{"id":949,"date":"2014-08-16T13:39:02","date_gmt":"2014-08-16T11:39:02","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=949"},"modified":"2014-08-16T13:39:02","modified_gmt":"2014-08-16T11:39:02","slug":"lucy-luc-besson-f-2014","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/lucy-luc-besson-f-2014\/","title":{"rendered":"Lucy \u2013 Luc Besson \u2013 F 2014"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-660\" title=\"Kino-Film\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\" alt=\"\" width=\"178\" height=\"100\" \/><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (16.08.2014)<\/p>\n<p>Was f\u00fcr ein Bl\u00f6dsinn, und das von Luc Besson. Die Story ist haneb\u00fcchen, durchsetzt von den typischen Logikl\u00f6chern, die in Hollywood mittlerweile Voraussetzung sind, die Hauptfigur l\u00e4sst den Betrachter kalt, die Elemente sind Versatzst\u00fccke aus anderen Filmen, die Action ist flach, der Inhalt nicht minder. Wenn man es recht bedenkt, hat Besson in den vergangenen 20 Jahren nicht mehr best\u00e4tigt, wof\u00fcr man ihn bis dahin zum Meisterregisseur heiligsprach. Schade!<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Haupt- und Titelfigur \u201eLucy\u201c, gespielt von Tom-Waits-Fan Scarlett Johansson, wird in Taiwan zum unfreiwilligen Drogenkurier: Sie ger\u00e4t in die F\u00e4nge einer weltweit agierenden Gruppe von kaltbl\u00fctigen koreanischen Killern mit Geld und Macht, die einigen beliebigen Europ\u00e4ern je einen Beutel mit der synthetischen Droge CPH4 in den Bauch einn\u00e4ht. An ausgew\u00e4hlten Zielflugh\u00e4fen in Europa wollen die Koreaner den Kurieren ihre Fracht wieder entnehmen. Weil Lucy offenbar die erste Frau in dieser Aktion ist, wollen sich irgendwelche Leute in einem verranzten Bunker an ihr vergreifen, und weil sie sich wehrt, bekommt sie einen Tritt in den Bauch, bei dem der Beutel platzt und die Droge in ihren Kreislauf ger\u00e4t. Bei CPH4 handelt es sich laut Film um einen Stoff, den Schwangere in einem bestimmten Stadium ihren F\u00f6ten aussch\u00fctten, um deren Entwicklung zu beschleunigen. In einer solch extremen Dosis wie bei Lucy beg\u00fcnstigt die Droge, dass die Bedr\u00f6hnte die Kapazit\u00e4t ihres Gehirns zu 100 Prozent ausnutzt, und nicht wie der Rest der Menschheit angeblich nur zu zehn Prozent. Das bef\u00e4higt sie zu \u00fcbernat\u00fcrlichen Aktivit\u00e4ten und weckt in ihr den Wunsch, ihre daraus gewonnenen Erkenntnisse dem Forscher Professor Norman (Morgan Freeman) zur Verf\u00fcgung stellen. Daf\u00fcr besorgt sie sich die \u00fcbrigen Drogenpakete und bringt die koreanische Mafia erst gegen sich auf und dann um. Am Ende ist sie quasi Gott.<\/p>\n<p>Der Film startet mit zwei parallelen Sequenzen: Lucy wird von ihrem undurchsichtigen Lover in die F\u00e4nge der Koreaner getrieben und Professor Norman referiert vor Studenten zum Thema Gehirnausnutzung. Seine Infos untermalt Norman mit Szenen \u00e0 la Bernhard Grzimek von Savannenr\u00e4ubern, die eine Gazelle umkreisen und niederstrecken. Je enger sich der Kreis der Koreaner um Lucy zieht, desto dichter kommen die Leoparden und L\u00f6wen den Springb\u00f6cken. Das ist ein netter zynischer Vergleich. Auch nett ist die Idee mit dem Schwangerschaftshormon als Trigger f\u00fcr mehr Gehirnkapazit\u00e4tsausnutzung. Dann gibt es noch eine Szene, in der man kurz schmunzeln muss, als Lucy sich einer Heerschar von bewaffneten Polizisten ausgesetzt sieht und diese bis auf den Chef auf die Aufforderung \u201eH\u00e4nde hoch\u201c hin mit der geforderten Bewegung und ihren neuen Superkr\u00e4ften in Tiefschlaf versetzt. Ansonsten: Langeweile.<\/p>\n<p>Die Handlung beleidigt den Betrachter. Man kommt niemandem nahe, besonders Lucy nicht. Die wird im Rahmen des Skriptes zusehends mechanischer, je h\u00f6her die Leistung ihres Gehirns \u2013 angedeutet durch tarantinoesk eingeblendete Prozentzahlen \u2013 steigt; das ist immerhin konsequent, aber da ihre Intentionen schwach sind, gibt es keinen Ersatz f\u00fcr die ausbleibende Sympathie. Offenbar will sie nichts mehr, als ihre Kenntnisse der Wissenschaft zur Verf\u00fcgung stellen (im Verlauf f\u00e4llt der abgedroschene Satz \u201edaf\u00fcr ist die Menschheit noch nicht bereit\u201c, eine von vielen abgedroschenen Passagen des Films). Daf\u00fcr ist sie geneigt, willk\u00fcrlich Leute umzunieten, nicht jedoch diejenigen, bei denen sie davon ausgehen kann, dass sie ihr auf dem Weg zum Professor erheblich in die Quere kommen k\u00f6nnen. Das ist eine Drehbuchschw\u00e4che, die das Weitergucken anstrengend macht: Lucy hatte die Gelegenheit, die Killerkoreaner auszuschalten, unterl\u00e4sst es aber, weil die Dramaturgie des Films sonst offenbar verpufft w\u00e4re. Gute Drehbuchautoren indes h\u00e4tten einen Weg gefunden, den obligatorischen Endkampf trotzdem \u00fcberzeugend stattfinden zu lassen. Auch r\u00e4tselhaft ist, warum Lucy anfangs \u00fcberhaupt in dem Bunker aufgehalten wird, wenn sie doch wie die anderen Kuriere dringlichst in Europa erwartet wird. Und wer hat es als weltweit operierender Drogenh\u00e4ndler mit einem dergestalt opulenten Netzwerk \u00fcberhaupt n\u00f6tig, unkalkulierbare Leute auf diese blutige Weise per Flugzeug um die Welt zu schicken?<\/p>\n<p>Gut, wenn die Story also Mist ist, gibt es ja immer noch die visuelle Komponente. Doch auch hier bleibt Besson hinter seinen M\u00f6glichkeiten zur\u00fcck, filmisch gibt es kaum etwas zum Staunen. Nicht nur von Handlungsversatzst\u00fccken her, auch optisch bedient sich Besson bei Bestehendem: Man erkennt \u201eDer Exorzist\u201c, \u201eMatrix\u201c, \u201eJurassic Park\u201c, \u201eTranscendence\u201c, \u201eTerminator\u201c, \u201eTaxi\u201c (den hat er immerhin produziert, das ist wie \u201eNikita\u201c ein Selbstzitat und damit relativ legitim), \u201e2001\u201c, \u201eKoyaanisqatsi\u201c und sicherlich noch einige weitere. Der Rhythmus stimmt au\u00dferdem nicht: Stellen, die verlustfrei gerafft werden k\u00f6nnten, walzt Besson aus, wie die Bilder von in die Blutbahn str\u00f6menden CPH4-Kristallen, und andere Momente, die das Potential f\u00fcr einen nachhaltigen Eindruck h\u00e4tten, wischt er ungeduldig beiseite. Die Action-Sequenzen sind \u00fcber die Ma\u00dfen vertraut; inzwischen so sehr, dass Besson es sich leistet, etwa Autounf\u00e4lle in abgehackten Details zu zeigen und ihnen damit den Effekt zu nehmen. So bleibt auch die visuelle Filmsprache unpers\u00f6nlich.<\/p>\n<p>Bleibt der Blick auf die philosophische Komponente. Der Mensch nutzt angeblich nur zehn Prozent seiner Gehirnkapazit\u00e4t; der Professor h\u00f6rt die Frage: Wozu ist der Mensch bei 100 Prozent in der Lage? Lucy w\u00e4re nun als Einhundertprozentige ein Loblied auf das Wissen, die Erkenntnis, die Analyse, die Weisheit, den Frieden, all sowas. Doch zu mehr als dem Vorhaben, ihre Kenntnisse in einem USB-Stick zu speichern, reicht der Film nicht: Anders als bei etwa \u201eOnly Lovers Left Alive\u201c, \u201eNymph()maniac\u201c oder \u201eDie Karte meiner Tr\u00e4ume\u201c spielt das Wissen bei \u201eLucy\u201c als Bestandteil des Films keine Rolle, sondern lediglich als Information. Der Zuschauer wird mit Wissen nicht konfrontiert; der Film selbst spricht also nicht mehr als die bel\u00e4chelten zehn Prozent der Gehirnkapazit\u00e4t an. Stattdessen bef\u00e4higt das Gehirn Lucy dazu, allwissender Formwandler zu sein, Menschen und Dinge zu bewegen und in der Zeit zu reisen. Das ist \u00f6de.<\/p>\n<p>Nun tr\u00e4gt die Figur nicht umsonst den Namen \u201eLucy\u201c. Ein \u00fcber drei Millionen Jahre altes Skelett eines Humanoiden aus \u00c4thiopien gilt als \u00e4lteste bekannte Frau der Welt, der Beatles wegen auf \u201eLucy\u201c getauft. Dieser \u00c4ffin \u00fcbertr\u00e4gt die Film-Lucy am Ende im Rahmen einer Zeitreise ihre Kenntnisse per g\u00f6ttlichem Fingerzeig \u00e0 la Michelangelo und tritt damit einen evolution\u00e4ren Zirkelschluss los. Vor lauter vorab gezeigter Banalit\u00e4t bleibt aber auch dieser Moment beim Zuschauer nicht haften, er verpufft im Nichts.<\/p>\n<p>Wenn man zur\u00fcckblickt, bleiben von Besson eigentlich nur f\u00fcnf Filme dauerhaft auf der Qualit\u00e4tsliste stehen: \u201eSubway\u201c, \u201eIm Rausch der Tiefe\u201c, \u201eNikita\u201c, \u201eAtlantis\u201c und \u201eL\u00e9on, der Profi\u201c. Schon \u201eDas f\u00fcnfte Element\u201c als n\u00e4chster der Reihe fiel massiv ab, weil er sich zu stark am Markt bediente. Zumindest filmisch war \u201eAngel-A\u201c noch ertr\u00e4glich, die von ihm produzierte \u201eTaxi\u201c-Reihe hatte immerhin Humor. Auch mit \u201eLucy\u201c zeigt Besson leider, dass er kein Garant mehr f\u00fcr gute Filme ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (16.08.2014) Was f\u00fcr ein Bl\u00f6dsinn, und das von Luc Besson. 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