{"id":932,"date":"2014-07-17T16:39:02","date_gmt":"2014-07-17T14:39:02","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=932"},"modified":"2014-07-17T16:39:02","modified_gmt":"2014-07-17T14:39:02","slug":"die-karte-meiner-traume-the-young-and-prodigious-t-s-spivet-jean-pierre-jeunet-fcdn-2013","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/die-karte-meiner-traume-the-young-and-prodigious-t-s-spivet-jean-pierre-jeunet-fcdn-2013\/","title":{"rendered":"Die Karte meiner Tr\u00e4ume (The Young And Prodigious T.S. Spivet) \u2013 Jean-Pierre Jeunet \u2013 F\/CDN 2013"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-660\" title=\"Kino-Film\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\" alt=\"\" width=\"178\" height=\"100\" \/><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (17.07.2014)<\/p>\n<p>Jean-Pierre Jeunet macht also einen Kinderfilm in 3D. Vielleicht liegt es genau an diesen beiden Faktoren, aber so richtig mitrei\u00dfend ist \u201eDie Karte meiner Tr\u00e4ume\u201c nicht geworden. Der Film tr\u00e4gt die visuell \u00fcberbordende Handschrift Jeunets und birgt so manche fantastische Idee, aber reichen die Charaktere nicht, um sich ausreichend mit ihnen zu identifizieren. Zudem erf\u00e4hrt die reichlich vor sich hin pl\u00e4zschernde Geschichte in ihrer Mitte einen wenig plausiblen Bruch. Das Ansehen lohnt sich aber, denn die Bilder sind sch\u00f6n.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Jeunet verfilmt mit \u201eDie Karte meiner Tr\u00e4ume\u201c den gleichnamigen Roman von Reif Larsen. Hauptfigur ist der zehnj\u00e4hrige T.S., der auf einer abgelegenen Farm in Montana als Wunderkind aufw\u00e4chst und das Perpetuum Mobile erfindet. Um es am Smithsonian Institute vorzustellen, trampt er nach Washington, D.C. Damit st\u00f6\u00dft er eine Art Familien-Katharsis an: Sein Vater ist wortkarger Cowboy, seine Mutter abwesende Entomologin. T.S. hat einen tumben Zwillingsbruder und eine gelangweilte gro\u00dfe Schwester. Das Drama, dass der Bruder bei einem Unfall mit dem Gewehr ums Leben kommt, an dem auch T.S. beteiligt war, arbeitet die Familie nie auf \u2013 bis zum medial ausgeschlachteten Finale.<\/p>\n<p>Sch\u00f6n sind die Bilder, vor allem die Landschaftsaufnahmen und die Zugfahrten, wenngleich heutzutage dank CGI zwar keine Naturbilder mehr glaubhaft sind, aber immerhin beeindruckend. Sch\u00f6n sind auch die Ideen, die Jeunet unterbringt; das macht er nicht ganz so \u00fcppig wie gewohnt, daf\u00fcr aber erstmals im Kreis: Viele zun\u00e4chst absurd erscheinende Elemente erhalten im Verlauf des Films eine Bedeutung und stehen nicht mehr nur solit\u00e4r als beeindruckende Spinnerei im Raume. Daf\u00fcr sind die zahlenm\u00e4\u00dfig eben geringer. Und Jeunet streut sie beinahe beil\u00e4ufig ein, mindestens routiniert: Selbst den 3D-Effekt nutzt er so, wie man es von ihm erwartet; er setzt nichts drauf, er \u00fcberrascht selten. Als Jeunet-Fan ist man davon tats\u00e4chlich einigerma\u00dfen entt\u00e4uscht. F\u00fcr Unbedarfte ist das Ergebnis nat\u00fcrlich trotzdem opulent und ungewohnt, denn Jeunet hebt sich ja dennoch vom Mainstream ab. Denn auch visuell bleibt er sich treu: Zwar erscheint die Ausstattung im Stil ungef\u00e4hr aus Zeiten der industriellen Revolution, ist aber in der Gegenwart angesiedelt, was sich auch in beinahe futuristischen Gadgets zeigt. Und: Mit \u201eOnly Lovers Left Alive\u201c von Jim Jarmusch und \u201eNymph()maniac\u201c von Lars von Trier teilt dieser Film eine Leidenschaft f\u00fcr das Wissen. Das ist sch\u00f6n.<\/p>\n<p>F\u00fcr einen Kinderfilm unserer Zeit hat \u201eDie Karte meiner Tr\u00e4ume\u201c ein vergleichsweise geringes Tempo. Das ist an sich zwar positiv, nur variiert Jeunet das Tempo nicht, jedenfalls nicht filmisch; stattdessen schafft er teilweise abrupte \u00dcberg\u00e4nge, um dann im vorherigen Tempo weiterzumachen. Auch die einzelnen Handlungselemente erscheinen auf diese Weise weniger folgerichtig als willk\u00fcrlich. T.S. bel\u00fcgt zun\u00e4chst seine Familie und die Vertreterin vom Smithsonian Institute, vielleicht einfach nur, weil er ein kleiner Junge ist, daf\u00fcr aber ein hyperbegabter. Das passt nicht. Irgendwann entschlie\u00dft er sich, sich doch auf die Reise quer \u00fcber den Kontinent zu machen. Dabei erlebt er \u2013 eigentlich nichts. Seine sp\u00e4rlichen Kontakte bleiben formatlos, Inhalte werden nur knappstens angerissen. Der n\u00e4chste Bruch kommt, als er die Frau vom Smithsonian Institute davon \u00fcberzeugen kann, dass er wirklich der Erfinder des Perpetuum Mobiles ist: Sie mausert sich zur geld- und mediengeilen Furie. Warum auch immer. Beinahe unmotiviert thematisiert T.S. in seiner Auszeichnungsrede den Tod seines Bruders, was ein ignoranter TV-Moderator sp\u00e4ter in seiner Show ausschlachten will. Am Ende setzt es unn\u00f6tige Hiebe von unerwarteter Seite und es gibt Friede, Freude, Eierkuchen. Sicher, \u201eDie Karte meiner Tr\u00e4ume\u201c ist ein M\u00e4rchen, deshalb sollte man die Handlung nicht zu sehr an der Realit\u00e4t messen; ganz sicher aber an ihrer Plausibilit\u00e4t. Und die \u00fcberzeugt hier nicht. Bei allem leisen Humor driftet die Handlung zudem zu oft an den Rand des Kitsches.<\/p>\n<p>Die Figuren sind zu eindimensional, man kann zu ihnen keine Verbindung aufbauen. Auch zu T.S. nicht, wenngleich man dazu vermutlich ein zehnj\u00e4hriges Kind fragen m\u00fcsste. Immerhin sind mit Helena Bonham Carter und Dominique Pinon, der in bislang jedem Jeunet-Film mitspielt, gute Schauspieler an Bord. Dennoch, mit \u201eMathilde\u201c bildet \u201eDie Karte meiner Tr\u00e4ume\u201c die gottlob kleine Gruppe der Jeunet-Filme, die man nicht unbedingt st\u00e4ndig wiedersehen muss. Aber daf\u00fcr gibt\u2019s ja noch \u201eDelicatessen\u201c, \u201eAlien 4\u201c, \u201eAm\u00e9lie\u201c und \u201eMicmacs\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (17.07.2014) Jean-Pierre Jeunet macht also einen Kinderfilm in 3D. Vielleicht liegt es genau an diesen beiden Faktoren, aber so richtig mitrei\u00dfend ist \u201eDie Karte meiner Tr\u00e4ume\u201c nicht geworden. 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