{"id":9496,"date":"2026-08-30T21:57:45","date_gmt":"2026-08-30T19:57:45","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=9496"},"modified":"2026-08-30T21:57:45","modified_gmt":"2026-08-30T19:57:45","slug":"mastodon-marrow-deep-loma-vista-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/mastodon-marrow-deep-loma-vista-2026\/","title":{"rendered":"Mastodon \u2013 Marrow Deep \u2013 Loma Vista 2026"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Mastodon-Marrow-Deep.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Mastodon-Marrow-Deep.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9497\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von Guido D\u00f6rheide (30.08.2026)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mastodon liegen mir unter allen Metalbands, die ausschlie\u00dflich Klargesang einsetzen, besonders am Herzen. Hier vermischen sich harter Rock, Sludge, Jazz, klassischer Heavy Metal und Progressive Metal auf eine Art und Weise, wie ich es sonst nur entfernt \u00e4hnlich bei Baroness erlebe. 2025 war ein hartes Jahr f\u00fcr die Band aus Atlanta, Georgia, US of A: Im M\u00e4rz verlie\u00df mit Brent Hinds nicht nur einer von Mastodons damals drei S\u00e4ngern und zwei Gitarristen, sondern mit seiner holzf\u00e4llerartigen Erscheinung und seinen zwischen streitbar und erratisch schwankenden Statements (\u201eI fucking hate Heavy Metal\u201c\/\u201eA shit band with horrible humans\u201c) auch sowas wie das Gesicht Mastodons die Band. Im November starb Hinds in Folge eines Motorradunfalls. Ein danach erschienenes Interview mit der Band zeichnet das Bild eines psychisch schwer angeschlagenen Menschen mit einem massiven Suchtproblem, mit dem auszukommen in etwa so leicht gewesen sein musste wie mit Ginger Baker in n\u00fcchternem Zustand. Die Geschichte der Band w\u00e4re ohne Hinds und mit dem neuen Leadgitarristen Nick Johnston und dem jetzt fest zur Band geh\u00f6renden Tourkeyboarder Jo\u00e3o Nogueira (bekannt und beliebt aus keiner geringeren Band als The Claypool Lennon Deririum!!!) ohnehin weitergegangen, aber Hinds\u2019 Tod markiert einen nochmals tieferen Einschnitt als sein blo\u00dfer Rauswurf und macht \u201eMarrow Deep\u201c zu einem Album, auf dem nicht nur die Erwartung, Mastodon k\u00f6nnen musikalisch \u00e4hnlich eindrucksvoll weitermachen als zuvor, sondern auch, dass sie Hinds ein angemessenes Denkmal errichten, lastet.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und f\u00fcrwahr \u2013 beides ist der Band gelungen. \u201eMarrow Deep\u201c reiht sich eindrucksvoll in eine an eindrucksvollen Momenten nicht eben armen Diskografie ein, und wir erinnern uns: Bereits \u201eCrack The Skye\u201c aus 2009 war ein Traueralbum, auf dem die Band neben anderen Themen den Tod der Schwester des Schlagzeugers Brann Dailor, Skye Dailor, die Jahre zuvor im Teenageralter Suizid begangen hatte, musikalisch verarbeitete. Trauer in Musik umzusetzen ist bestimmt nicht leicht und w\u00fchlt immer viel Schmerz auf, und Mastodon schaffen es, ihre H\u00f6rer:innen an diesem Schmerz teilhaben zu lassen, ihn authentisch in Musik zu fassen und am Ende Hoffnung zu verbreiten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schlagzeuger Brann Dailor und Bassist Troy Sanders als verbliebene S\u00e4nger machen wieder einen verdammt guten Job: Gleich auf dem Opener \u201eBarbarians Blood\u201c, der das Album als erster Song auf Seite 1 er\u00f6ffnet, zeigen die beiden, wie pr\u00e4chtig sie sich erg\u00e4nzen. Der Song startet mit dem von Sanders gesungenen Refrain, danach folgt die erste Strophe, von Dailor gesungen. Sanders\u2019 Gesang findet weiter hinten im Hals statt als der von Dailor und verstr\u00f6mt ein ganz eigenes Sludge-Flair. Wenn Buzz Osborne und Steven McDonald von den Melvins mal beide keine Zeit haben, k\u00f6nnten sie einfach Troy Sanders als Ersatz verpflichten. Sanders schreit nicht wirklich, aber er dr\u00fcckt die Zeilen immer mit so etwas wie einem aggressiven Gurgeln aus der Larynx, w\u00e4hrend Dailors Stimme ein wenig h\u00f6her und apselut unvergrunzt klingt. Brann Dailor hat keine typische Metal-Stimme und beflei\u00dfigt sich keines typischen Metal-Gesangsstils, passt hier aber super rein und k\u00f6nnte auch in zahlreichen Alternative-Stilrichtungen re\u00fcssieren. Eventuell beschreibt das schon einen Teil der Faszination Mastodons: Der eine S\u00e4nger klingt, wenn \u00fcberhaupt, dann nach Sludge und der andere gar nicht nach Metal \u2013 besser kann es eine Metalband nicht treffen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der neue Leadgitarrist Nick Johnston passt sich ganz hervorragend in den Bandsound ein \u2013 wir haben es hier mit 100% Mastodon zu tun und sonst nichts. Ich finde bei Mastodon immer generell wenig bis nix zum Aussetzen und brauche dennoch bei jedem neuen Album zirka die halbe Spielzeit, um so richtig warm damit zu werden, und genau dieser Effekt trat bei \u201eMarrow Deep\u201c beim 6. Song \u201eIn The Ruins\u201c ein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem das passiert war und ich die Nadel nochmal auf Anfang setze, entdecke ich auch in den zuvor als \u201eecht nett &amp; typisch Mastodon\u201c wahrgenommenen Songs haufenweise begeisternde Momente. Das von Troy Sanders gesungene \u201eIn The Ruins\u201c beginnt ruhig mit einer gothicrockm\u00e4\u00dfigen Gitarre, dann beginnt Sanders\u2019 leicht rauher Gesang und nach knapp zwei Minuten bricht ein wahrer Hurrikan los: die Gitarre rattert, das Schlagzeug h\u00e4mmert und Sanders singt unbek\u00fcmmert weiter. Unbek\u00fcmmert? Nein, denn der Song handelt davon, wie er und seine Familie 2024 vom Hurrikan Helene, der unter anderem \u00fcber Georgia hinwegfegte, allen Besitzes beraubt wurden. Den Refrain schreit er dann: \u201eNow we stand in the ruins and the morning is cold. There&#8217;s nobody home anymore.\u201c Mit langen Soli klingt der Song aus und die H\u00f6renden sehen die gefluteten Ruinen f\u00f6rmlich vor sich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eThey\u2019re Coming For You\u201c beginnt leichtf\u00fc\u00dfiger mit schnellem und abwechslungsreichen Schlagzeug, sch\u00f6nen Bassmelodien und einer verspielten Gitarre. Genau soo muss sich ein progressiv-jazzig angehauchtes Metalinstrumental anh\u00f6ren, denke ich bei mir, und genau in dem Moment f\u00e4ngt Troy Sanders zu singen an. Er singt vom Umgang mit jemandem, der anscheinend dem Wahnsinn anheimf\u00e4llt, an den man dann nicht mehr herankommt, und Dailor erg\u00e4nzt \u201eI play the victim and you play the fool, pretending to come undone. Destruction your only rule, living for pain you gave all your life. The demon with black-snaked eyes, the devil with no surprise.\u201c Am Ende schreit Sanders immer wieder \u201eThe jackal, cunning in treachery, the jackal, deceived and betrayed.\u201c Ob mit dem Schakal hier Brent Hinds gemeint ist, kann ich nicht mit Sicherheit sagen, aber f\u00fcr mich klingt es, als w\u00fcrden sich Sanders und Dailor hier an der immer schwieriger werdenden Beziehung zu Hinds abarbeiten. Im oben schon erw\u00e4hnten Video mit dem treffenden Titel \u201eThe Mastodon In The Room\u201c, abrufbar auf YouTube, besch\u00e4ftigt sich die Band mit Erinnerungen an den jungen, witzigen und sympathischen Brent Hinds, seiner Rolle in der Band, dem Verfall mit lauter Ausf\u00e4llen gegen\u00fcber seinen Bandkollegen und anschlie\u00dfender Vers\u00f6hnung (\u201eHe bought us diamond rings\u201c, bringt es Dailor auf den Punkt und bezeichnet Hinds dann noch zutreffend als \u201ehabitual line-stepper\u201c, der sich gerne komplett betrunken mit den falschen Leuten angelegt hat) und den zum Schluss un\u00fcberbr\u00fcckbaren Differenzen, schauen Sie da gerne mal rein, es ist sehr interessant und ergreifend und macht nebenbei deutlich, was f\u00fcr ein gro\u00dfartiger (unter anderem auf \u201eCrack The Skye\u201c sogar magischer) Musiker Hinds einmal gewesen ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zur\u00fcck zum Album: \u201eYour Ghost Again\u201c, einer der Songs, die gleich in einem f\u00fcr Mastodonverh\u00e4ltnisse hohen Tempo starten, behandelt wieder einmal mehr Hinds\u2019 schwierige Pers\u00f6nlichkeit und das daraus resultierende schwierige Verh\u00e4ltnis zum Rest der Band. \u201eSickening watching you scrape and claw, hoping for helping hands. Watching the time run down.\u201c \u201eI saw your ghost again, followed by crushing feelings of regret.\u201c Man f\u00fchlt hier den Schmerz, den Verlust und die Fassungslosigkeit der verbliebenen Bandmitglieder.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit \u201eThe Vanishing\u201c und \u201eThe Three Fates\u201c endet das \u00fcber einst\u00fcndige Album mit zwei ruhigen St\u00fccken. \u201eThe Vanishing\u201c thematisiert den Tod von Brann Dailors Mutter Michelle, seiner engsten Vertrauten und erw\u00e4hnt auch seine Schwester Skye. Verlust ist tats\u00e4chlich das Hauptthema des Albums.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eThe Three Fates\u201c startet wie ein typisches Midtempomastodonst\u00fcck, hier singt zun\u00e4chst Dailor und dann Sanders, aber noch vor Erreichen der Zweiminutengrenze wird es ruhiger, und Neil Fallon von der Band Clutch liefert ein eindrucksvolles Spoken-Word-Intermezzo. Anschlie\u00dfend klingt das St\u00fcck instrumental aus. Erst mit schnellem und hartem Schlagzeug und gro\u00dfartigen Gitarrenriffs, dann mischen sich psychedelische Keyboardkl\u00e4nge darunter, die sich mit einer ebensolchen Gitarre abwechseln, was alles sehr Jazz-\/Fusion-orientiert klingt und w\u00e4hrend ich noch auf eine von Miles Davis inspirierte Trompete warte, wird die Gitarre wieder deutlich h\u00e4rter und greift die vorherige Jazz-Improvisation auf und l\u00e4sst sie in einem gro\u00dfartigen Metal-Solo enden. Hier zeigt Nick Johnston, der als neuer Leadgitarrist nicht angetreten ist, um in Brent Hinds\u2019 Fu\u00dfstapfen zu treten, sondern um sein Andenken zu ehren, wie verdammt gut er das macht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Produziert wurde \u201eMarrow Deep\u201c von Kurt Ballou von Converge und von Patrick Berger, der schon mit Taylor Swift und Charli XCX zusammengearbeitet hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gastbeitr\u00e4ge leisten Josh Homme im Outro von \u201eSnakes For Dinner\u201c, Nate Newton von Converge und Randy Blythe von Lamb Of God auf \u201eA Vampire\u2019s Demeanor\u201c und Geezer (!) Butler (!!!) im Bass-Intro von \u201eThe Vanishing\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Cover-Artwork stammt wie immer von Paul Romano, der zeigt, dass Kitsch auch ohne KI geht, und sch\u00f6n ist es irgendwie auch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Guido D\u00f6rheide (30.08.2026) Mastodon liegen mir unter allen Metalbands, die ausschlie\u00dflich Klargesang einsetzen, besonders am Herzen. 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