{"id":9620,"date":"2026-10-01T18:22:14","date_gmt":"2026-10-01T16:22:14","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=9620"},"modified":"2026-10-01T18:27:00","modified_gmt":"2026-10-01T16:27:00","slug":"jonas-kolb-je-suis-berenice-deluxe-frohes-fest-1981-jonas-kolb-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/jonas-kolb-je-suis-berenice-deluxe-frohes-fest-1981-jonas-kolb-2026\/","title":{"rendered":"Jonas Kolb \u2013 Je suis Berenice (Deluxe)\/Frohes Fest 1981 \u2013 Jonas Kolb 2026"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Jonas-Kolb-Je-suis-Berenice-Deluxe.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"119\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Jonas-Kolb-Je-suis-Berenice-Deluxe.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9621\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Jonas-Kolb-Frohes-Fest-1981.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Jonas-Kolb-Frohes-Fest-1981.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9625\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von Matthias Bosenick (01.10.2026)<br><br>Mit zwei Ver\u00f6ffentlichungen tritt der Sch\u00f6ninger Jonas Kolb zur\u00fcck auf den Plan: Einmal bringt er das Industrial-Black-Metal-Album \u201eJe suis Berenice\u201c als \u201eDeluxe\u201c mit drei Zusatztracks neu heraus und dann k\u00fcndigt er mit \u201eFrohes Fest 1981\u201c ein makaberes Minialbum im Retro-Schlagersound an. Er wei\u00df, wie er seine H\u00f6rerschaft verst\u00f6ren kann, das macht er dann auch gern, doch sollte man das Ohr f\u00fcr die Musik dabei unbedingt ebenfalls riskieren \u2013 und offen sein f\u00fcr tiefschwarzen Horror-Humor.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein unglaublich sch\u00f6ner Anfang, mit sanften elektronischen Beats, einer akustischen Gitarre und dem klaren, tiefen, harmonischen Gesang, den man von Kolb kennt: \u201eDas Ende der Welt\u201c stellt den Auftakt des Albums, es klingt nach herbstlichem Neofolk, und w\u00e4hrend man sich wohlig in die Dunkelheit kuschelt, brettert Kolb auch schon wieder los, ebenfalls so, wie man es von ihm kennt, mit dem vertrauten \u201ePuppengott\u201c, nebenbei ein fr\u00fcheres Alter Ego Kolbs, als elektronischem Black-Metal-Gebr\u00fcll mit harmonischem Synthieteppich. Es folgt \u201eMutters fahle Bauchrede\u201c, mit einer riffenden Schreddergitarre, zu der Kolb murmelt, und wer nicht ganz ekelfest ist, sollte vielleicht nicht ganz so deutlich hinh\u00f6ren, denn wer ihn kennt, ahnt, dass es ans Eingemachte geht, an Familientraumabew\u00e4ltigung, an Todessehnsucht und \u2013 hier noch nicht, aber grunds\u00e4tzlich \u2013 an Religionskritik. \u201eMama blutet\u201c, stellt er danach keifend zum blackmetalartigen Kopfnicker fest, und man f\u00fcrchtet, dass das lyrische Ich dazu der Ausl\u00f6ser gewesen sein k\u00f6nnte.<br><br>Mit Berenice Leitners Beitrag zum Titelsong tritt ein ganz anderes Genre ins Album: Industrial, Dark Ambient, so etwas. Zu dunkelsten synthetischen Sounds und Stahlschl\u00e4gen br\u00fcllt sie Frust, Wut, Entt\u00e4uschung in den Raum, als Mischung aus Goethes Erben und Grossstadtgefl\u00fcster. In seiner wechselnden Intensit\u00e4t \u00fcbt der Song einen immensen Sog aus und knallt m\u00e4chtig um die Ohren. Man kennt die Wiener Autorin und Musikerin Leitner bereits aus Kolbs Umfeld, da sie mit ihm The Berenice Sound Project betrieb, und ist doch geneigt zu glauben, dass es sich dabei wiederum um eine der vielen Inkarnationen Kolbs selbst handelt.<br><br>Der Track \u201eJonas besucht das Krematorium\u201c unterbricht den Flow, dabei handelt es sich um einen bereits bekannten Quasi-Podcast mit dem titelgebenden Thema. \u201eIch will sterben, seit ich 17 bin\u201c, l\u00e4sst eine Frauenstimme zu Beginn von \u201eSingvogel\u201c wissen, einem d\u00fcster glockenschlagenden Dark-Ambient-St\u00fcck, zu dem Kolb im Wechsel mit der Stimme klagt. \u201eIn meinem Kopf lebt mietfrei eine riesengro\u00dfe Ente\u201c, sagt er, und man glaubt es ihm. \u201eIch kann die Sonne sehen\u201c, behauptet er anschlie\u00dfend in einem schleppenden Gothic-Track voller Drones und Fl\u00f6te, und das wiederum glaubt man ihm eher nicht. Oder besser: Man ahnt, welcher Art seine Sonne sein mag, schlie\u00dflich sagt die Frauenstimme, die auch im etwas k\u00fcrzeren und entschlackteren \u201eSingvogel V.2\u201c spricht: \u201eIch kenne einen Ausweg, der tut auch nicht weh.\u201c Damit endet dieses Album, und Hoffnung sieht anders aus.<br><br>Festzustellen ist, dass man eine Weiterentwicklung wahrnimmt. Zwar sind die Zutaten vertraut, doch wirken die St\u00fccke nun weniger auf den Effekt produziert als vielmehr auf ihre musikalische und k\u00fcnstlerische Wirkung hin. Auch wenn damit einiges an brutalstem Schrecken verlorengeht, erh\u00f6ht es doch den H\u00f6rgenuss, weil man sich auch, Unge\u00fcbte vielleicht lieber mit dezent angelegten Ohren, leichter in die Musik fallen lassen kann. Und das auch genie\u00dfen.<br><br>Uralter Schlager aus den F\u00fcnfzigern bildet die Soundgrundlage f\u00fcr \u201eFrohes Fest 1981\u201c, mit acht im Schnitt einmin\u00fctigen Miniaturen rund um sieben weiblich Benannte mit der achten Aufl\u00f6sung, es handele sich dabei um die \u201eM\u00e4dchennamen meiner Folterinstrumente\u201c. Kombiniert mit seiner sonoren Stimme klingt Kolb hier partiell wie Heino, der muntere Liedchen singt. Munter sind sie lediglich musikalisch, inklusive Bl\u00e4sereinsatz zum fr\u00f6hlichen Shuffle, denn so bilden sie den gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen Kontrast zum Inhalt. Jede dieser Frauenfiguren birgt n\u00e4mlich ein blutr\u00fcnstiges Innenleben, das Kolb hier in die gutgelaunt getr\u00e4llerten Beschreibungen einbettet und damit die H\u00f6rerschaft schwer schlucken l\u00e4sst.<br><br>Das alles ist genau so verr\u00fcckt, wie es sich liest. Naja, eigentlich ist es lustig, wenn man solchen Horror-Humor teilt. Kolb verspricht, \u201eFrohes Fest 1981\u201c als Vinyl herauszubringen, und schlie\u00dft seine Produktbeschreibung mit: \u201eBestellen Sie jetzt per Fax und die Schallplatte wird p\u00fcnktlich zur Bescherung neben der Schwiegermutter unterm Weihnachtsbaum liegen.\u201c Genau solcher Humor ist das hier.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (01.10.2026) Mit zwei Ver\u00f6ffentlichungen tritt der Sch\u00f6ninger Jonas Kolb zur\u00fcck auf den Plan: Einmal bringt er das Industrial-Black-Metal-Album \u201eJe suis Berenice\u201c als \u201eDeluxe\u201c mit drei Zusatztracks neu heraus und dann k\u00fcndigt er mit \u201eFrohes Fest 1981\u201c ein &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/jonas-kolb-je-suis-berenice-deluxe-frohes-fest-1981-jonas-kolb-2026\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,19,8],"tags":[],"class_list":["post-9620","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-album","category-download-stream","category-maxi-cd-ep"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9620","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9620"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9620\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9626,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9620\/revisions\/9626"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9620"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9620"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9620"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}