{"id":9617,"date":"2026-10-01T18:16:34","date_gmt":"2026-10-01T16:16:34","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=9617"},"modified":"2026-10-01T18:16:34","modified_gmt":"2026-10-01T16:16:34","slug":"betontod-wir-fangen-jetzt-erst-an-betontod-records-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/betontod-wir-fangen-jetzt-erst-an-betontod-records-2026\/","title":{"rendered":"Betontod \u2013 Wir fangen jetzt erst an \u2013 Betontod Records 2026"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Betontod-Wir-fangen-jetzt-erst-an.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Betontod-Wir-fangen-jetzt-erst-an.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9618\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von Guido D\u00f6rheide (30.09.2026)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Toten Hosen verabschieden sich und die \u2013 nach meiner Sch\u00e4tzung \u2013 ungef\u00e4hr 10 Jahre j\u00fcngeren Betontod aus Rheinberg in NRW \u201efangen jetzt erst an\u201c \u2013 und wie!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00c4\u00e4h \u2013 wie? Na mit \u201eAll die sch\u00f6nen Menschen\u201c, einem Rundumschlag gegen Korruption, Populismus und Volksverarschung. Und wie wir es von Betontod kennen, machen sie das nicht etwa irgendwie subtil, sondern mitten in die Fresse rein und leider frei von zitierbaren Stadionrockslogans, die Betontod so gut k\u00f6nnen. Dennoch leitet \u201eAll die sch\u00f6nen Menschen\u201c das Album gut ein, es gibt Ohoho-Chorges\u00e4nge, melodische Gitarrenriffs, die irgendwo aus dem Punk kommen, aber doch auch im Rock angekommen sind, eine Melodie, die nicht wehtut, und vor allem ein Schlagzeug, das mit einem Quantum Schmackes die Band munter vor sich hertreibt.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf \u201eDu killst mich\u201c \u00fcberrascht Oliver Meister mit einem Gesang, der irgendwo zwischen furchterregend und von tiefer Furcht erregt changiert und sich textlich dann Zweiterem zuwendet. Der Song handelt von Toxizit\u00e4t und Dennoch-nicht-rausk\u00f6nnen in bzw. aus einer Beziehung. Die furchterregend inszenierten Gesangsparts bringen die Gef\u00fchle und \u00c4ngste des Protagonisten\/der Protagonistin des Songs in be\u00e4ngstigender Art und Weise auf den Punkt, so hei\u00dft es dort zu Beispiel: \u201eDu bist der kalte Finger, angelegt an meiner Pumpgun, das frische Blut an meinem Messer hinter Dir im Wandschrank, Du bist der Anker, der mich am Boden h\u00e4lt, das Armageddon f\u00fcr meine kleine Welt.\u201c Und so geht es weiter in brutalen und dunklen Bildern, bis der Refrain dann durchaus stadiontauglich \u201eSag\u2019 mir, warum kann ich Dich nicht verlassen, kann ich nicht von Dir lassen? Sag\u2019 mir, warum ich Dich nicht hassen kann. Du killst mich irgendwann.\u201c Das ist dann wieder simpel, aber eing\u00e4ngig, gut verst\u00e4ndlich und mitsingbar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit \u201eEine letzte Runde\u201c schwingen sich Betontod dann wieder einmal mehr zu einer Melange aus den Santiano und den H\u00f6hnern des Punkrocks auf \u2013 ein Prosit auf die Freundschaft und auf die guten alten Zeiten inkl. \u201eD\u00f6p d\u00f6p d\u00f6p, d\u00f6d\u00f6d\u00f6d\u00f6 d\u00f6p d\u00f6p d\u00f6p d\u00f6p\u201c gleich zu Anfang der ersten Zeile \u2013 da simmer dabei, dat is prihiima! Auch ein Sportsfreunde-Schnuller\/Heinz-W\u00e4scher-m\u00e4\u00dfiges \u201esingen wir zusammen dieses Lied\u201c sei Betontod verziehen, sie bringen das einfach zu charmant r\u00fcber.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit \u201eAlles f\u00fcr den [nein nicht f\u00fcr den Dackel, sonder f\u00fcr den] Content\u201c k\u00f6nnen f\u00fcnf um die f\u00fcnfzigj\u00e4hrige Deutschpunkrocker eigentlich nur auf dem Bauch landen, denn es geht um dieses f\u00fcr unsere Generation immer noch suspekte Internetz aus Amerika (das sich m.E. ohnehin nicht durchsetzen wird) im Allgemeinen und Sozialmedia im Besonderen. Aber weit gefehlt, mit \u201eAlles f\u00fcr den Content, nichts f\u00fcr die Kunst\u201c wurde ein wieder einmal mehr mitsingtauglicher und nicht peinlicher Slogan gefunden, der das Anliegen der Band auf den Punkt bringt, ein 80er-Jahre-Keyboard unterst\u00fctzt die Gitarre und liefert zusammen mit dem teilweisen Vocoder-Gesang einen prima gestrigen Kontrast zu einem heutigen Thema. Und der aus Socialmediasprechfloskeln zusammengesetzte Spoken-Words-Einspieler gegen Ende des Songs ist witzig und zutreffend.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Betontod ist weder eine \u00fcbertrieben politische (aber sch\u00f6n im linken Spektrum und vor allem gegen Nazis verankerte) noch eine unpolitische Band, aber der Schwerpunkt liegt hier wie schon in der Vergangenheit auf dem Privatleben und den damit verbundenen Problemen und wie man sie l\u00f6sen kann. Mit Freundschaft, Menschlichkeit und sich gegenseitig supporten, nat\u00fcrlich: \u201eKeep calm and carry on\u201c handelt von Substanzengebrauch und Sucht, Ausweglosigkeit und am Ende dem Hoffnungsschimmer, dass ein neuer Tag kommt (dessen Tauglichkeit mit \u201eein neues letztes Mal\u201c gleich wieder infrage gestellt wird, Betontod sind eben nicht nur schwarz und wei\u00df (sie h\u00f6ren sich nur oft so an, was aber nicht weiter was macht), es gibt auch betonfarbene Schattierungen jeglicher Couleur).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eAn Deiner Seite\u201c ist dann ohne weiteres in der Lage, Fans von sagen wir mal Michael Holm und den Hosen miteinander zu vers\u00f6hnen, ohne die Santiano-Armee vor den Kopf zu sto\u00dfen. Hier jetzt Teile des Textes zu zitieren, w\u00fcrde l\u00e4cherlich r\u00fcberkommen, in einem St\u00fcck geh\u00f6rt und nach der zweiten Zeile blind mitgesungen funktioniert das Teil aber tats\u00e4chlich problemlos.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine f\u00fcr Betontodverh\u00e4ltnisse erstaunlich dada-m\u00e4\u00dfige Aneinanderreihung sozialkritischer Saufslogans findet sich dann auf \u201eDas sch\u00f6ne Leben ist vorbei\u201c: \u201eImmer mehr, mehr, mehr f\u00fcr Wenige und den Rest als faul verh\u00f6hnt.\u201c \u201eAn manchen Tagen hat es uns zum Strand von Mexiko getrieben \u2013 doch w\u00e4r\u2019n wir lieber mal in D\u00fcsseldorf geblieben.\u201c \u201eImmer lauter, leerer, h\u00e4rter \u2013 wir machen uns heut\u2019 richtig voll, mit einem Wild-wild-wild-Berry-Lillet, wir wollten nie nach S\u00fcdtirol\u201c \u2013 das ist ein Rundumschlag gegen vieles und das macht Spa\u00df beim Zuh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Danach nimmt das Album eine melancholisch-nachdenkliche Wendung, die ihm aber gut zu Gesicht steht: \u201eF\u00fcr Dich\u201c ist das Liebeslied eines Menschen, der sich selber als nicht einfach im Umgang einstuft: \u201eIch will Dich k\u00fcssen, wo auch immer Du grad steckst; will, dass Du wei\u00dft, dass ich ohne Dich verreck\u2019. Wie all die Blumen, die Du nie bekommen hast, an den Terminen, die ich wieder mal verpass\u2019\u201c \u2013 das klingt ehrlich und unbesch\u00f6nigend, musikalisch sehr sch\u00f6n in Szene gesetzt und Oliver Meister singt das Ganze so, dass man ihm abnimmt, dass es ihm leid tut. \u201eEs gibt 1.000 Gr\u00fcnde, mich zu hassen, jede and\u2019re w\u00fcrde mich verlassen, und das zu Recht.\u201c \u2013 so geht ehrliche, wahre Liebe auf Betontod-Art, der Text funktioniert und klingt gut, pathosfrei und wieder mal echt sch\u00f6n getextet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eWeltuntergang\u201c ist dann weder textlich noch musikalisch noch stimmlich \u00fcberzeugend, macht aber nichts, denn \u201eK\u00fcchentisch\u201c, getragen von einer akustischen Gitarre, vers\u00f6hnt uns hernach mit der Welt im Allgemeinen und Betontod im Besonderen: Hier liefert die Band einen hochgradig tollen Trauersong ab: \u201eK\u00fcchentisch\u201c r\u00fchrt zu Tr\u00e4nen, macht neugierig, was f\u00fcr ein Mensch der\/die Betrauerte gewesen sein mochte, und Oliver Meister zeigt, dass er auch \u00fcberzeugend gef\u00fchlvoll singen kann. \u201eVielleicht sind wir die Letzten\u201c besteht aus einem tollen Riff \u2013 simpel und effektiv \u2013 und einem Text, der den hoffentlich noch nicht endg\u00fcltig eingeleiteten Niedergang der Freiheit durch eine selbstgerechte politische Elite ohne Bodenhaftung an die Wand malt, hier zeigen Betontod auch mal, dass sie subtil ebenfalls k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eAbwesenheitsnotiz\u201c holt die H\u00f6renden dann wieder ein wenig raus aus der berechtigten Sorge um unser Land und die Welt: \u201eDu kannst uns hierbei ruhig vertrauen, man muss auch mal Schei\u00dfe bauen. Auch wenn Du denkst, das ist ein Witz, schreib folgendes in Deine Abwesenheitsnotiz: \u201aIhr k\u00f6nnt mich alle, alle, alle, alle mal am Arsch lecken. Behalte Dein Problem heut\u2019 mal f\u00fcr Dich, ob ich wiederkomme, wei\u00df ich nicht.\u2018\u201c Klingt wie die Quintessenz aus \u201eHals, Maul, Arsch, Gesicht\u201c und \u201eGl\u00fcck auf!\u201c (der 2006er Song mit der Hakenlinie \u201eWir m\u00fcssen aufh\u00f6r\u2019n, weniger zu trinken\u201c). Mit dem abschlie\u00dfenden Titelsong \u201eWir fangen jetzt erst an\u201c, der nach dem Titel des Albums benannt wurde, gibt es nochmal Pathos, Bengalos und \u2013 \u00fcberraschend \u2013 Klavier.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Betontod machen mehr Deutschrock (Was ist das \u00fcberhaupt? Im Fall von Betontod ist es Rock\u2019n\u2019Roll von Leuten, die ihre Instrumente gut und die deutsche Sprache als Ausdrucksmittel sogar unheimlich gut beherrschen) als Punk, haben aber was zu sagen und das machen sie besser als viele andere. Die Texte gefallen mir vom Handwerklichen her besser als vieles von DTH, und BTs Gesp\u00fcr f\u00fcr mitgr\u00f6hlbare Melodien ist faszinierend. Au\u00dferdem ist Maik Feldmanns Schlagzeug Weltklasse \u2013 auf Deutschpunkrockverh\u00e4ltnisse heruntergebrochen deutlich n\u00e4her an W\u00f6lli Rohde als an Vom Ritchie.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Guido D\u00f6rheide (30.09.2026) Die Toten Hosen verabschieden sich und die \u2013 nach meiner Sch\u00e4tzung \u2013 ungef\u00e4hr 10 Jahre j\u00fcngeren Betontod aus Rheinberg in NRW \u201efangen jetzt erst an\u201c \u2013 und wie! \u00c4\u00e4h \u2013 wie? 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