{"id":9411,"date":"2026-08-03T21:52:33","date_gmt":"2026-08-03T19:52:33","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=9411"},"modified":"2026-08-03T21:52:33","modified_gmt":"2026-08-03T19:52:33","slug":"bitteres-fest-amarga-navidad-pedro-almodovar-e-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/bitteres-fest-amarga-navidad-pedro-almodovar-e-2026\/","title":{"rendered":"Bitteres Fest (Amarga Navidad) \u2013 Pedro Almod\u00f3var \u2013 E 2026"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"178\" height=\"100\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-660\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von Matthias Bosenick (03.08.2026)<br><br>Die deutschen Titel der Filme von Pedro Almod\u00f3var klingen oft irgendwie spr\u00f6de und ausdruckslos: \u201eBitteres Fest\u201c, w\u00fcrde man sich das angucken? \u201eAmarga Navidad\u201c, der Originaltitel, hat ungleich mehr Kraft, au\u00dferdem verbinden spanischsprechende Menschen sogleich das gleichnamige Lied damit, hier in der Version von Chavela Vargas eingebaut. Das fehlt auf Deutsch nat\u00fcrlich. Wie dem Film ohnehin einiges von dem fehlt, was Almod\u00f3vars Filme ansonsten so grandios macht, aber trotz allem steckt immer noch hinreichend Gutes drin, die Farbgebung allem voran. Die \u2013 wie \u201eLeid und Herrlichkeit\u201c \u2013 offensichtlich autofiktionale Film-im-Film-Geschichte entwickelt sich bedauerlicherweise etwas z\u00e4h, hat aber grandiose Momente.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie gut ist die Idee, eine Schreibblockade dadurch zu \u00fcberwinden zu versuchen, dass man sie thematisiert? In \u201eBitteres Fest\u201c l\u00e4sst Almod\u00f3var seine Zuschauer an seiner teilhaben. Was die Zuschauende nicht sofort entschl\u00fcsselt bekommen, denn der Film steigt mit einer Geschichte aus dem Jahr 2004 ein, von der man erst nach einer Weile erkl\u00e4rt bekommt, dass sie im Augenblick des Erz\u00e4hltwerdens von der eigentlichen Hauptfigur in der Gegenwart verfasst wird. Diese eigentliche Hauptfigur Ra\u00fal ist nat\u00fcrlich das Spiegelbild Almod\u00f3vars, n\u00e4mlich der homosexuelle Autor mit der Schreibblockade, dessen Hauptfiguren zuvorderst Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs sind, hier: eine Angstst\u00f6rung haben. Trauer und die Beziehungen zu M\u00fcttern, typische Almod\u00f3var-Themen, kommen noch hinzu.<br><br>Diese Frau mit der Angstst\u00f6rung, Elsa, keine Eisk\u00f6nigin, sondern ebenfalls Regisseurin mit Schreibblockade, nimmt den gr\u00f6\u00dften Teil des gesamten Films ein. Die Gegenwart also, der kreative Prozess des Autors, verschwindet dahinter. Zun\u00e4chst, und auch nur scheinbar, denn im Verlaufe sickert allm\u00e4hlich durch, dass Ra\u00fal in dem Skript sein Leben und das seines Umfeldes abbildet; dieser Schl\u00fcsselmoment ereignet sich allerdings erst gegen Ende des Films, und bis dahin qu\u00e4lte man sich bereits durch ellenlanges, gef\u00fchlt \u00fcberfl\u00fcssiges Drama. Selbst die entlassene Lektorin bescheinigt Ra\u00fal ein schwaches Drehbuch, was den Zuschauenden nat\u00fcrlich vor den Kopf st\u00f6\u00dft, schlie\u00dflich musste man es bis dahin ebenfalls ertragen. Man stimmt der Lektorin m\u00fcde nickend zu, muss aber dennoch bewundernd konstatieren, dass sich die aufgeschl\u00fcsselten Parallelit\u00e4ten zwischen der Fiktion und der Realit\u00e4tsebene pl\u00f6tzlich wie Schablonen \u00fcbereinanderlegen und dennoch weiterhin Raum f\u00fcr Interpretationen und Spekulationen lassen. Das mikrokurze Schlussbild mit den zwei Romanfiguren, die ungeduldig beinebaumeld darauf warten, dass Ra\u00fal endlich weiterschreibt, ist so ein sch\u00f6ner Meta-Gag, dass er den gesamten Film zu gucken wert ist.<br><br>Aber nicht der einzige Grund. Man begleitet Elena, ihren Freund, den als Stripper arbeitenden Feuerwehrmann Beau, sowie diverse Freundinnen auf dem Weg durch diverses Elend, das ja eben eigentlich vielmehr das Elend von Ra\u00fal und dessen Umfeld darstellt. Wie \u00fcblich verwendet Almod\u00f3var kr\u00e4ftige Farben, f\u00fcr die Ausstattung der R\u00e4ume, die er dabei gar nicht so pr\u00e4sent in Szene setzt wie gewohnt, was den Film etwas m\u00fchsam zu gucken macht, und f\u00fcr die Kleidung, die stets monochrom ist, bis auf ganz wenige Ausnahmen, wenn Nebenfiguren n\u00e4mlich auch mal gelbgestreift angezogen sind. Merkw\u00fcrdig designte Kragen sind ein weiteres stilistisches Kleidungsmerkmal. Aber eben die Farben: satt, knallig, sch\u00f6n, inmitten des eher schwarzwei\u00dfen Settings. Insbesondere, sobald sich Elsa auf Lanzarote aufh\u00e4lt. Sch\u00f6ner Kniff \u00fcbrigens, zwei depressive Frauen an einem Strand nach Erholung suchen zu lassen, der pechschwarz ist. Die Draufsicht bei deren Ankunft ist eines der sch\u00f6nsten Bilder des Films. Ein extrem ber\u00fchrender Moment ist der, als Elsa und Beau auf der Party bei einer Freundin auf dem Sofa im abgedunkelten Nebenraum die f\u00fcr Migr\u00e4ne gehaltene Angstst\u00f6rung in den Griff zu bekommen versuchen und eine S\u00e4ngerin \u2013 ESC-Teilnehmerin Amaia Romero \u2013 mit ihrem Cellisten \u00d3scar Trujillo den Raum betritt und exklusiv f\u00fcr Elsa \u201eLas simples cosas\u201c im Stil von Chavela Vargas singt. G\u00e4nsehaut!<br><br>Interessanterweise findet Score-Musik \u2013 wie gehabt von Alberto Iglesias \u2013 erst ungef\u00e4hr nach der H\u00e4lfte des Films Einzug in denselben, und zwar ungef\u00e4hr ab dann, als sich die Handlung ins Redundante zieht. Bis dahin ist Musik lediglich im Rahmen der Geschichte zu h\u00f6ren, zus\u00e4tzlich zu den genannten Sequenzen um Chavela Vargas einmal die Strip-Szene von Beau zu \u201eLibertango\u201c von Grace Jones. Anfangs geschieht noch genug, um als Zuschauer dranzubleiben, doch verliert sich das bald, ebenso wie gewisse Handlungsanteile oder sogar Personen. Die Angstst\u00f6rung jedenfalls ist zuletzt kein Thema mehr, daf\u00fcr aber der Umstand, dass sich Autoren die Lebensgeschichten ihres Umfelds kreativ zu eigen machen, n\u00e4mlich sowohl Elsa als auch Ra\u00fal, und dass dieses Umfeld das eher ungut findet. Hei\u00dft: Man sieht Almod\u00f3var einmal als Ra\u00fal sowie jenen und somit beide ein weiteres Mal als Elsa. Nur: Lernt Almod\u00f3var aus den Vorw\u00fcrfen, die er sich in \u201eBitteres Fest\u201c selbst macht? Falls ja, bekommt man das bedauerlicherweise erst in seinem n\u00e4chsten Film zu sehen. Dieser bleibt, trotz der internen Verschachtelung, viel zu flach.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (03.08.2026) Die deutschen Titel der Filme von Pedro Almod\u00f3var klingen oft irgendwie spr\u00f6de und ausdruckslos: \u201eBitteres Fest\u201c, w\u00fcrde man sich das angucken? \u201eAmarga Navidad\u201c, der Originaltitel, hat ungleich mehr Kraft, au\u00dferdem verbinden spanischsprechende Menschen sogleich das gleichnamige &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/bitteres-fest-amarga-navidad-pedro-almodovar-e-2026\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[],"class_list":["post-9411","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kino"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9411","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9411"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9411\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9412,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9411\/revisions\/9412"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9411"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9411"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9411"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}