \u201eDark Shadows\u201c zwar okaye Kinounterhaltung, aber ob man den Film ein zweites mal sehen will, ist fraglich. Nicht aus dem Ekelgrund wie bei \u201eSweeney Todd\u201c, sondern einfach, weil einem die Ideen zu banal sind, um sich ein zweites Mal an ihnen zu erfreuen. Die Wiedersehensfreude etwa bei \u201eCorpse Bride\u201c oder \u201eMars Attacks!\u201c h\u00e4lt bis heute an. F\u00fcr Oktober arbeitet Burton seinen Kurzfilm \u201eFrankenweene\u201c neu um \u2013 mal sehen, wie der wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (17.05.2012) Ensembleproduzent Tim Burton lenkt seine Subversivit\u00e4t in hollywoodtaugliche Bahnen. Diese Entwicklung war schon seit einer ganzen Weile zu beobachten, aber in \u201eDark Shadows\u201c wird sie am bisher deutlichsten. 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