{"id":9588,"date":"2026-09-22T20:26:23","date_gmt":"2026-09-22T18:26:23","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=9588"},"modified":"2026-09-22T20:26:23","modified_gmt":"2026-09-22T18:26:23","slug":"de-staat-de-staat-v2-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/de-staat-de-staat-v2-2026\/","title":{"rendered":"De Staat \u2013 De Staat \u2013 V2 2026"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/De-Staat-De-Staat.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/De-Staat-De-Staat.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9589\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von Matthias Bosenick (22.09.2026)<br><br>20 Jahre De Staat! Das feiert die Band aus Nijmegen mit ihrem siebten Studioalbum, einem Konzeptalbum, das sie nach sich selbst benennt und das sowohl folglich als auch thematisch passend \u201eDe Staat\u201c hei\u00dft. In Zeiten globaler Katastrophen jeglicher Art f\u00e4llt die ironische Betrachtung aller Umst\u00e4nde hier ernsthafter aus. Der von tiefen Synthies getriebene Indierock des Quintetts bekommt eine soulige Schlagseite und musikalisch sehr viele Fassetten. Damit sperren sich De Staat wie immer dagegen, einer Schublade zugeordnet zu werden, und das auf einem sogar stetig wachsenden Niveau.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit der dramatischen Single \u201eThe King\u201c beginnt das Album, martialisch, monarchisch, mit abgehackten Effekten inmitten der Klimax und einem stark knarzenden Abgang. \u201eThe king is dead\u201c, singt Torre Florim, und das kann man eindeutig h\u00f6ren. Hier wird direkt klar, dass es sich bei \u201eDe Staat\u201c nicht um eine Partyplatte handelt. Der dreigeteilte Vorg\u00e4nger \u201eRed\/Yellow\/Blue\u201c hatte noch explosive Anteile, die setzt die Band hier fokussierter ein. Wer De Staat \u00fcberhaupt erstmals h\u00f6rt, wundert sich, wie wenig Rock in so einer Rockmusik stecken kann, und dass die Band ihre krassen, wuchtigen Sounds nicht mit Saiteninstrumenten generiert, die sie durchaus einsetzt, sondern mit vorrangig tief gespielten Synthies und Keyboards, jedoch nicht nach Art des Synthiepop, eher schon nach der mancher Techno-Spielarten, ohne indes auch nur ansatzweise technoid zu sein, oder nach Art des Industrial, ohne dessen komplett kompromisslose H\u00e4rte und Brachialit\u00e4t. Dem Techno steuert auch das Schlagzeug entgegen, das in seiner Dynamik die Organik der Band belegt. Vielmehr bekommt man die dunklen, wuchtigen Synthies, die man vom Hit \u201eKitty Kitty\u201c kennt, hier in neuen Kontexten unterbreitet. \u201eThe King\u201c ist der erste davon.<br><br>Im Verlauf des Albums stellt sich heraus, dass De Saat hier eine Menge mehr Soul integrieren als zuvor. Torre Florim, dessen Soloprojekt De Staat vor 20 Jahren noch war, bis er f\u00fcr Liveauftritte eine Band um sich sammelte, bringt den Soul mit seiner Stimme ein, die in manchen Songs in ungeahnte H\u00f6hen dringt, w\u00e4hrend er in anderen das tut, wof\u00fcr man ihn so liebt: predigen. Um Songs dieser Art besser verstehen zu k\u00f6nnen, lohnt es sich, die Band live zu sehen oder deren spektakul\u00e4re Videos im Internetfernsehen anzugucken. Florim wirkt wie ein schlechtgelaunter, geh\u00e4ssiger, b\u00f6ser Mann im leicht kuriosen Anzug, der irgendetwas vermittelt oder verlangt, bei dem man sich nicht sicher ist, ob man damit einverstanden ist, aber sich aufgrund seiner packenden Ausstrahlung zu allem bereiterkl\u00e4rt. Man k\u00f6nnte ihn glatt als Theaterdarsteller durchgehen lassen, und das tut der Band nicht nur gut, sondern bildet gar ein Alleinstellungsmerkmal.<br><br>Man nimmt, wie angedeutet, auf \u201eDe Staat\u201c wahr, dass sich der Grundton ins Ernsthaftere entwickelt hat, bei aller Ironie. Bestes Beispiel daf\u00fcr ist gleich der zweite Song, ebenfalls eine Single: \u201eThe Fire\u201c ist oberfl\u00e4chlich ein gutgelaunter synthetischer Glamrock, tats\u00e4chlich aber eine b\u00f6se Weltlagebetrachtung, dabei fies catchy, dass sie einem nie wieder aus dem Kopf geht. Beim H\u00f6ren stellt man au\u00dferdem fest, dass der Eindruck des k\u00fcnstlich Synthetischen, das beim ersten H\u00f6ren des Vor-Vorg\u00e4ngeralbums \u201eBubble Gum\u201c noch abschreckte, hier verschwindet; die Kompositionen sind besser, die Arrangements erwachsener; eigentlich l\u00f6st \u201eDe Staat\u201c endlich das Versprechen von \u201eKitty Kitty\u201c ein, der grandiosen Single, die \u201eBubble Gum\u201c 2018 vorausging.<br><br>Seine Inkarnation als Prediger l\u00e4sst Florim in \u201eGlory\u201c, einer weiteren Single, am deutlichsten heraus. Der Titel verr\u00e4t\u2019s, es hat etwas Sakrales, und auch im Video dazu geb\u00e4rdet sich der S\u00e4nger pastoral an einer Kanzel, dabei so \u00fcberzeugend, dass man ihm einen Satz Bibeln einer omin\u00f6sen Sekte abkaufen m\u00f6chte, nicht egal welcher, am besten seiner. Der Song ist ein Hip-Hop-Kopfnicker mit Gospelchor, zu dem Florims Art zu Skandieren bestens passt. Man m\u00f6chte den ganzen Tag dazu tanzen.<br><br>Das ganze Album steckt voller H\u00f6hepunkte. Ausz\u00fcge: Ausgerechnet \u201eThe Noise\u201c ist keiner, sondern startet mit einem Ambient-Intro und wird dann eine geshuffelte Uptempo-Nummer. \u201eThe Boy\u201c ist ein Blues mit merkw\u00fcrdigen, weil synthetischen Einspielern. Am deutlichsten Rockmusik ist \u201eThe Man\u201c, ein repetitives St\u00fcck, zu dem Florim \u201efuck around and find out\u201c bellt. M\u00e4nner! \u201eThe Matter\u201c wiederum ist ein beinahe kunstvoller Achtzigerpop.<br><br>Macht, Manipulation, Fehlinformation und Autokratie sind die Themen von De Staat auf \u201eDe Staat\u201c, also dringliche Anliegen, die die Band auch dringlich in Musik umsetzt. Kein Wunder, dass es so viel ernsthafter klingt. Das steht der Band ausgezeichnet \u2013 nach dieser LP f\u00e4llt es noch leichter, De Staat zu lieben. Zum Gl\u00fcck fand S\u00e4nger und Gitarrist Florim seinerzeit vier Musiker, die seine Ideen mittragen, und seit 2008 seine Visionen in Musik umsetzen. Das sind: Gitarrist Vedran Mircetic, Bassist, Keyboarder und Co-S\u00e4nger Jop van Summeren, Synthie- und Keyboardspieler sowie Co-S\u00e4nger Rocco Hueting und Schlagzeuger Tim van Delft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (22.09.2026) 20 Jahre De Staat! Das feiert die Band aus Nijmegen mit ihrem siebten Studioalbum, einem Konzeptalbum, das sie nach sich selbst benennt und das sowohl folglich als auch thematisch passend \u201eDe Staat\u201c hei\u00dft. 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