{"id":9487,"date":"2026-08-28T22:36:33","date_gmt":"2026-08-28T20:36:33","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=9487"},"modified":"2026-08-28T22:36:33","modified_gmt":"2026-08-28T20:36:33","slug":"serien-spezial","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/serien-spezial\/","title":{"rendered":"Serien-Spezial"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"178\" height=\"100\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-660\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von Matthias Bosenick (28.08.2026)<br><br>Na gut: Dank der Andreas Experimentierfreude, sich Accounts bei Anbietern wie Netflix, Prime Video oder Apple TV zuzulegen, verleibten wir uns zuletzt auch mal so einige Serien ein. Zum Beispiel: \u201eWidow\u2019s Bay\u201c, \u201eH\/jack\u201c, \u201eTschugger\u201c, \u201eThe Boys\u201c und \u201eDoppelhaush\u00e4lfte\u201c. Lehrstunden in Fremdscham, Doppelb\u00f6digkeit, Blutigkeit, Humor, Action und ma\u00dflose \u00dcberbewertung inklusive.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Widow\u2019s Bay \u2013 <\/strong><strong>Katie Dippold \u2013 Ap<\/strong><strong>p<\/strong><strong>le TV <\/strong><strong>2026<\/strong><br><br>Als gefeierte Horrorkom\u00f6die geistert \u201eWidow\u2019s Bay\u201c durchs Internet, also ran an die zehn Episoden. Ein vom neuenglischen Festland \u00fcbergesiedelter B\u00fcrgermeister ignoriert die Sagen um den Fluch, der auf der Insel mit dem selben Namen, die der Hauptort dort tr\u00e4gt, nach dem die Serie benannt ist, lasten soll. Jener B\u00fcrgermeister Tom benimmt sich nun also linkisch-kindisch, wenn er vor einem Reisereporter oder den Touristen die eindeutigen Hinweise darauf, dass der Fluch wahrhaftig ist, zu verbergen versucht, und verstrickt sich in Albernheiten, f\u00fcr die man sich als Zuschauer sch\u00e4mt. Lustig ist das nicht. Auch die anderen Charaktere sind weniger skurril, als sie artifiziell verschroben sind. Das hat nichts von \u201eTwin Peaks\u201c, was es offenkundig gerne haben m\u00f6chte. Es hat auch nichts von Stephen King und noch weniger von einer Kom\u00f6die. Schwerf\u00e4llig schleppen sich die Episoden herum, gef\u00fcllt mit Blabla und in die L\u00e4nge gestreckten Verz\u00f6gerungen. Nicht einmal gruselige Faktoren wie die Wasserhexe oder die einem psychisch-hypnotischen Kult verfallene Rathausmitarbeiterin strahlen Gefahr oder Spannung aus, alles verpufft. Dazu kommt, dass im Grunde keine fortlaufende Handlung erz\u00e4hlt wird, sondern eher wie bei \u201eAkte X\u201c pro Episode eine neue Merkw\u00fcrdigkeit im Mittelpunkt steht, man also die Elemente, die zuvor eine halbe Stunde lang f\u00fcr Spannung h\u00e4tten sorgen sollen, f\u00fcrderhin wieder vergessen darf.<br><br>Nach vier Folgen Langeweile brachen wir das Experiment ab, die verbleibenden sechs schenken wir anderen. Dabei ist immerhin die Idee, die Serie in der Optik der Achtziger zu halten, ganz charmant, aber bedeutungslos. Und weil der Abend noch frisch war, bat ich Andrea einfach darum, mit der Serie fortzufahren, die sie bereits begonnen hatte.<br><br><strong>H\/jack \u2013 <\/strong><strong>George Kay\/Jim Field Smith \u2013 Apple TV 2023<\/strong><br><br>Das war \u201eH\/jack\u201c, also \u201eHijack\u201c, eine Serie um einen Typen, der sich in einem Flugzeug wiederfindet, das von einem Verbrecherhaufen entf\u00fchrt wird, um zwei Str\u00e4flinge freizupressen. In der f\u00fcnften von sieben Episoden der ersten Staffel schalteten wir also um, Andrea gab mir einige Hintergrundinfos \u2013 und ab daf\u00fcr. Und zwar sehr ab: Sofort war man drin, das Tempo zog uns direkt hinein in den Jet, in dem Idris Elba den Action-Helden wider Willen spielt. Er verhandelt mit den B\u00f6sen, durchblickt Hintergr\u00fcnde, kommuniziert mit dem Bodenpersonal und sieht sich politischen Spannungen auf internationaler wie britischer Ebene ausgesetzt. Irgendwie ist es komplett egal, dass man die Grundidee seit \u201eAirport\u201c 1970 l\u00e4ngst mehrfach durchexerziert bekommen hat, also das mit den diversen Schicksalen und Charakteren an Bord, den Zust\u00e4ndigen am Boden und den verschlungenen Verbrecherkonstellationen auf allen Ebenen, denn \u201eH\/jack\u201c macht sich nicht die M\u00fche, sich auf diesen Bausteinen auszuruhen, sondern schiebt die Entwicklung der Story und die Action in den Vordergrund. Selbst die dehnt die Serie nicht sinnlos aus, auch wenn der Showdown am Schluss nicht so ganz n\u00f6tig gewesen w\u00e4re. Daf\u00fcr spart sich die erste Epsiode, manche Nebenstr\u00e4nge aufzukl\u00e4ren \u2013 aber okay, geht man mit. Schlie\u00dflich gibt es seit Anfang des Jahres eine zweite Staffel, die in der U-Bahn spielt, Linie 123 vermutlich. Will man die sehen, nachdem einen die erste Staffel so gepackt hat, und dann auch noch besser als vieles aus dem Mutterland des Actionfilms? Schwierig, k\u00f6nnte schiefgehen. Mal ausprobieren. Im Winter.<br><br><strong>Tschugger \u2013 <\/strong><strong>David Constantin\/Mats Frey \u2013 SRF\/Sky Switzerland 2021<\/strong><br><br>Auf Empfehlung n\u00e4chster Verwandter guckten wir auf Netflix \u201eTschugger\u201c, eine Serie aus der Schweiz, die man im Original auf Walliserdeutsch sowie von den Darstellenden selbst auf etwas synchronisiert gucken kann, das sie f\u00fcr Hochdeutsch halten. Beides funktioniert ganz gut. Bei der ersten Staffel hatten wir zun\u00e4chst Schwierigkeiten, uns mit dem Tonfall anzufreunden, und damit ist nicht die Sprache gemeint. Hier \u00fcberwiegt abermals das Fremdsch\u00e4men als Humorgrundlage, und das knirscht beim Gucken erheblich. Ein durchgescheuerter Regionalpolizist h\u00e4lt sich f\u00fcr \u201eHot Fuzz\u201c und will nach eigenen Methoden einen Drogenschmuggel aufkl\u00e4ren. Dabei kommt ihm nicht nur eine Bundesbeamtin in die Quere. Die Geschichte gewinnt jedoch ganz unerwartet an Fahrt und setzt sich in der zweiten Staffel fort, dort gottlob mit reichlich reduziertem Fremdschamfaktor, daf\u00fcr mit umso mehr Verschw\u00f6rung, Brutalit\u00e4t, Absurdit\u00e4t und grandiosen Dialogen, f\u00fcr die man die Serie gebannt wegguckt. Selbst der Chaot von Polizist wird einem sowas von sympathisch, und das nicht als einziger. Auch hier folgen weitere Staffeln, die dritte und vierte entstanden 2023. So richtig einig, ob wir die auch noch gucken wollen, sind wir uns noch nicht. Der Winter kommt ja fr\u00fch genug. \u201eTschugger\u201c sind \u00fcbrigens Polizisten, die man so indes besser nicht nennen sollte.<br><br><strong>The <\/strong><strong>B<\/strong><strong>oys \u2013 <\/strong><strong>EricKripke\/Evan Goldberg\/Seth Rogen \u2013 Prime Video 2019<\/strong><br><br>Auch \u201eThe Boys\u201c will nicht zwingend, dass wir nach der ersten Staffel weitergucken, obwohl wir die sehr mochten. Weil sie n\u00e4mlich das nicht einl\u00f6st, worauf sie hinarbeitet. Ein Typ muss ansehen, wie ein superschneller Superheld im vollen Lauf seine Freundin zermatscht, ohne dass der \u201eSupe\u201c sich daf\u00fcr ernsthaft interessiert. Das bringt den Milchbubi auf die Palme und in die H\u00e4nde von anderen Boys, die etwas gegen die \u00dcbermacht der Superhelden haben. \u201eWho watches the Watchmen\u201c, lie\u00dfen Alan Moore und Dave Gibbons bereits vor 40 Jahren die Menschen fragen, die Zweifel an der Integrit\u00e4t der \u00fcbermenschlichen kost\u00fcmierten Aufpasser hatten, und so sieht es in \u201eThe Boys\u201c auch aus. Mit Recht, wie man erf\u00e4hrt, denn die so genannten Seven, die Elite-Superhelden der Erde, haben so manchen Dreck am Stecken, allen voran deren Anf\u00fchrer Homelander, gegen den selbst ein Donald Trump ein orangeblutiger Anf\u00e4nger ist.<br><br>Schwierig an dieser Serie ist, dass der blasse Junge eine Liaison mit einer Superheldin der Seven beginnt und also an zwei Fronten heimlich illoyal wird. Dieses Spannungsverh\u00e4ltnis nimmt weite Teile ein, die man eher in Richtung Teenagerprobleme auslegen k\u00f6nnte und die abermals eher Fremdscham als Spannung generieren. Weniger davon, und der absurde Schei\u00df der Supes und der Boys bek\u00e4me noch mehr Durchschlagskraft. Denn die hat die erste Staffel: Allein, wie der Unsichtbare sein Leben verliert, ist das Gucken wert. Nur: Das Ziel der Boys ist es, die Seven zu enttarnen, was \u2013 so viel Spoiler darf sein \u2013 am Ende nicht gelingt. So l\u00f6st die Staffel kein Versprechen ein, anders als etwa \u201eStranger Things\u201c, das auch mit einem Abschluss pro Staffel hinreichend M\u00f6glichkeiten lie\u00df, plausible Fortsetzungen zu erdenken. Vielmehr f\u00fcrchten wir indes so etwas wie bei \u201eKleo\u201c, dass ein gelungener und gefeierter Auftakt mit Schei\u00dfe weiterl\u00e4uft. Halten wir das Teenage-Drama weiter durch oder konzentrieren wir uns auf die Verschw\u00f6rungen und die sehr blutige Action? Der Winter wird\u2019s zeigen. Es gibt noch vier weitere Staffeln, das d\u00fcrfte dann ein langer Winter werden.<br><br><strong>Doppelhaush\u00e4lfte \u2013 <\/strong><strong>Dennis Schanz\/Christoph Mishayija Rath \u2013 ZDFne<\/strong><strong>o<\/strong><strong> 2022<\/strong><br><br>Fremdscham wohnt auf beiden Seiten der \u201eDoppelhaush\u00e4lfte\u201c. Die Pilotfolge ist beileibe keine Werbung daf\u00fcr, sich diese Serie anzugucken, mit Schei\u00dfwitzen in der Toilette. Das stinkt erheblich. Doch: Hier wohnen zwei Paare nebeneinander, die von entlegenen Enden einer reichlich krummen Skala kommend aufeinandertreffen, und die dann auch noch intern mit Diversit\u00e4ten zu k\u00e4mpfen haben. Diese vier Personen plus Kinder sind derartig treffend skizziert und die aus diesen Grundlagen entspringenden Dialoge so entwaffnend und entlarvend konstruiert, dass man die Serie nur feiern kann. Obwohl man sich st\u00e4ndig vor Scham in den Sesseln kr\u00fcmmt.<br><br>Neu aus der Stadt ziehen Theo, der Vorfahren aus Ruanda hat, mit Gattin Mari aus dem Iran in die leere Doppelhaush\u00e4lfte im l\u00e4ndlichen Brandenburg, deren andere H\u00e4lfte von der Vietnamesin Tracy und deren deutschem Gatten Andi bewohnt wird. Ja, hier treffen wirklich alle Vorurteile aufeinander, und die Serienmachenden l\u00f6sen sie mit herzhaftem Lachen auf. Man kann diese Deppen nur m\u00f6gen, und Deppen sind sie im Grunde alle vier. Plus Nachwuchs. Manche Episoden sind dabei so gestaltet wie Cartoonserien, nicht selten muss man an \u201eThe Simpsons\u201c denken, wenn die Serie mit ihren eigenen Regeln bricht oder vor\u00fcbergehend neue Figuren einf\u00fchrt und dann wieder vergisst, wenn mit der Serienrealit\u00e4t gespielt wird und so weiter. Was das Gucken vereinfacht, man kann ohne Zeitstrahl seine Freunde an willk\u00fcrlichen Folgen haben. Durch einen Zauberspruch vertauschte K\u00f6rper, eine Mediatorin wegen Knabbervideos, Widerstand gegen Rassismus, Modeleien auf dem Golpfplatz (\u201eRocco Knupp\u00e9\u201c mit Accent ist der Br\u00fcller), Praktikum in der Edelfirma, Kronkorkensammelwut und dergleichen mehr, man staunt, wie oft man den Schei\u00df einfach gut findet. Seit zwei Wochen ist die f\u00fcnfte Staffel drau\u00dfen, Andrea freut sich schon drauf \u2013 und ich werde sicherlich regelm\u00e4\u00dfig mitgucken, wenn ich nicht doch Schiss vor dem Sch\u00e4men habe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (28.08.2026) Na gut: Dank der Andreas Experimentierfreude, sich Accounts bei Anbietern wie Netflix, Prime Video oder Apple TV zuzulegen, verleibten wir uns zuletzt auch mal so einige Serien ein. 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