{"id":9537,"date":"2026-09-10T20:33:25","date_gmt":"2026-09-10T18:33:25","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=9537"},"modified":"2026-09-10T20:39:12","modified_gmt":"2026-09-10T18:39:12","slug":"was-guido-gehoert-hat-im-juli-2026-teil-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/was-guido-gehoert-hat-im-juli-2026-teil-3\/","title":{"rendered":"Was Guido geh\u00f6rt hat\u2026 im Juli 2026 \u2013 Teil 3"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Was-Guido-im-Juli-gehoert-hat_Teil3.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"120\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Was-Guido-im-Juli-gehoert-hat_Teil3.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9538\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von Guido D\u00f6rheide (10.09.2026)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><strong>Motionless In White \u2013 Haken \u2013 The Hu \u2013 Charli XCX \u2013 Ariana Grande<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das hier ist dann auch der letzte Teil der Juli-Kolumne. Mehr habe ich im Juli nicht geh\u00f6rt. Reicht ja aber auch.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Motionless<\/strong> <strong>I<\/strong><strong>n White \u2013 Decades \u2013 Roadrunner Records 2026<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ja hui, das hier geht ganz schnell: Motionless In White aus Pennsylvanien in den Vereinigten Staaten von Amerika machen seit 2004 Metalcore, eine Musikrichtung, mit der ich mich schwer tue, meistens wegen des stadionorientierten Klargesangs in den stadionorientierten Klargesangsphasen, die diese Musikrichtung f\u00fcr mich ausmachen. Ich wei\u00df, ich wiederhole mich, aber ich entbl\u00f6de mich auch nicht, zu sagen, das Chris \u201eMotionless\u201c Cerulli seinen Job echt gut macht. Er kann screamen, er kann klar singen, ohne mich zu nerven, und die Musik dazu ist echt gut. Im Hintergrund spielen oft superfreakige Elektrosounds munter vor sich hin, das Schlagzeug ballert mit viel Energie und die Gitarrenriffs kriegen mich meistens auf Anhieb. Probleme habe ich mit \u201eR.I.P.\u201c, das MiW zusammen mit Skylar Grey aufgenommen haben: Weder Frau Greys Gesang noch Herrn Motionless\u2019 \u201egef\u00fchlvoller\u201c Schmachtgesang hauen mich bei dieser, \u00e4hem, Metalcoreballade von den Socken, die schnelleren und teilweise beinahe industriell ratternden St\u00fccke mag ich deutlich lieber. Im Gro\u00dfen und Ganzen ist \u201eDecades\u201c ein Album, das mir Spa\u00df macht beim H\u00f6ren, und das mir zeigt, dass ich Metalcore nicht g\u00e4nzlich unh\u00f6rbar finde. Auf \u201eFight Like Hell\u201c ist Chris Cerulli zwischendurch sogar mal am Rappen, und ich mag es.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Haken \u2013 In<\/strong> <strong>A<\/strong> <strong>Fever Dream EP \u2013 Inside Out Music 2026<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Haken aus London haben sich dem Progressive Metal verschrieben und ich stecke sie gerne in eine gemeinsame Kiste mit TesseracT aus Milton Keynes, vermutlich, weil ich bei beiden Bands mit dem Gesang nicht so recht warm werde und beide eine in meinen Augen artverwandte Art von Progressive Metal spielen. Nicht so wie Mastodon, sondern sehr englisch mit Djent und filigranen Melodiespielereien.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hakens aktuelle EP tr\u00e4gt sehr dazu bei, dass ich mit Ross Jennings\u2019 Gesang meinen Frieden mache. Ich finde hier nichts auszusetzen: Der Titelsong mit dem Namen \u201eIn A Fever Dream\u201c, nach dem Haken anscheinend die EP benannt haben, da sie seinen Namen tr\u00e4gt, ist Midtempo, aber sch\u00f6\u00f6n hart, teilweise djentig, und Jennings singt zumeist sehr sch\u00f6n klar, schickt sich aber dann und wann an, so richtig b\u00f6\u00f6se loszugrowlen, was ich auf das Entschiedenste begr\u00fc\u00dfe. Melodisch und songwriterisch liefern Haken hier etwas richtig Gro\u00dfes ab, Pathos trifft Detailverliebtheit trifft Spannungsaufbau trifft musikalisches K\u00f6nnen und trifft mich vor allem so richtig mitten in die Fresse rein. Dazu noch Chorgesang im Abspann und zwischendurch. So Was Sch\u00f6nes!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eDelirium\u201c startet richtig giftig, unverst\u00e4ndliche Ch\u00f6re singen, das Schlagzeug klingt bedrohlich, dann wartet Ross Jennings voller Schmackes mal wieder mit einer bet\u00f6renden Melodie auf. Dazu Gitarre, Bass und kreischende Synths, die sich aber sehr im Hintergrund halten; das ist Metal, der irgendwie nicht typisch, aber dennoch vertraut klingt und an allen Ecken und Kanten mit Details aufwartet, die das genaue Hinh\u00f6ren lohnend machen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eEclipsed By You\u201c startet dann mit einem Gitarrenintro, das eigentlich auf einem Cembalo gespielt geh\u00f6rt haben w\u00fcrde, und Jennings singt hektisch-neurotisch, wie ich es jetzt nicht erwartet hatte. Dann wird der Gesang ruhiger und entspannter, ab Minute 1:20 brummt der Bass und klappert das Schlagzeug, Jennings singt durch einen Vocoder oder mit Autotune oder was wei\u00df ich, auf jeden Fall passt es gut in den Song hinein. Das wirkt ein wenig wie die Ruhe vor dem Sturm, und ebendieser bricht dann kurz vor Ende auch los, aber sehr kontrolliert und die Melodie nicht au\u00dfer Acht lassend. H\u00f6ren Sie hier, liebe H\u00f6renden, mal konzentriert auf das Schlagzeug, Sie werden es lieben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eBleeding Sky\u201c startet mit verfremdeten Lauten, die (nein, nicht von einer Laute) entweder aus der Gitarre oder aus einem Synth entspringen, ich vermag es nicht genau zu sagen. Jennings sorgt wieder einmal mehr f\u00fcr sch\u00f6ne Melodien, zwischendurch wird es mal kurz laut, aber nicht schnell, die irgendwie elektronisch leicht verfremdete Gitarre macht Djent, dann wird es wieder ruhiger, im Hintergrund pluckert irgendeine Elektronik, dann nochmal lauter und dann ein elektronisches Outro samt Vogelgezwitscher und dann Schluss.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das die EP beschlie\u00dfende \u201eLotus\u201c ist mit knapp Siemenhalbminuten der l\u00e4ngste Song, und Haken geben ihm Zeit, sich langsam aufzubauen. Das \u201eOut In A Fever Dream\u201c-Motiv des Titelsongs wird wieder aufgegriffen, auch melodisch \u00e4hnelt der Closer dem Opener, auch hier wird wieder zwischendurch gegrowlt, w\u00e4hrend die Gitarre warme und dennoch irgendwie leicht kreischende T\u00f6ne von sich gibt, das Schlagzeug rattert und Jennings\u2019 Gesang verhindert, dass es jetzt irgendwie hektisch klingt. Wenn ich nicht w\u00fcsste, dass ich damit im Taumel des euphorischen Augenblicks schwer \u00fcbertreiben w\u00fcrde \u2013 ich t\u00e4te behaupten, dass diese, knapp halbst\u00fcndige EP Hakens bisher beste Ver\u00f6ffentlichung ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>The Hu \u2013 HUN \u2013 Better Noise Music 2026<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Oh Hammer, wieviel Schlechtes respektive Ern\u00fcchterndes musste ich im Vorfeld \u00fcber \u201eHUN\u201c von The Hu lesen. Schmei\u00dfen sich die ewigen Kritiker:innenlieblinge aus der Mongolei jetzt dem Mainstream an den Hals und verw\u00e4ssern und verraten alles, f\u00fcr was sie bisher zu stehen imstande gewesen sind? Na komm, irgendwann muss jeder Lieblingshype mal Federn lassen. Hm? H\u00e4h? Oder? Oder nicht?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber auch hier wird nur mit Wasser gekocht, bzw. nicht so hei\u00df gegessen, wie es herausschallt: Bitte, liebe Lesenden, einfach mal das erste St\u00fcck \u201eWarrior Chant\u201c anh\u00f6ren und vergewissert sein, dass The Hu nicht verlernt haben, die Musik zu machen, f\u00fcr die wir sie zu lieben gelernt haben: Das Schlagzeug gibt einen kriegerischen Takt vor, die Pferdekopfgeige ist nach wie vor sehr pr\u00e4sent und Galaa, Enkush und Yaya praktizieren immer noch den das Auditorium spaltenden Kehlkopfgesang. Monotonei in der Mongolei, allet jut und alles beim Alten, gl\u00fccklicherweise. Auf dem darauf folgenden \u201eLost Soul\u201c biedern sich The Hu dann zusammen mit Jonny Hawkins von Nothing More f\u00fcr mein bescheidenes Daf\u00fcrhalten ein wenig zu viel beim westlich orientierten Mainstream an. Das Resultat ist aber nicht durchweg Kacke \u2013 im Gegenteil, der Kontrast aus Hawkins\u2019 Gesang und dem Gegr\u00f6hle der Mongolen hat durchaus Charme, der Song hat Schmackes und ist eing\u00e4ngig wie Sau. Also alles richtig gemacht, es muss ja nicht jeder m\u00f6gen. Live stelle ich mir \u201eLost Soul\u201c als apselute Abrissbirne vor, zumal ja Jonny Hawkins nicht bei jedem The-Hu-Konzert als Gaststar mit von der Partie sein und das kehlige Gegr\u00f6hle der drei mongolischen S\u00e4nger also nicht jedes Mal verw\u00e4ssern k\u00f6nnen wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">The Hu bleiben sich auf \u201eHUN\u201c treu und liefern wieder einmal mehr ihre wunderbare Mischung aus mongolischer Folklore und eigenst\u00e4ndigem Metal ab \u2013 besser geht Folk Metal eigentlich nicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Charli XCX \u2013 Music, Fashion, Film \u2013 Atlantic 2026<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach dem der \u201eBrat summer\u201c 2024, als Charli XCX unter anderem die Pr\u00e4sidentschaftskandidatur von Kamala Harris unterst\u00fctzte und damit ein ganz eigenes, energiegeladenes Lebensgef\u00fchl schuf, durch das auf einmal alles m\u00f6glich schien, infolge des wiederholten Triumphs des bigotten bernsteinfarbenen Brechmittels in der Pennsylvania Avenue 1600 leider auf ein Minimalma\u00df zusammengestaucht wurde, bef\u00fcrchtete ich zun\u00e4chst, dass die gro\u00dfartige englische K\u00fcnstlerin aus Cambridge erstmal \u00e4hnlich in der Versenkung verschwinden k\u00f6nnte wie ihre kalifornische Brat Sister von der Demokratischen Partei.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber weit gefehlt \u2013 mit \u201eMusic, Fashion, Film\u201c meldet sich Charli nach dem wundersch\u00f6nen und unter anderem von John Cale bereicherten \u201eWuthering Heights\u201c-Soundtrack aus diesem Februar lautstark zur\u00fcck. Das aktuelle Album besteht aus Pop, Elektronik, Rock und Charlis energiegeladenem und dennoch immer latent gelangweilt klingendem Gesang. Allein das Cover-Artwork mit John Cale, Marc Jacobs und Martin Scorsese in Schwarzwei\u00df ist Weltklasse, die Musik auf dem Album ist es ebenfalls. 30 Minuten genresprengende Popmusik und Kurzeweile \u2013 und dann noch das abschlie\u00dfende \u201eNo One Lasts Forever\u201c mit erstmal monotonem Gesang von Charli und dann einem vom kanadischen Filmregisseur David Cronenberg (Warum ist dann eigentlich Scorsese auf dem Cover abgebildet und nicht Cronenberg?) vorgetragenen Sprechtext, der in einer endlos verlorenen Wiederholung von \u201eThey are dead, they are gone, no one lasts forever\u201c endet. Und nun hoffe ich, dass sich Kamala Harris sich ein Vorbild an Charli nimmt und weder dead noch gone sei und irgendwann forever (oder zumindest f\u00fcr zwei Amtszeiten) lasten m\u00f6ge. Verdient h\u00e4tte sie es allemal.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ariana Grande \u2013 Petal \u2013 Republic Records 2026<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir bleiben im Pop verhaftet, wenn auch nicht so schmackesgeladen wie bei Charli XCX oder so originell wie bei Olivia Rodrigo (siehe dazu meine Juni-Kolumne): Auch Ariana Grande hat heuer ein neues Album auf dem Markt, und es ist echt gut. Frau Grande bringt mich, der ich geschmacksm\u00e4\u00dfig erst von Gothic und Alternative \u00fcber Metal, Folk, Singer\/Songwriter, Grunge, Jazz und waswei\u00dfichnoch erst den Weg zum \u201ereinen\u201c Pop (und jahaa \u2013 ich wei\u00df, das Pop eigentlich keine Musikrichtung ist \u2013 wenn die fr\u00fchen Einst\u00fcrzenden Neubauten von fast allen Menschen gefeiert worden w\u00e4ren, w\u00e4re \u201eKollaps\u201c jetzt Pop) gefunden habe, nicht so vollkommen zum Ausrasten, die Musik auf \u201ePetal\u201c w\u00fcrde ich tats\u00e4chlich wider besseren Wissens als \u201eeinfach nur Pop\u201c beschreiben, aber ein Refrain wie \u201eYeah, I, I, I hate that I made you love me, sorry if I made me your type. Yeah, I, I hate that I made you love me, \u2018cause I barely tried\u201c auf \u201eHate That I Made You Love Me\u201c hat schon Tiefe, finde ich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Guido D\u00f6rheide (10.09.2026) Motionless In White \u2013 Haken \u2013 The Hu \u2013 Charli XCX \u2013 Ariana Grande Das hier ist dann auch der letzte Teil der Juli-Kolumne. Mehr habe ich im Juli nicht geh\u00f6rt. Reicht ja aber auch.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,35],"tags":[],"class_list":["post-9537","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-album","category-was-guido-sonst-noch-gehoert-hat"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9537","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9537"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9537\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9540,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9537\/revisions\/9540"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9537"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9537"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9537"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}