{"id":9584,"date":"2026-09-21T20:58:21","date_gmt":"2026-09-21T18:58:21","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=9584"},"modified":"2026-09-21T20:58:21","modified_gmt":"2026-09-21T18:58:21","slug":"exp-exp-reptilian-records-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/exp-exp-reptilian-records-2026\/","title":{"rendered":"Exp \u2013 Exp \u2013 Reptilian Records 2026"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Exp-Exp.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Exp-Exp.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9585\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von Matthias Bosenick (21.09.2026)<br><br>Wenn man zu Betriebszeiten einer Band bereits eine Art Kultstatus innerhalb seiner Fangemeinde einnimmt, ist es vielleicht das Beste, einfach aufzuh\u00f6ren, neue Projekte zu gr\u00fcnden und damit potentiellen Entt\u00e4uschungen vorzugreifen. Bei Fugazi klappt das vorz\u00fcglich, bei Cop Shoot Cop ebenso, und so kann jeder Beteiligter in neuen Bands nach Belieben das machen, was den Ruf der vermeintlichen Kultband m\u00f6glicherweise angekratzt h\u00e4tte. Bei Exp (oder EXP) handelt es sich um ein weiteres dieser Projekte aus New York, an denen versierte Leute aus dem weiten Feld des Noise Rock beteiligt sind. Schwierig zu googlen, das Deb\u00fct hei\u00dft wie die Band \u2013 und die Musik ist definitiv ungew\u00f6hnlich, weil zun\u00e4chst unerwartet gew\u00f6hnlich.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hat man die Cop-Shoot-Cop-Nachfolger Firewater und insbesondere Human Impact vor Ohren, erhofft man sich von Exp eine wuchtige, strukturbefreite L\u00e4rmmusik, die hochansteckend die H\u00f6rerschaft in die Lautsprecher saugt. Umso verst\u00f6render ist, dass das Dutzend Songs auf \u201eExp\u201c beginnt wie \u2013 klassische Rockmusik. Bisschen David Bowie, bisschen Neil Young, etwas rauher, also Songs, die einer vertrauten Struktur folgen, mit hymnisch-wiedererkennbaren Melodien, interessanten Einsch\u00fcben und einer Unangepasstheit h\u00f6chstens darin, dass die Band auch auf kleinem Raum zu gniedeln wei\u00df. An den irgendwie sperrigen Gesang muss man sich zun\u00e4chst gew\u00f6hnen.<br><br>So geht das zwei Songs lang, dann versucht sich die Band mit \u201eIsle Of Skye\u201c in milder Folklore, mit sch\u00f6nen Fl\u00e4chen und heimeliger Melodie. Von hier an bricht die Songstruktur etwas auf: Noch einmal rockt die Band wie Neil Young in den Neunzigern, man hat f\u00f6rmlich den geb\u00fcckten, seinen Arm in Richtung B\u00fchnenboden schrammelnden Gitarristen vor Augen, dessen Flanellhemd in den Saiten zerfetzt, da beginnen Exp auch schon, ihre rauhe Dreckigkeit in eine neue Reihe zu legen, auf Strukturen zu pfeifen und die Songs, die durchaus weiterhin solche bleiben, etwas aus ihrer \u00fcblichen Klammer zu befreien. Den Groove bringen Exp darin ebenso unter wie melodische Drones, repetitive Loops, angemessene Schr\u00e4gheiten oder sonstige Effekte auf dem Instrumentarium. Und irgendwann f\u00e4llt auch gar nicht mehr auf, dass man die Stimme zun\u00e4chst f\u00fcr zu sperrig hielt \u2013 der Rest passt sich dieser Sperrigkeit einfach wundervoll an.<br><br>Ein Song wie \u201eToo Far Gone\u201c k\u00f6nnte auch von Tom Waits sein: Die Band vollf\u00fchrt einen eing\u00e4ngigen, trunkenen Loop, der Gesang dazu skandiert rauh und durstig irgendetwas, das den Titel beinhaltet. \u201eArmagedinstructionals\u201c greift das Wesen von Tom Waits auf, nur langsamer, mit etwas mehr Neigung in Richtung Dr. John vielleicht, also leicht sumpfig, mit Shaker, klickernder Snare und nervengniedelnder Gitarre. Derer zwei wetteifern in der Ballade \u201eCecil\u2019s Room\u201c um die Lufthoheit. In \u201ePlague\u201c darf der Schlagzeuger gelegentlich mal ausbrechen und st\u00fcrmische Fills loslassen, w\u00e4hrend eine Geige und eine Gitarre T\u00f6ne absondern, die einem von Pere Ubu bekannt vorkommen. In h\u00f6chsten T\u00f6nen gniedelnd verabschieden sich Exp mit \u201eStrange Fluctuations\u201c, das dem erwarteten Industrial der Swans oder von Human Impact am n\u00e4chsten kommt, ohne ihm nahe zu kommen, denn der wuchtige Beat fehlt, hier besteht alles aus Ger\u00e4usch und Gesang; die Nastie Band klingt hier entfernt an. Ein w\u00fcrdiger Abschluss f\u00fcr eine Platte, von der man derlei mehr erwartet h\u00e4tte und die einen stattdessen mit anderen Dingen versorgt.<br><br>So neu ist das Projekt auch wieder nicht mehr: Der \u00e4lteste Song auf der Exp-Bandcamp-Seite ist aus dem Jahr 2022. Jener \u201eShots Fired\u201c sowie die beiden folgenden \u201eLatitude Zero\u201c und \u201eInto The Continuum\u201c fanden nicht den Weg aufs Album, die f\u00fcnf Folge-Singles hingegen schon. Gottlob. Initiatoren der Band \u2013 auf Bandcamp eher ein \u201eMultimediaprojekt\u201c \u2013 sind die Eheleute Jack \u201eJ.\u201c Natz mit Bass und Gesang und A.E. Csaky, nur echt ohne vollst\u00e4ndige Vornamen, an Gitarre und Synthies. Weitere Experten sind hier: An den Schlagzeugen Phil Puleo und \u201eBloody\u201c Rich Hutchins, mit Geige, Synthie und Piano Annabel Lee sowie an der weiteren Gitarre Stuart \u201eStu Art\u201c Gray \u201eSpasm\u201c. Simmerbei: Cop Shoot Cop, Life Skull, Missing Foundation, Lubricated Goat, The Beasts Of Bourbon, Blood Axis, Amber Asylum, Swans, Human Impact, um nur die bekanntesten aufzuz\u00e4hlen. New Yorker Subkultur in Reinselbiger, plus irgendwas zwischen Kalifornien und Australien.<br><br>Bl\u00f6d gew\u00e4hlt ist lediglich der Name Exp: Bei Discogs ist die Band gleich zweimal gelistet, als Exp (11) und Exp (12), und selbst, wenn man nach Exp \u2013 \u201eExp\u201c googelt, ist dieses Album nicht gleich das erste Suchergebnis. Sei\u2019s drum. So richtig ultimativ fetzig ist die Musik bedauerlicherweise auch nicht, die gestellten Erwartungen erf\u00fcllt es nicht, man h\u00e4tte sich mehr Kompromisslosigkeit gew\u00fcnscht, aber das, was man kriegt, l\u00e4sst heraush\u00f6ren, dass die Beteiligten richtig Bock hatten und sich um eben gar keine Erwartungen scheren, was ja auch wieder sch\u00f6n ist. Das sehr limitierte Vinyl gibt\u2019s in bunt, als \u201eTiger\u2019s Eye Pressing\u201c, und in Europa exklusiv via Sounds Of Subterrania in Hamburg. Ach, und parallel stellt Tod A, ehemals S\u00e4nger von Cop Shoot Cop, nach 14 Jahren Pause mit \u201eLife During Wartime\u201c, im Original von den anderen New Yorkern Talking Heads, den ersten neuen Song seiner Band Firewater vor.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (21.09.2026) Wenn man zu Betriebszeiten einer Band bereits eine Art Kultstatus innerhalb seiner Fangemeinde einnimmt, ist es vielleicht das Beste, einfach aufzuh\u00f6ren, neue Projekte zu gr\u00fcnden und damit potentiellen Entt\u00e4uschungen vorzugreifen. 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